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Nach Brand in Paris
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Experten: Wiederaufbau von Notre Dame ist eine komplexe Herausforderung

17.04.2019 0 Kommentare

Das Feuer vom Montag hatte die Kathedrale - wichtiges Wahrzeichen der französischen Hauptstadt und ein jährlich von Millionen Menschen besuchter Touristenmagnet - stark zerstört.
Das Feuer vom Montag hatte die Kathedrale - wichtiges Wahrzeichen der französischen Hauptstadt und ein jährlich von Millionen Menschen besuchter Touristenmagnet - stark zerstört. (dpa/Marcel Kusch)

Frankreichs Präsident Macron verspricht, dass das Nationaldenkmal in fünf Jahren schöner ist als zuvor - Fachleute sind da skeptisch. 

Der verlorene Dachstuhl, eingestürztes Gewölbe, dazu Brand- und Wasserschäden nicht nur an der Architektur sowie der Zustand des Mauerwerks seien in Notre-Dame entscheidend, sagt Kunsthistoriker Stephan Albrecht von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. "Der Kalkstein war großer Hitze ausgesetzt und durch das geschmolzene Blei und den immensen Dachstuhl ist fraglich, ob es noch trägt." Dazu komme, dass die gotische Kathedrale ein Konglomerat aus 12., 13. und 19. Jahrhundert ist, mit jeweils anderen Technologien.

Keine Baupläne 

"Für die meisten Teile gibt es keine originalen Baupläne oder -zeichnungen", berichtet Albrecht, der seit Jahren an dem Bauwerk forscht. Auch nicht vom verlorenen Dachstuhl, der auf eine Holzkonstruktion aus dem 13. Jahrhundert zurückging. "Die Form kann man natürlich kopieren, die Substanz aber ist weg." Und mit ihr viele für eine Nachbildung unverzichtbare Informationen zur Oberfläche, zur Beschaffenheit, zur Fertigung.

Immerhin haben Albrecht und sein Team gerade die Wände eines Querhauses mit Scannern in 3D vermessen. "Das ist jetzt ein Glücksfall, wir können sagen, wie das Mauerwerk über ziemlich große Strecken ausgesehen hat." Mit einem weiteren Scan könne ermittelt werden, wie sich die Katastrophe ausgewirkt und die Wand verformt haben. Nicht nur er hofft, dass trotz enormer Solidarität und vieler Spenden nichts überstürzt und eine genaue Bestandsaufnahme gemacht wird vor der Rekonstruktionsentscheidung.

Interdisziplinäre Aufgabe

"Notre-Dame, wie man es kennt, ist verloren und das, was wieder kommt, ist eine Kathedrale mit ergänzter Geschichte von Zerstörung und Wiederaufbau, und das wird man auch sehen", sagt Albrecht. Wie bei vielen kriegsgeschädigten Gotteshäusern in Deutschland: "Damals musste alles relativ schnell gehen, da hat man großzügig ausgetauscht." Nach Angaben von Denkmalpfleger Gerhard Viken von der Bamberger Universität ist bei solchen Projekten entscheidend, sie wetterfest zu machen und die Statik zu erhalten. "Es ist die ungeheuer komplexe Aufgabe von der Erfassung bis zur Technologie in einem Denkmal, was so höchstrangig und zugleich komplex und fragil ist." Das könne nur ein interdisziplinäres Team.

Der Verband der Restauratoren mahnt, so viel wie möglich von der historischen Substanz zu konservieren und zu restaurieren und bietet Erfahrung und Expertise an. "Die Mauern, die Malerei und Dekoration sind Träger von Geschichte", sagte Präsident Jan Raue. Vom Dachstuhl sollte alles, was zu retten ist, geborgen werden. Man müsse schauen, ob ein Teil der originalen Hölzer wiederverwendet werden kann. "Ich möchte appellieren, sich Zeit zu lassen." Neben Wasser sind auch Ruß und Staub, die Architektur, Kunstwerke und Oberflächen eine Herausforderung, die Sorgfalt erforderten.

Fachkräftemangel könnte Problem werden

Ein großes Hindernis beim Wiederaufbau der ausgebrannten Kathedrale Notre-Dame in Paris könnte der Fachkräftemangel werden. "Ein Riesenproblem ist dabei, dass die handwerklichen Fähigkeiten dünn gesät sind, um die vielen Kräfte mobilisieren zu können, die einen raschen Wiederaufbau ermöglichen", sagte der Vorsitzende der Vereinigung der Europäischen Dombaumeister, Wolfgang Zehetner, dem österreichischen Magazin "trend".

Fotostrecke: Großbrand in der Kathedrale Notre-Dame

Doch Europas Dombauhütten bieten ihre Hilfe und ihr geballtes Fachwissen an. "Der Verlust ist eine europäische Tragödie, als Europäer wollen wir die Hand reichen", sagte der Kölner Dombaumeister Peter Füssenich und verwies darauf, dass es in Frankreich nur noch eine solche Einrichtung gebe: "Es ist eine europäische Aufgabe."

Für den Wiederaufbau des kleinen, beim Brand eingestürzten Spitzturmes soll es einen internationalen Architekturwettbewerb geben. Mit dem Wettbewerb solle darüber entschieden werden, ob und wie der Turm wieder aufgebaut wird, sagte Premierminister Édouard Philippe nach einer Regierungssitzung am Mittwoch. Ein neuer Turm müsse den "Techniken und Herausforderungen unser Zeit" standhalten. Der kleine Spitzturm in der Mitte des Daches der weltberühmten Kathedrale war am Montagabend bei dem Brand in sich zusammengestürzt.

Außerdem kündigte Philippe ein neues Gesetzes an, dass Transparenz im Umgang mit den Spenden sicherstellen soll. "Jeder Euro, der für den Wiederaufbau von Notre-Dame eingezahlt wird, wird dafür eingesetzt - und für nichts anderes", sagte Philippe. Eine entsprechende Vorlage soll es in der kommenden Woche geben. Außerdem solle eine öffentliche Einrichtung den Wiederaufbau leiten. Nach dem zerstörerischen Feuer hatte es eine riesige Spendenbereitschaft weltweit gegeben. (dpa)

++ Dieser Artikel wurde um 16.33 Uhr aktualisiert ++


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Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.
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