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Kummer
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Das Miteinander in Zeiten der Einzelgänger

Fionn Birr 10.10.2019 0 Kommentare

Auch wenn es schon schönere Albumcover gab: Mit
Auch wenn es schon schönere Albumcover gab: Mit "Kiox" gelingt Kraftklub-Frontmann Felix Kummer ein beeindruckendes Solodebüt.

Überraschend, aber nicht weniger beeindruckend, meldete sich Felix Brummer alias Kummer vor einigen Monaten mit der Single „9010“ zurück - zwei Jahre nach „Keine Nacht für Niemand“ (2017), dem bislang letzten Album seiner Band Kraftklub. Der Sänger und Frontmann der höchst erfolgreichen Chemnitzer Gruppe versucht sich also im Alleingang. Doch „Kiox“ ist nicht einfach nur Kummer ohne Kraftklub, sondern eine Fokussierung auf Kummers Persönlichkeit und Biografie.

Das fängt schon beim Titel an. „Kiox“, benannt nach dem Plattenladen, den sein Vater jahrelang betrieb und der lange als Kultur-Anlaufstelle in Chemnitz galt, ist ein erstaunlich ernstes Werk für jemanden, dessen erste Musikerfolge (etwa „Ich will nicht nach Berlin“, 2011) dem Popkultur-Zeitgeist mit Witz und Ironie die Punk-Haltung zurückgaben. Kummer auf Solopfaden ist persönlich, versöhnlich, aber auch drastisch, wenn es in diesen zwölf Songs um seine Heimat, die Kultur und ihn selbst geht.

Drei Alben veröffentlichte Felix Brummer alias Kummer mit der Band Kraftklub, alle drei landeten auf Platz eins in den Charts. Nun versucht der gebürtige Chemnitzer sich erstmals als Solo-Musiker.
Drei Alben veröffentlichte Felix Brummer alias Kummer mit der Band Kraftklub, alle drei landeten auf Platz eins in den Charts. Nun versucht der gebürtige Chemnitzer sich erstmals als Solo-Musiker. (Hotel Rocco)

„Verweichlichte Befindlichkeitsscheiße“

„Das ist nicht die Musik, die du suchst / Nicht die Musik, die du brauchst“: Bereits im Opener tritt der 30-Jährige der Generation Selbstoptimierung, hypermaskulinen Fitnesstrends und der algorithmusbasierten Lebensrealität in Pop-Deutschland mit „verweichlichter Befindlichkeitsscheiße“ entgegen. Auch die Single „Wieviel ist dein Outfit wert“ greift diesen Faden auf. Doch mit offensiver Komik hält Kummer sich zurück. Es geht um Liebe, Angst, Zärtlichkeit und Wut.

Schon die Vorab-Single „9010“ war ein teils autobiografischer Storyteller-Song, in dem Fall über das Wiedersehen mit einem in die Jahre gekommenen Hooligan. Oft erzählt der gebürtige Chemnitzer in Interviews von der Realität in ostdeutschen Großstädten, wo sich so gut wie jeder Jugendliche, der sich nicht den Nazis anschließt, mit rechter Gewalt auseinandersetzen müsse. „Ich würd' gern mit dem Finger auf dich zeigen / Schaut ihn euch an, dieses dumme Stück Scheiße / Aber nein, jetzt nach all der Zeit / Nach all den Jahren tust du mir auf einmal Leid“, heißt es dazu in „9010“.

Der Rave unter der Autobahnbrücke

Scharfsinnige Beobachtungen, treffsichere Punchlines und die lockere Performance-Routine einer Rampensau bündeln sich hier in einem hochmodernen Rap-Querschnitt, der oft den Kopf einschaltet, bevor er das Tanzbein schwingt. So ist „Kiox“ vor allem ein Bekenntnis, ein Manifest zur eigenen Haltung. Betont politische Statements finden sich explizit zwar nur auf „Schiff“, „Alle Jahre wieder“ oder „9010“, doch auch „Der Rest meines Lebens“ (mit Überraschungsgast Max Raabe) oder „Es tut wieder weh“ arbeiten mit gesellschaftlichen Themenkomplexen: Generationskonflikte, Gentrifizierung, die Tabuisierung psychischer Erkrankungen.

Anders als bei Kraftklub agiert Kummer auf „Kiox“ ausschließlich in Elektro- und HipHop-Gefilden. Zusammen mit den Produzenten Blvth und Drunken Masters zimmerte Kummer Songs, die dem Rave unter der Autobahnbrücke mehr schulden als dem Proberaum einer Indierock-Band. Das hypnotische Trap-Liebesabendeteuer „Bei dir“ etwa, die Hymne für alle Einsiedlerseelen „Okay“, oder auch der Beat-Bombast „Ganz genau jetzt“ bestechen mit Synthesizerschwaden und Bass-Fundamenten. Entgegen diesem aggressiv-unterkühlten Soundbild stellt sich beim Abschluss „Ganz genau jetzt“ allerdings heraus, worum es Kummer mit Zeilen wie „Ich brauche noch einen Augenblick, wenn du mich lässt / Schau mich ein letztes Mal um, denn alles, was noch kommt, ist nur der Rest“ eigentlich geht: das Miteinander in Zeiten der Einzelgänger.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?
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