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Kommentar über die Fälle Gündogan und Özil
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Totschweigen bewirkt das Gegenteil

Frank Lenk 15.06.2018 0 Kommentare

Frank Lenk ist Experte für Kommunikation und Krisen–PR.
Frank Lenk ist Experte für Kommunikation und Krisen–PR. (Christina Kuhaupt)

Am Sonntag hat die deutsche Nationalmannschaft ihr erstes Spiel bei der WM in Russland. Wir alle drücken unseren Jungs die Daumen, dass sie den Titel verteidigen können – allerdings ist es bei den meisten Fans wohl eher ein gemischtes Gefühl, denn seit vier Wochen stehen zwei Spieler besonders im negativen Rampenlicht: Mesut Özil und Ilkay Gündogan.

Dass ihr Fehlverhalten, was das Foto und Gündogans Widmung für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan angeht, auch noch während der WM hohe Wellen schlägt, ist der miserablen Krisenkommunikation des DFB zuzuschreiben. Kam von Gündogan immerhin eine kleine Stellungnahme, schweigt Özil nach wie vor – und der DFB nimmt es hin, Bierhoff und Löw zucken ebenfalls nur mit den Schultern.

Gutes Krisenmanagement sieht anders aus! Wie kann es sein, dass der DFB vor Jahren Stefan Effenberg jahrelang nicht für die Nationalelf spielen ließ, weil er Fans bei der WM 1994 den Mittelfinger gezeigt hat, bei den beiden türkischstämmigen Spielern hingegen nicht einmal ansatzweise mit der Wimper zuckt?!

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Das ganze Thema wird nach wie vor heiß gekocht. Es wirkt sich auf die gesamte Mannschaft aus. Özil, der bei der Nationalhymne grundsätzlich nicht mitsingt und schon damit immer wieder für Verständnislosigkeit sorgt, wird sicherlich keinen guten Stand während der WM haben. Und auch Gündogan wird trotz leichten Einlenkens erneut mit Pfiffen rechnen müssen.

Als Nationalspieler haben die beiden eine gewisse Verantwortung, der sie in diesem Fall durch schlechte Berater und schlechtes Krisenmanagement nicht nachgekommen sind. Aktive Reaktion statt passivem Verhalten wäre hier richtig gewesen, dann wäre das Thema als „unbedacht und einmaliger Fehler“ schneller abgehakt gewesen. Das Totschweigen und Nicht-Reagieren sorgt hingegen genau für das Gegenteil.

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Die Fans sind irritiert, sensibilisiert, der „Störfaktor“ wird mit in die WM getragen, die Aktion bedient das Klischeedenken der falschen Leute. Das ist sicherlich nicht das Ziel des DFB, sollte es jedenfalls nicht sein. Auch wenn der Deutsche Fußball-Bund mündige Spieler verlangt – im Falle Özil und Gündogan hätte gehandelt werden müssen. Und zwar schnell, unterstützend, aber auch fordernd.

Für die WM kann man nur hoffen, dass die Nationalelf erfolgreich ist, sich von schlecht gelaunten Fans nicht beeinflussen lässt. Und wenn Özil oder Gündogan dann noch das eine oder andere Tor schießen, die Mannschaft womöglich ihren Titel verteidigt, wird die „Erdogan-Affäre“ vielleicht im Siegestaumel untergehen. Vielleicht …

Zur Person

Unser Gastautor Frank Lenk ist Experte für Kommunikation und Krisen–PR. Der 59-Jährige war 25 Jahre lang Sprecher der bremischen Handwerkskammer und hat als Trainer mit B-Lizenz viele Jahre Klubs bis zur Bremen-Liga trainiert.


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Leserkommentare
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Bremen99 am 21.10.2019 20:41
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