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Kommentar über den US-Vorwahlkampf
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Unentschiedene US-Demokraten

Thomas Spang 06.05.2019 0 Kommentare

Die Qual der Wahl: Bis Anfang Mai haben sich 22 Kandidaten bei den Demokraten gemeldet, unter anderem Elizabeth Warren.
Die Qual der Wahl: Bis Anfang Mai haben sich 22 Kandidaten bei den Demokraten gemeldet, unter anderem Elizabeth Warren. (John Locher/dpa)

Wer kann Donald Trump 2020 schlagen? Diese Frage dominiert das Denken der amerikanischen Demokraten, die bei den Vorwahlen aus dem dichten Gedränge an Bewerbern für die Spitzenkandidatur auswählen müssen. Es gibt im Rennen um die Präsidentschaftswahlen-Nominierung der Demokraten keinen gesetzten Favoriten. Und es geht auch um Inhalte. Aber: Persönlichkeiten wiegen schwerer als Programme. Und den Wählern dämmert, dass die innerparteilichen Differenzen weniger gravierend sind, als es die Konsequenzen einer zweiten Amtszeit Trumps wären.

Dieses Kalkül führt zu einer anderen Betrachtungsweise des Bewerberfeldes, das auf bereits mehr als 20 Kandidaten angeschwollen ist. Diese Zahl reflektiert, wie unentschieden die Demokraten vor dem Beginn der ersten Vorwahlen am 3. Februar in Iowa sind. Jüngste Umfragen sehen die Kandidaten mit dem höchsten Bekanntheitsgrad, den ehemaligen Vizepräsidenten Joe Biden und den schon 2016 angetretenen Bernie Sanders, mit mickrigen 13 beziehungsweise neun Prozent vorn.

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Wer nur etwas von amerikanischer Präsidentschaftspolitik versteht, weiß, wie wenig das zu diesem Zeitpunkt des Rennens bedeutet. Denn mit wachsender Verbreitung der Namen anderer Kandidaten ändert sich die Dynamik sehr schnell; manchmal von Woche zu Woche.

Was bleibt, ist das Prisma, durch das die Demokraten die Kandidaten betrachten. Die Anhänger Bidens verkaufen den 76-Jährigen, der länger in der Politik ist, als andere Mitbewerber auf der Welt, als „Elder Statesman“, mit dem sich die älteren weißen Wähler im Rostgürtel und Mittleren Westen identifizieren können. Diese Region gewann Trump 2016. Strategen sehen sie als Schlüssel für die Rückkehr ins Weiße Haus.

Unausgesprochen hat Sanders einen ähnlichen Appeal. Er gehört derselben Generation weißer Männer an, die am meisten an den Umbrüchen des modernen Amerika zu knacken haben. Der 77-Jährige wäre so alt wie kein amerikanischer Präsident vor ihm, wenn er ins Weiße Haus einzöge.

Die Vorstellung mutet fremd an, dass die von Frauen und Minderheiten geprägte Partei ihre Zukunft und beste Chance gegen Trump in zwei älteren weißen Herren sieht. Dieses Argument hat am schlüssigsten der “Benjamin” im Bewerberfeld, Peter Buttigieg, vorgetragen. Der mit 37 Jahren blutjunge Bürgermeister aus South Bend im US-Bundesstaat Indiana fordert einen Generationswechsel.

Kämpferische Senatorin

Diesen könnte auch der andere Wunderjunge im Bewerberfeld, der Texaner Beto O’Rourke, für sich beanspruchen. “Mayor Pete” und “Beto” reklamieren nicht nur in ihrer Partei, sondern auch gegenüber Trump den Anspruch der jüngeren Amerikaner, mit dem toxischen Politik-Verständnis der von Vietnam und Kaltem Krieg geprägten Generation zu brechen. Beide haben gezeigt, im sogenannten “Fly-Over”-Country Wähler ansprechen können, ohne die Hochburgen der Demokraten in den Ballungsräumen der Küsten zu verprellen. Das hebt sie aus dem übrigen Bewerberfeld hervor.

Dass die Chancen mit einer Kandidatin an der Spitze stiegen, den Chauvinisten im Weißen Haus abzulösen, ist eine andere Erwägung. Zumal es die Stimmen der Frauen waren, die bei den zurückliegenden Zwischenwahlen zum Kongress für einen Mehrheitswechsel gesorgt haben.

Die kämpferische Senatorin aus Massachusetts, Elizabeth Warren, sprudelt nur so mit neuen Ideen, hat aber einen kapitalen Fehler gemacht. Sie ließ sich von Trump auf das gefährliche Glatteis der Identitätspolitik führen. Mit ihrer Entscheidung, per DNA-Test zeigen zu wollen, indigene Vorfahren zu haben, machte sich Warren sprichwörtlich zur Lachnummer. Dieser Image-Verlust lässt sich nur schwer wettmachen.

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Anderen Frauen im Rennen, wie die Senatorinnen Amy Klobuchar oder Kirsten Gillibrand, fehlt es an Charisma und Profil, die Glasdecke zu durchbrechen, an der sich Hillary Clinton schon zwei Mal eine blutige Nase geholt hatte. Sie dürften am Ende kaum mehr als Zählkandidatinen sein.

Ganz anderes die Senatorin aus Kalifornien, Kamala Harris, die den deutlichsten Bruch mit der Ära Trump verspricht. Sie wäre nicht nur die erste Frau im Weißen Haus, sondern markierte mit dann 55 Jahren auch einen Generationenwechsel. Die Tochter eines Professors aus Jamaika und einer Krebsforscherin aus Indien verkörperte wie Barack Obama den amerikanischen Schmelztiegel. Könnte sie den Amtsinhaber schlagen? Viele trauen es der durchsetzungsstarken Staatsanwältin zu.


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Leserkommentare
linde79 am 20.10.2019 17:58
Wie wäre es denn, wenn man auch mal die Qualität der Lehrer und Lehrerinnen hinterfragte? Wie wäre es in Anbetracht der Bildungsmisere, die ...
Michalek am 20.10.2019 17:37
Schüler brauchen keine Erhebungen und sie sollten nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

Grundschüler brauchen Unterricht, der ...
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