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Massenprojekt in Bremen
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Gas-Umstellung läuft auf Hochtouren

Pascal Faltermann 01.01.2018 8 Kommentare

Wesernetz Servicetechniker Jens Ullmann zieht durch die Stadt um die Gasheizungen zu prüfen
Wesernetz Servicetechniker Jens Ullmann zieht durch die Stadt um die Gasheizungen zu prüfen (Frank Thomas Koch)

Insgesamt 95.000 Mal werden Monteure im kommenden Jahr an den Haustüren in Bremen klingeln. Bei der Umstellung von energieärmeren L-Gas auf das energiestärkere H-Gas geht es 2018 in die heiße Phase. Nach Angaben der SWB-Tochter Wesernetz sollen 40.000 Haushalte erfasst und 55.000 Gasgeräte angepasst werden. „Es ist eine enorme Herausforderung. Ein Massenprozess mit zahlreichen individuellen Anforderungen“, sagt Stefan Prigge, aus der Abteilung „Kommunikation Gasumstellung“ beim Energieversorger SWB.

In 170.000 Haushalten in Bremen müssen Gasthermen oder Herde umgerüstet werden – bei 20.000 ist dies bereits erledigt. „Damit koordinieren wir 450.000 Hausbesuche in unserem Netzgebiet“, sagt Friedhelm Behrens, der bei der SWB dafür zuständig ist, alle Betroffenen mit Informationen zu versorgen. Wesernetz ist verantwortlich für die Versorgungsnetze für Strom, Erdgas, Trinkwasser und Fernwärme im Land Bremen. Zudem ist die SWB-Tochter in Stuhr, Weyhe und der Samtgemeinde Thedinghausen für das Erdgasnetz zuständig.

Seit August 2016 sind die von Wesernetz beauftragten Monteure in Bremen unterwegs, um die Gasgeräte je nach Modell mit anderen Düsen zu versehen oder die Luftzufuhr einzustellen. Der Grund: Das deutsche und niederländische Gas, das bisher durch die Leitungen strömte, hat einen niedrigeren Energieinhalt (Brennwert). Fachleute sprechen deswegen von L-Gas (low für niedrig). Künftig stellen Wesernetz auf H-Gas (high für hoch) mit einem höheren Brennwert um. Da das L-Gas-Vorkommen in Deutschland und den Niederlanden immer weiter zurückgeht, muss H-Gas aus Norwegen oder Russland bezogen werden.

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Bei solch einem Massenprojekt bleiben die Schwierigkeiten nicht aus. Kunden berichteten immer wieder von langen Wartezeiten an der Hotline oder von Terminproblemen. Die Monteure klagen über verschlossene Türen oder Kommunikationsprobleme mit den Kunden. „So etwas gab es noch nie. Wir sind die ersten, die so etwas in einer Großstadt machen“, sagt Behrens.

So habe man im laufenden Prozess immer mehr dazu gelernt. „Zudem haben wir personell aufgestockt“, sagt Behrens. Dadurch habe man mehr Personen im Kundenservice oder auch Monteure auf Stand-by, wenn mal jemand ausfalle. Mittlerweile sind es 220 Projektbeteiligte, die bei Wesernetz an der Gasumstellung arbeiten – da habe man ein temporäres Unternehmen aufgebaut. 

Vom Bremer Süden in den Norden

Mithilfe des Handbuchs des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) mussten die verschiedenen Gerätetypen nach und nach in eine Datenbank eingepflegt werden. Von anfangs etwa 18.000 sei die Zahl auf 25.000 unterschiedliche Verbrauchsgerätetypen gestiegen. Diese Summe zeige, wie schwierig es sei, mögliche Ersatzteile zu bekommen. Als Netzbetreiber sei man bundesweit mit den Herstellern in Kontakt, um Ersatzzeile für alte Geräte zu bekommen, so Behrens.

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Die Umstellung für die Hansestadt startete im Bremer Süden und arbeitet sich in den Norden vor. In den Stadtteilen Osterholz und Hemelingen wurden die Geräte bereits angepasst, wie auch im Ortsteil Mahndorf, wo es 2016 los ging. 2018 steht nun die Anpassung in Oberneuland, Borgfeld, Horn, Schwachhausen, der östlichen Vorstadt, Habenhausen und Obervieland auf dem Plan. In Walle und Gröpelingen steht die Erfassung an. Immer wieder gibt es aber auch Geräte, die nicht für H-Gas angepasst werden können.

In solchen Fällen muss eine neue Anlage her. Entsprechende Beratung bietet die Bremer Verbraucherzentrale. Zudem gibt es für Betroffene einen staatlichen Zuschuss in Höhe von 100 Euro. Im kommenden Jahr werden es 90 Monteure sein, die täglich 800 bis 1000 Termine absolvieren. Ein Teil der Arbeitskräfte stamme von Subunternehmen, so Sprecher Prigge. Bis 2021 soll die Umstellung in Bremen abgeschlossen sein. Das Projekt kostet rund 70 Millionen Euro.

In Niedersachsen sind es insgesamt rund 600.000 Kunden, deren Geräte der Versorger EWE Netz im Weser-Elbe-Gebiet ab Ende 2018 umstellen muss. Als erste Kommune war 2015 die niedersächsische Kleinstadt Schneverdingen an der Reihe. Auch in Achim lassen die Stadtwerke bereits H-Gas fließen. In Lilienthal und Osterholz-Scharmbeck haben die Arbeiten begonnen, ab dem dritten Quartal 2018 geht es im Landkreis Rotenburg los. In Deutschland sind es fünf Millionen Endgeräte die an die veränderte Gasqualität angepasst werden müssen. Das bezahlen die Verbraucher über Umlagen mit – auch wenn die Umrüstung zunächst mal kostenlos ist.


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Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.
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