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Gastkommentar zum Entgelttransparenzgesetz
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Für echte Lohngerechtigkeit braucht es mehr

Doris Achelwilm 24.07.2019 4 Kommentare

Eine Kundgebung in Berlin zum Equal Pay Day.
Eine Kundgebung in Berlin zum Equal Pay Day. (Wolfgang Kumm/dpa)

Die Löhne von Männern und Frauen gehen weltweit stark auseinander, gerade auch in Deutschland: Der durchschnittliche Bruttostundenlohn von Frauen liegt stabile 21 Prozent unter dem männlicher Beschäftigter.

Die Gründe für diesen Gender Pay Gap sind vielschichtig. Frauen arbeiten als Familienverantwortliche oft in (unfreiwilliger, schlechter bezahlter) Teilzeit. Sie arbeiten häufiger in sozialen Berufen, die traditionell geringer entlohnt werden als etwa Tätigkeiten in der Industrie. Auch in höheren Funktionen schneiden Frauen beim Gehaltscheck häufig schlechter ab als gleichrangige männliche Kollegen. Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung vor zwei Jahren ein „Entgelttransparenzgesetz“ verabschiedet.

Es soll in Betrieben ab 200 Beschäftigten für bessere Auskunftsrechte zu Vergleichslöhnen sorgen und somit dafür, „das Gebot des gleichen Entgelts für Frauen und Männer bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit durchzusetzen“. Nichts gegen Transparenz, aber ernsthaft betrachtet war schon beim Beschluss dieses Gesetzes klar, dass es weder offensiv noch zielgruppenbewusst oder allgemeingültig genug ist, um Lohngerechtigkeit verbindlich zu machen.

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Die erste Evaluation bestätigt jetzt, was Kritiker vorhergesagt haben: So funktioniert es nicht. Nur zwei Prozent der Berechtigten haben bislang ihren Auskunftsanspruch genutzt. Eine Überprüfung ihrer Entgeltstrukturen führten weniger als die Hälfte der dazu aufgeforderten Unternehmen durch. Überraschung: Die Lohnschere zwischen den Geschlechtern geht keinen Millimeter zu. Was muss sich ändern? Damit Löhne gerechter werden, muss das Auskunftsrecht für alle Beschäftigten gelten, statt nur in Betrieben ab 200 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen – zumal Frauen überwiegend in kleinen und mittelgroßen Betrieben tätig sind.

Es braucht Strafmöglichkeiten für Betriebe, die gegen Equal Pay verstoßen. Und ein Verbandsklagerecht, damit Betroffene ihre Rechte nicht alleine durchkämpfen müssen. Außerhalb der Grenzen des Transparenzgesetzes sollte Politik endlich dafür sorgen, dass unbezahlte Eltern-, Fürsorge- und Hausarbeit zwischen den Geschlechtern gerechter verteilt wird. Steuerliche Anreizsysteme wie das Ehegattensplitting können so nicht bleiben – sie begünstigen eine Arbeitsteilung, die Frauen erst Einkommensnachteile und später miserable Renten beschert. Statt prekärer Jobs (von denen neben zu vielen Männern noch mehr Frauen betroffen sind) braucht es gute Lohnstandards für alle, jetzt.

Zur Person

Unsere Gastautorin kommt aus Bremen-Walle und ist gleichstellungspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag.


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
Es gibt nur eine Chance wieviel Artikel beschrieben. Und jetzt schwindet mit dem Artikel von Stefan Rahmstorf das Argument, dass die BRD nur für ...
Bremen99 am 21.10.2019 20:41
Das Parken in Wild-West-Manier rund um den Freimarkt hat Tradition. Vor über 40 Jahren konnte man auch schon regelmäßig beobachten wie dreiste ...
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