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Daniel Wiemer spielt in "Mein Song für Dich" (Dienstag, 7. Dezember, 20.15 Uhr, SAT.1)

Frank Rauscher 19.11.2010 0 Kommentare

"Finden Sie eigentlich meine Perücke im Film lächerlich?" - Daniel Wiemer als zunächst einmal ziemlich abgefuckter Rocks (SAT.1 / Christine Schröder)

Lebe lieber ungewöhnlich - das könnte das Motto von Daniel Wiemer sein. Der 34-jährige Theater- und Filmschauspieler gehört zu jenen interessanten Vertretern seines Fachs, die sich am liebsten so gar nicht festlegen lassen würden. "Wenn ich Sicherheit gewollt hätte, würde ich jetzt in der Bank sitzen", sagt Wiemer, der von einem Bänker wirklich einigermaßen weit entfernt ist: Mit der Rockband TheMannMannMannManns bringt er die Säle zum Kochen, als Darsteller, zum Beispiel in der jungen SAT.1-Romanze "Mein Song für Dich" (Dienstag, 7. Dezember, 20.15 Uhr) mit Jeanette Biedermann, so manches Frauenherz in Wallung, und im Internet lässt er in einer wüsten Boxkampfserie die Anarchie hochleben ("Jabhook" auf www.sport1.de). Daniel Wiemer bekennt sich zu seinen "Hummeln im Arsch" und sagt, dass er die Vielfalt schätzt - nur eines wird in seinem Leben für alle Zeiten unverändert bleiben: die Liebe zum 1.FC Köln.

Mit Perücke und erst mal so gar nicht zum Anbeißen: Daniel Wiemer als Rocker Mark O. in der SAT.1-Romanze
Mit Perücke und erst mal so gar nicht zum Anbeißen: Daniel Wiemer als Rocker Mark O. in der SAT.1-Romanze "Mein Song für (SAT.1 / Christine Schröder)

teleschau: TheMannMannMannManns - klingt nach RTL-Schuldnerberater Peter Zwegat, ist aber eine Band ...

Daniel Wiemer: (lacht) Danke, dass Sie das Deutsch aussprechen - Mann-Mann-Mann-Manns, nicht Mähn-Mähn-Mähn-Mähns!

Gelernt ist gelernt: Jeanette Biedermann kriegt das schon hin mit der Headbanger-Mähne von Daniel Wiemer (Szene aus dem
Gelernt ist gelernt: Jeanette Biedermann kriegt das schon hin mit der Headbanger-Mähne von Daniel Wiemer (Szene aus dem (SAT.1 / Christine Schröder)

teleschau: Was hat man verpasst, wenn man die Combo noch nicht live erlebt hat?

Wiemer: Vier gestandene Männer, die in einer lustigen Rock'n'Roll-Coverband unglaubliche Dinge veranstalten. Wir nennen uns nicht umsonst die ältesten Teenager Deutschlands.

Daniel Wiemer hat der Dreh mit Jeanette Biedermann Spaß gemacht:
Daniel Wiemer hat der Dreh mit Jeanette Biedermann Spaß gemacht: "Sie ist eine sehr angenehme Person, die an die Schausp (SAT.1 / Christine Schröder)

teleschau: Dabei werden Sie im Februar 35!

Wiemer: Wir sind echte Rampensäue - die sich ihres Alters zwar bewusst sind, aber trotzdem teilweise noch pubertieren. Ich gründete die Band vor sieben Jahren mit drei anderen Theaterkollegen. Man erlebt vier Schauspieler, die zwei Stunden lang so tun als wären sie Rockstars - und das Publikum geht von Anfang an voll mit. Eine irre Show: Wir Sänger treten in vielen verschiedenen Kostümen auf und verpassen mit unseren Musikern allen möglichen Rocksongs der letzten 20, 30 Jahre einen total neuen Anstrich.

"Sie ist der Popstar - ich singe nur in einer Rock-Coverband": Daniel Wiemer weiß um die wahren Verhältnisse, mit Jeanet (SAT.1 / Christine Schröder)

teleschau: Wie professionell ist das Ganze?

Wiemer: Erst war's als einmaliger Spaß gedacht. Aber das Konzept kam an, hat sich herumgesprochen. Inzwischen füllen wir in Bonn das Opernhaus, auf der Bühne stehen dann bis zu 40 Menschen. Aber genauso gerne spielen wir in kleiner Formation in engen Clubs, wo's ein bisschen dreckiger zugeht. Die ideale Band, um eine ordentliche Party zu starten. Wobei: Die After-Show-Feste sind meistens noch besser, geradezu orgiastisch.

Man half sich, wo's geht:
Man half sich, wo's geht: "Obwohl ich den einen oder anderen Ton so richtig versägte, stand mir Jeanette sehr großzügig (SAT.1 / Christine Schröder)

teleschau: Geht's darum, selbst ein bisschen die Sau rauszulassen?

Wiemer: Ja, das auch. Es ist schon des Öfteren vorgekommen, dass sich einer von uns Jungs nach dem Gig ins Krankenhaus fahren lassen musste.

Die Chemie stimmt - auch beim gemeinsamen Duett: Jeanette Biedermann und Daniel Wiemer.
Die Chemie stimmt - auch beim gemeinsamen Duett: Jeanette Biedermann und Daniel Wiemer. (SAT.1 / Christine Schröder)

teleschau: Um Gottes willen, was veranstalten Sie denn alles auf der Bühne?

Wiemer: Ach, ich musste neulich zum Beispiel genäht werden - weil ich böse auf Rasierschaum ausgerutscht bin.

In der ZDF-Reihe
In der ZDF-Reihe "Die Spezialisten: Kripo Rhein-Main" spielte Daniele Wiemer (Szene mit Marita Marschall) einen Frankfur (ZDF / Dirk Häger)

teleschau: Rasierschaum?

Wiemer: (lacht) Ja. Die Choreografie war ganz lustig. Wir mussten uns beim Auftritt alle das Achselhaar epilieren - live on stage, was dazu führte, dass die Bühne voller Rasierschaum war. Ein Kollege hat das genutzt, um mit nacktem Oberkörper so einen klassischen Kinsmann-Diver hinzulegen. Er schlitterte noch ganz wunderbar drei Meter über die Bühne ... Ich nicht mehr.

teleschau: Das mit dem Pubertieren war also keineswegs übertrieben ... Rockmusik soll ja das beste Anti-Aging-Elixier sein!

Wiemer: Ach, gelegentlich, das muss ich sagen, spüre ich mein Alter auf der Bühne doch. Wenn ich mir alte Aufnahmen anschaue: Vor sieben Jahren bin ich über die Bühne geflitzt wie ein Teufel - voller überschüssiger Energie. Jetzt gehe ich ruhiger zur Sache und stecke mehr Energie in den Gesang als in die Performance. Dennoch, und jetzt werde ich mal ein bisschen pathetisch: Es gibt nichts Geileres, als auf der Bühne zu stehen und zusammen mit guten Freunden abzurocken. Das ist Freiheit pur!

teleschau: Freiheit über alles - war das auch das Motto bei der Berufswahl?

Wiemer: Jein (lacht). Eigentlich wollte ich Journalist werden. Und mit der Schultheatergruppe hatte ich erst mal gar keine Berührungspunkte, ich ging viel lieber ins Stadion zum FC, was ich übrigens die letzten 25 Jahre bei so gut wie jedem Heimspiel tat.

teleschau: Und weiter?

Wiemer: Irgendwann, überredete mich ein Lehrer, doch mal beim Theater mitzumachen. Meine Entscheidungsfindung pro Schauspiel basierte dann vor allem darauf, dass ich mit 17, 18 Jahren schnell merkte, dass man im Gymnasium unheimlich gut an die Mädchen rankommt, wenn man Theater spielt. Außerdem verdiente ich gleich in meiner allerersten Rolle im Film "Absprung" (1995, von Regisseur Hano Brühl, d. Red.) relativ viel Geld. Ich weiß, es gibt viele Kollegen, die gerne auf frühe Shakespeare-Erfahrungen mit sieben Jahren verweisen - bei mir wäre das absolut gelogen. Geld und Mädchen, das hat mich gereizt (lacht).

teleschau: Und die Freiheit, nie in einem Nine-to-Five-Job hängen zu müssen?

Wiemer: Sagen wir es anders: Ich kann charakterlich ganz gut mit Unsicherheiten und Unregelmäßigkeiten umgehen. Wenn ich Sicherheit gewollt hätte, hätte ich eine richtige Ausbildung gemacht und würde jetzt in der Bank sitzen.

teleschau: Und auf einmal hatten Sie das, was viele Jungs wohl eine Traumrolle nennen: Sie waren Ende der 90-er der große Aufreißer in der ARD-Soap "Verbotene Liebe"!

Wiemer: Meine Erinnerungen an diese Zeit sind ambivalent: Einerseits lernte ich viele Leute kennen, die zu meinem weiteren Werdegang beitrugen, kam erstmals mit dem Thema Schauspielausbildung in Berührung. Auf der anderen Seite entstand mein grundsätzliches Misstrauen gegenüber dieser Arbeit.

teleschau: Inwiefern?

Wiemer: Das hat mit der allgegenwertigen Augenwischerei zu tun. Ständig kommen am Set irgendwelche Leute und sagen: "Das war jetzt ganz hervorragend!" - Dabei weiß jeder genau, dass unter diesen Umständen, alles muss so schnell abgedreht werden, gar keine wirkliche Qualität entstehen kann.

teleschau: Ihre Konsequenz?

Wiemer: Ich ging zum Theater. Ich vollzog meine weitere Ausbildung lieber live auf der Bühne. Sehen wir es positiv: Ohne "Verbotene Liebe" wäre ich nie am Theater gelandet.

teleschau: Das Fernsehen hat Sie aber immer begleitet.

Wiemer: Und ob, da wandelt man auf den seltsamsten Wegen. Bisheriges Highlight war meine Rolle im letzten "Lutter"-Krimi mit Joachim Król. Aber ich war auch schon Kommissar (in der ZDF-Reihe "SOKO Rhein-Main", d. Red), ging bei Anke Engelke in "Ladykracher" durch alle denkbaren Genres, und gerade durfte ich in Leander Haußmanns Komödie "Hotel Lux" den jungen Herbert Wehner spielen ... Man nimmt die Arbeiten, wie sie kommen. Und die Vielfalt ist doch das Schönste an diesem Beruf ...

teleschau: Sagen Sie. Irgendwann landen doch eh alle beim Krimi ...

Wiemer: (lacht) Ja. Aber das ist eine mathematische Frage: Es werden halt unfassbar viele Krimis gemacht.

teleschau: Gut, dass es noch ein paar Ausnahmen gibt. Im SAT.1-Film "Mein Song für dich" dürfen Sie Jeanette Biedermann küssen ...

Wiemer: (lacht) Bis heute habe ich noch keine einzige Sekunde von dem Film gesehen. Wie ist er denn?

teleschau: Och, schon ganz nett - bisschen vorhersehbar vielleicht. Wie war es denn, mit Jeanette zu arbeiten?

Wiemer: Es hat unheimlich viel Spaß gemacht. Sie ist eine sehr angenehme Person, die an die Schauspielerei mit einer sympathischen Demut herangeht. Sie sagt nicht, dass sie alles schon perfekt kann, sondern sie ist äußerst wissbegierig und bereit, Dinge anzunehmen. Und sie war immer perfekt vorbereitet.

teleschau: Sie beide singen im Film zusammen.

Wiemer: Ja, und Jeanette war extrem kollegial, was meinen Gesang angeht. Sie ist der Popstar - ich singe nur in einer Rock-Coverband, und ein Song von den Ramones ist ungleich einfacher als beispielsweise die Pop-Ballade, die wir im Film singen. Obwohl ich den einen oder anderen Ton so richtig versägte, stand mir Jeanette sehr großzügig mit Rat und Tat zur Seite. Sagen Sie, finden Sie eigentlich meine Perücke im Film lächerlich?

teleschau: Ach, Sie tragen eine Perücke?

Wiemer: (lacht) Ja, ja. Ich spiele halt so einen 70er-Jahre-Glamrock-Typen ...

teleschau: Lange Haare, unrasiert und Nieten-Lederjacke ...

Wiemer: Cooles Teil, oder? Die Jacke trage ich auch privat - habe ich der Produktion abgekauft.

teleschau: Sie mögen Rockerjacken?

Wiemer: Vor allem stehe ich auf coole Jacken, und die müssen unbedingt ganz geschlossen sein. Ich bin modetechnisch total beeinflusst von Oasis - meine Lebensband. Liam und Noel Gallagher machen alle Jacken bis obenhin zu. Im Film musste ich die Jacke allerdings immer offen lassen - blöd.

teleschau: Jacke bis obenhin zu - das geht nur, wenn man keinen Bauchansatz hat.

Wiemer: Ich bin Sportler! Wenn ich mich ein paar Tage nicht bewege, wird's mir unangenehm. Hummeln im Arsch ...

teleschau: Spielen Sie Fußball?

Wiemer: Gelegentlich. In der Betriebsmannschaft der Produktionsfirma Brainpool bin ich der Rechtsverteidiger. Man verwechselt mich gerne mit Philipp Lahm - nicht nur aufgrund der Körpergröße.

teleschau: In der Webserie "Jabhook" spielen Sie einen Boxpromoter. Was für ein Projekt ist das?

Wiemer: Eine auf dem Portal von Sport1 ausgestrahlte Dokufiction. Fünf-Minuten-Clips, die sich an eine real existierende Box-Gala-Reihe hängen: Bei der "Night of the Raging Bulls" treten reine Amateursportler an, Leute wie Sie und ich können kommen, kriegen einen richtigen Kampfnamen, und dann geht's über vier Runden richtig ab. Das Ganze lebt aber vom Spaß an der Sache: Nach dem Kampf gibt man sich die Hand, lacht zusammen, und das Publikum verkleidet sich so halbseiden, wie das bei richtigen Boxkämpfen üblich ist, aus den Boxen hämmert Metal-Musik, es sind die geilsten Nummernmädchen am Start. Nach vier Kämpfen stürmen die Leute den Ring, und erfahrungsgemäß entwickelt sich daraus jedes Jahr die Party mit dem höchsten Alkoholumsatz in Köln.

teleschau: Anarchie in ihrer schönsten Form!

Wiemer: Nicht ganz. Unser bescheidener Anspruch ist es, gegen die Veronicaferresierung des Boxsports anzutreten. Zu viele Promis, die sich heute am Boxring rumtreiben ... Wir geben das Boxen wieder zurück in die Hände des kleinen Mannes, es ist Humor bei der Sache, es ist emotional aufgeladen - für die allermeisten ist dies der einzige Kampf ihres Lebens - und es entscheidet allein das Publikum über den Sieger. Ich glaube, grundsätzlich würde die Atmosphäre auch fürs richtige Fernsehen taugen.

teleschau: Sie mögen das Anarchische?

Wiemer: Unbedingt. Und den etwas abseitigen Humor. Aber ich will mich bei meiner Arbeit gar nicht festlegen.

teleschau: Zieht es Sie weg aus Köln? Als junger Schauspieler ist man doch in Berlin-Prenzlauer Berg heutzutage ...

Wiemer: Ich könnte mir das vorstellen - aber nur, wenn ich alle 14 Tage zurückfliegen kann, um ins Stadion zu gehen und meine Eltern zu besuchen. Außerdem ermöglicht mir das Leben hier noch eine ganz gesunde Distanz zum Beruf, das ist mir wichtig. Wenn man sich nur noch innerhalb des beruflichen Umfelds bewegt, beginnt man, die Dinge überwichtig zu nehmen. Ich muss nicht permanent darüber reden, wer gerade was dreht. Lieber spreche ich über den 1. FC Köln.


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Leserkommentare
linde79 am 20.10.2019 17:58
Wie wäre es denn, wenn man auch mal die Qualität der Lehrer und Lehrerinnen hinterfragte? Wie wäre es in Anbetracht der Bildungsmisere, die ...
Michalek am 20.10.2019 17:37
Schüler brauchen keine Erhebungen und sie sollten nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

Grundschüler brauchen Unterricht, der ...
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