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Mord in Eberswalde - Mi. 06.11. - ARD: 20.15 Uhr „Mord in Eberswalde“
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Land der Totschweiger

Jens Szameit 11.10.2019 0 Kommentare

Verbrechensbekämpfung unter den Augen der Partei: Major Stefan Witt (Florian Panzner, links), Staatsanwalt Dr. Liebers (Godehard Giese, Mitte) und Hauptmann Heinz Gödicke (Ronald Zehrfeld).
Verbrechensbekämpfung unter den Augen der Partei: Major Stefan Witt (Florian Panzner, links), Staatsanwalt Dr. Liebers (Godehard Giese, Mitte) und Hauptmann Heinz Gödicke (Ronald Zehrfeld). (WDR / Wolfgang Ennenbach)

Was nicht sein kann, das darf nicht sein. Und vor allem darf es nicht verfilmt werden. Es war letztlich ein aussichtsloses Unterfangen, im Jahr 1974 einen „Polizeiruf 110“ drehen zu wollen, der - wenn auch nur lose - auf einer authentischen Eberswalder Mordserie an drei kleinen Jungen beruhte. Weil der Staatsapparat der DDR Kapitalverbrechen im Sozialismus nicht vorsah, wurde noch beim Drehschluss die Vernichtung der Filmbänder angeordnet - erst vor wenigen Jahren legte der MDR eine aufwendige Rekonstruktion dieses lange verloren geglaubten „Polizeiruf“-Krimis vor. Parallel rollte der WDR den berühmt gewordenen „Fall Erwin Hagedorn“ noch mal ganz neu auf. Mit Ronald Zehrfeld in der Rolle des ermittelnden Kommissars und Grimme-Preis-Träger Stephan Wagner als Regisseur. „Mord in Eberswalde“ (2013, nun als Wiederholung im Ersten zu sehen) ist ein ebenso zurückhaltend wie gewissenhaft erzähltes Kriminaldrama, das auf äußerst kunstfertige Weise ein sepiagefärbtes Stimmungsbild der DDR am Ende der 60er-Jahre zeichnet.

Es sind vor allem Sinnbilder eines beklemmenden Stillstands, die von diesen 90 Minuten am „FilmMittwoch im Ersten“ hängen bleiben. Ein Wartburg, ein klappriges Fahrrad, mehr Fortbewegungsmittel finden sich kaum. Nicht wenig erinnert an Christian Petzolds preisgekröntes Kinodrama „Barbara“, wie Stephan Wagner („Lösegeld“) den Arbeiter- und Bauernstaat hier in Szene setzt. Braunstichige Bilder einer menschenleeren Straßenkreuzung, eines biederen Cafés, einer lichtarmen Mietwohnung. Eingepasst in dieses strenge Setting streiten mit gut (Florian Panzner) und schlecht sitzendem (Ronald Zehrfeld) Anzug zwei Polizeibeamte um das Vorgehen in einem aufwühlend brutalen Mordfall.

Hauptmann Heinz Gödicke (Ronald Zehrfeld, links) und sein Vorgesetzter, Major Stefan Witt (Florian Panzner), sind nicht immer einer Meinung.
Hauptmann Heinz Gödicke (Ronald Zehrfeld, links) und sein Vorgesetzter, Major Stefan Witt (Florian Panzner), sind nicht immer einer Meinung. (WDR / Wolfgang Ennenbach)

Lange Suche nach dem Mörder

Im Mai 1969 werden zwei neunjährige Jungen tot in einem Waldstück in Eberswalde gefunden. Die Suche nach dem Mörder, der die jungen Opfer mit zahllosen Messerstichen am ganzen Körper zurichtete, verläuft lange erfolglos. Während der engagierte Kommissar Heinz Gödicke (Zehrfeld) überzeugt ist, nach einem „homosexuellen Sadisten“ zu fahnden, folgt sein Vorgesetzter, der Stasi-Major Stefan Witt (Panzner), den ideologischen Vorgaben der Partei: Krankhafte Kriminalität wächst exklusiv auf kapitalistischem Nährboden - im Sozialismus kann und darf es einen solchen Triebtäter nicht geben.

Hauptmann Heinz Gödicke (Ronald Zehrfeld, links, mit Florian Panzner, rechts, und Arved Birnbaum) geht bei der Befragung Verdächtiger nicht zimperlich vor.
Hauptmann Heinz Gödicke (Ronald Zehrfeld, links, mit Florian Panzner, rechts, und Arved Birnbaum) geht bei der Befragung Verdächtiger nicht zimperlich vor. (WDR / Wolfgang Ennenbach)

Mehr noch als die Köpfe rauchen in der Sonderkommission unzählige Zigaretten. Betont langsam und unterlegt mit hypnotischer Musik steuern die Ermittlungen dann doch noch auf das Ziel zu. Zwei Jahre und einen weiteren Mord dauert es, bis Gödicke auf den 20-jährigen Kochlehrling Erwin Hagedorn (Sergius Buckmeier) kommt, der die Taten gleich frei heraus gesteht. Wenig lenkt ab von der historisch-politischen Tragweite des Falls - einzig eine leidenschaftliche Liebesbeziehung zur Freundin (Ulrike C. Tscharre) seines Vorgesetzten gönnt das ansonsten schlenkerlose Drehbuch (Holger Karsten Schmidt) der Hauptfigur. Fraglich, ob einem an Emotionsüberzuckerung gewöhnten Publikum ein solcher Film ans Herz greift.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?
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