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Kommentar über die SPD-Chefsuche
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Lavieren, abwinken, andere vorschicken

Norbert Holst 06.08.2019 0 Kommentare

Will er, oder will er nicht SPD-Chef werden? Lars Klingbeil, Generalsekretär der SPD, steckt nach eigenen Worten noch in einem
Will er, oder will er nicht SPD-Chef werden? Lars Klingbeil, Generalsekretär der SPD, steckt nach eigenen Worten noch in einem "Denkprozess". (Philipp Schulze/dpa)

Stephan Weil macht sich zum Meister aller Zauderer. Der Regierungschef von Niedersachsen, eigentlich ein sympathischer Typ, laviert in der Frage, ob er vielleicht doch nicht lieber der kommende SPD-Bundesvorsitzende und damit Nachfolger von Andrea Nahles sein will. Er sei gerne Ministerpräsident von Niedersachsen, pflegt Weil in diesen Tagen zu sagen, lässt sich dann aber immer ein kleines Hintertürchen für eine Kandidatur offen.

Nach dem Motto: Ich sage mal nur ein bisschen ab. Die Suche nach dem neuen Chef hat bislang überhaupt keinen Elan in die Partei getragen. Dabei wäre der bitter nötig für die SPD, die durch schlechte Wahlergebnisse, noch schlechtere Umfragewerte, fehlendem Markenkern und zunehmender Entfremdung von ihrer traditionellen Klientel schon genug Probleme hat. Und nun droht auch noch die Suche nach dem neuen Boss zur Lachnummer zu werden.

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Dabei haben andere vorgemacht, wie man ein internes Rennen zu einem hochspannenden Event macht. Zuletzt war es die CDU, in der sich Annegret Kramp-Karrenbauer, Jens Spahn und Friedrich Merz um die Nachfolge von Angela Merkel bewarben. Die CDU wusste bis dahin gar nicht, wie diskussionswütig sie sein kann. Und bei den Grünen lieferten sich Cem Özdemir und Robert Habeck im Herbst 2016 einen aufregenden Zweikampf um den männlichen Posten in der Doppelspitze, den der haushohe Favorit Özdemir nur mit hauchdünnem Vorsprung für sich entscheiden konnte.

Bei der SPD hingegen? Weil laviert, Arbeitsminister Hubertus Heil winkt ab, Vize-Kanzler Olaf Scholz hat keinen Bock, Generalsekretär Lars Klingbeil befindet sich schon seit Wochen in einem „Denkprozess“, Hoffnungsträgerin Franziska Giffey verschanzt sich hinter Plagiatsvorwürfen. Aber es kommt alles noch schlimmer: Was machen die drei Vize-Parteivorsitzenden, die ja eigentlich die natürlichen Erben sind, wenn sich die Chefin plötzlich vom Acker macht?

Manuela Schwesig, Thorsten Schäfer-Gümbel und Malu Dreyer moderieren lieber den Übergang, als selber zu kandidieren. Das alles lässt nur einen Gedanken zu: Selbst die SPD-Spitze scheint den Glauben daran verloren zu haben, dass es mit der Partei irgendwann wieder aufwärts gehen könnte. Kein Mut, keine Risikofreude. Niemand, der darauf brennt, in schwierigen Zeiten solch ein wichtiges Amt zu übernehmen. Das sagt viel aus über den Zustand dieser traditionsreichen Partei.

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Natürlich muss es abschreckend wirken, wie die SPD ihre Vorsitzenden verheizt. Gleich sieben waren es in den vergangenen 15 Jahren. Auch der finale Umgang mit Nahles hat klar gemacht, wie brutal diese Partei sein kann. Aber: Haben die Verweigerer und Zauderer in der Parteispitze nicht auch ihren eigenen politischen Aufstieg der SPD zu verdanken?

Viel mutiger sind die, die kandieren wollen – darunter drei Doppelspitzen: Europa-Staatsminister Michael Roth und die ehemalige nordrhein-westfälische Familienministerin Christina Kampmann; die Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach und Nina Scheer; die Oberbürgermeister von Flensburg und Bautzen, Simone Lange und Alexander Ahrens. Am Montag hat noch der Wirtschaftsexperte Robert Maier seine Kandidatur bekannt gegeben. Gesine Schwan, die Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission, hat gleich mehrfach Interesse bekundet, will sich aber offenbar bitten lassen.

Die Interessenten sind honorige Personen, die auch für klare Inhalte stehen. Start-up-Unternehmer Maier etwa sieht die SPD bei Themen wie Sicherheit oder Digitalisierung schlecht aufgestellt. Das Duo Lauterbach/Scheer bezeichnet die Große Koalition in Berlin als gescheitert. Kampmann und Roth wollen die SPD „klar als linke Volkspartei positionieren“.

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Aber mal im ernst: Angesichts der Dramatik ist die Herkulesaufgabe, die Sozialdemokraten aus der schweren Krise zu führen, für die bisherigen Bewerber doch eine Nummer zu brisant. Und so wird es am Ende der Bewerbungsfrist am 1. September wohl darauf hinauslaufen, dass der innere Führungszirkel doch noch einen Parteipromi ausguckt, der in die ungeliebte Kandidatenrolle schlüpft. Und die oder der wird dann als haushoher Favorit gegen lauter Unterdogs antreten.

Damit wäre dann aber die Chance vertan, mit einem spannenden internen Wettbewerb ein breites öffentliches Echo zu finden. Aber die Sache mit den verpassten Chancen kennt man schon von der SPD. Zur Erinnerung: Der „Schulz-Zug“ brauste durchs Land, Martin Schulz wurden ernsthafte Chancen auf das Kanzleramt zugeschrieben. Das ist erst zweieinhalb Jahre her. Es klingt wie aus einer anderen Zeit.


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Leserkommentare
suziwolf am 22.10.2019 07:55
Hallo, @Max ...

Das Gesagte bzw. die negativen ,Erfahrungen mit anderen Banken‘
kann voll unterstrichen werden.

Auch ...
reswer am 22.10.2019 07:54
Das Luxemburger Gericht stellte im Juni 2018 fest, dass Deutschland gegen das gesundheits- als auch umweltschädliche Nitrat im Grundwasser zu wenig ...
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