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Warum die Zufriedenheit von der Persönlichkeit abhängt

Jürgen Wendler 10.09.2018 0 Kommentare

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Wie sich Menschen infolge bestimmter Persönlichkeitseigenschaften fühlen, ist eine Sache, wie sie auf andere wirken, eine andere. (Frank May/dpa)

Um sich besser in der Welt zurechtfinden zu können, versuchen Menschen einzuordnen oder bildlich gesprochen in Schubladen zu stecken – seien es Sachverhalte, Gegenstände oder auch andere Menschen. Letzteres geschieht nicht zuletzt mithilfe sogenannter Persönlichkeitstests. Diese gehen häufig von fünf Grundmerkmalen aus: Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Neurotizismus und Offenheit.

Extravertierte Menschen sind eher gesprächig und aktiv, verträgliche eher mitfühlend und freundlich, gewissenhafte eher organisiert und zuverlässig und offene eher breit interessiert und fantasievoll. Der Ausdruck Neurotizismus steht in Verbindung mit Eigenschaften wie gespannt und furchtsam. Kritiker bemängeln bei solchen Einteilungen unter anderem, dass es bei den Merkmalen Überschneidungen gebe. Diskutiert werden in der Wissenschaft nicht nur solche Tests, sondern zum Beispiel auch Fragen wie die, welchen Zusammenhang es zwischen der Persönlichkeit und der Lebenszufriedenheit oder auch dem beruflichen Erfolg gibt.

Jeder ist einzigartig

Jeder Mensch, jede Persönlichkeit ist einzigartig, weil sich die Muster im Denken, Erleben und Verhalten, die sie aufweist, von denen anderer unterscheiden. Aus entsprechenden Studien ist bekannt, dass sich Menschen, die sich gewissenhaft, verträglich und sozial verhalten und nicht besonders nervös oder ängstlich sind, in der Regel durch ein vergleichsweise hohes Maß an Zufriedenheit auszeichnen. Dies verändert sich allerdings in den letzten Lebensjahren, wie eine Untersuchung zeigt, deren Ergebnisse eine Forschergruppe um die Psychologin Swantje Müller, die seit Kurzem an der Universität Hamburg tätig ist, vor wenigen Wochen im „Journal of Personality and Social Psychology“ veröffentlicht hat.

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Die Wissenschaftlerin und ihre Kollegen haben Daten von mehr als 600 Menschen ausgewertet, die inzwischen verstorben sind und im Rahmen des sogenannten Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) befragt worden waren. Hinter diesem Ausdruck verbirgt sich eine Langzeitstudie beziehungsweise die Praxis, wiederholt Menschen in repräsentativ ausgewählten deutschen Haushalten zu befragen, um Daten für die sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Grundlagenforschung zu erhalten. Die Befragungen laufen seit 1984. Jahr für Jahr werden Daten von Tausenden Menschen erhoben – nicht nur zur Lebenszufriedenheit und Gesundheit, sondern zum Beispiel auch zur Erwerbstätigkeit und zum Einkommen.

Wenn das Wohlbefinden abnimmt

Die letzten zehn Lebensjahre sind Expertenangaben zufolge häufig von großen Einbußen geprägt, etwa bei der Gesundheit und geistigen Fitness. Typisch für diese Lebensphase ist demnach, dass das Wohlbefinden stark abnimmt. Nach Darstellung der Forschergruppe um Swantje Müller berichteten besonders extravertierte, das heißt kontaktfreudige und für äußere Einflüsse empfängliche, und zudem verträgliche Menschen noch einige Jahre vor ihrem Tod von einer hohen Lebenszufriedenheit. Diese nahm dann jedoch deutlich ab, sodass sie kurz vor ihrem Lebensende teilweise sogar unzufriedener waren als andere.

Eine starke Abnahme der Lebenszufriedenheit verzeichneten die Wissenschaftler besonders bei extravertierten Frauen. Dies, so heißt es, könne darauf hindeuten, dass das Soziale – also das menschliche Miteinander – für Frauen wichtiger sei als für Männer. Außerdem stellte sich heraus, dass sich Gewissenhaftigkeit auch in den letzten Lebensjahren positiv auf das Wohlbefinden auswirkt. In früheren Studien war diese Persönlichkeitseigenschaft oft mit einem gesunden und glücklichen Leben in Verbindung gebracht worden. Eine mögliche Schlussfolgerung aus den neuen Studienergebnissen formuliert Swantje Müller so: „Die Befunde könnten darauf hindeuten, dass Menschen im hohen und sehr hohen Alter zunehmend davon profitieren, sich stärker auf besonders enge soziale Beziehungen und auch stärker auf die eigenen Bedürfnisse zu konzentrieren, statt sehr viel Energie in die Pflege eines weiten Bekanntenkreises zu investieren, für den die Kraft vielleicht nicht mehr ausreicht.“

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Wie sich Menschen infolge bestimmter Persönlichkeitseigenschaften fühlen, ist eine Sache, wie sie auf andere wirken, eine andere. Jenen, die über eine besonders große Ausstrahlungskraft verfügen, wird zuweilen sogar beschieden, dass es sich bei ihnen um charismatische Persönlichkeiten handele. Die Geschichte ist reich an Beispielen für solche Persönlichkeiten. So wurde Nelson Mandela (1918 bis 2013) wegen seines Kampfes für ein an Gleichheit und sozialer Gerechtigkeit orientiertes Staatswesen in Südafrika für viele Menschen in aller Welt zu einem moralischen Vorbild. Eine vergleichbare Ausstrahlungskraft hatte Mahatma Gandhi (1869 bis 1948) mit seinem Bekenntnis zum gewaltfreien Widerstand und seinem Einsatz für die Befreiung Indiens von der britischen Kolonialherrschaft.

Der Soziologe und Nationalökonom Max Weber (1864 bis 1920) unterschied zwischen verschiedenen Herrschaftsformen. Eine davon bezeichnete er als charismatische Herrschaft. Zu deren Merkmalen gehört demnach, dass es einem Menschen aufgrund der besonderen Anerkennung, die er genießt, gelingt, andere in seinen Bann zu ziehen.

Menschen mit Charisma

Menschen wie Mandela haben es geschafft, andere mit der Kraft ihrer Gedanken, mit ihren Worten zu überzeugen. Dass Charisma allerdings auch auf andere, sehr viel einfachere Weise entstehen kann, zeigt ein im vergangenen Jahr veröffentlichter Fachartikel, zu dessen Autoren die Professoren Niels Van Quaquebeke von der Kühne Logistics University in Hamburg und Steffen R. Giessner von der Erasmus Universität Rotterdam gehören. Entscheidend sind demnach bestimmte Signale, die wahrgenommen werden. Dabei kann es sich nach Darstellung der Wissenschaftler zum Beispiel um die Größe eines Menschen, die Struktur seines Gesichts oder seine Stimme handeln. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand als charismatisch wahrgenommen werde, steige, wenn er groß sei, ein markiges Gesicht und eine tiefe Stimme habe.

Quellen des wirtschaftlichen Erfolgs

Dass Wissenschaftler sich auch für die Frage interessieren, welche Persönlichkeitsmerkmale den wirtschaftlichen Erfolg im Berufsleben fördern, liegt auf der Hand. So haben Fachleute immer wieder darauf hingewiesen, dass Merkmale wie Gewissenhaftigkeit und Extraversion entscheidend seien. Inzwischen ist jedoch deutlich geworden, dass der wirtschaftliche Erfolg eines Menschen nicht zuletzt davon abhängt, wie gut seine Persönlichkeitsmerkmale zu den besonderen Anforderungen seines Berufs passen. Entsprechende Erkenntnisse hat eine Forschergruppe um Professor Jaap Denissen von der Universität Tilburg in den Niederlanden im vergangenen Jahr im Fachjournal „Psychological Science“ vorgestellt.

Die Wissenschaftler nutzten ebenfalls Daten des Sozio-oekonomischen Panels. Diese stammten von knapp 8500 erwerbstätigen Männern und Frauen, die Angaben zu ihrem Beruf und ihrem Einkommen gemacht und in manchen Jahren darüber hinaus angegeben hatten, welche Persönlichkeitsmerkmale sie sich selbst zuschrieben. Das heißt: Sie verrieten, für wie extravertiert, verträglich, gewissenhaft, emotional stabil oder offen sie sich selbst hielten.

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Zu den Fachleuten, die sich dem Phänomen der Persönlichkeit von der neurobiologischen Seite nähern, das heißt auf der Grundlage des Wissens über die Funktionsweise von Nervenzellen wie denen im Gehirn, gehört Professor Gerhard Roth von der Universität Bremen. Er ist in den vergangenen Jahren in verschiedenen Büchern auf das Thema Persönlichkeit eingegangen, so zum Beispiel in einem Werk, das er gemeinsam mit der an der Universität Bremen ausgebildeten Psychologin und Neurobiologin Nicole Strüber verfasst hat und das den Titel „Wie das Gehirn die Seele macht“ trägt. Ein zentraler Satz darin lautet: „Zweifellos bildet die Art, wie ein Mensch mit körperlichen Belastungen wie Krankheit und Schmerz sowie mit psychischen Belastungen wie Bedrohung, Herausforderungen, Enttäuschungen und Niederlagen, Beschämung und Ausgrenzung umgeht, den Kern seiner Persönlichkeit.“

Für die Persönlichkeit von Menschen spielt nach Darstellung der Autoren das sogenannte limbische System eine herausragende Rolle, ein Netzwerk von Zentren, das das gesamte Gehirn durchzieht. Dieses System bewerte Ereignisse und Handlungen danach, ob sie positive oder negative Folgen hätten, also eher wiederholt oder vermieden werden sollten. Ausdruck davon seien entsprechende Emotionen wie beispielsweise Furcht oder Ekel.

Biologische Grundlagen

Der Kern der Persönlichkeit, so erklären die beiden Neurobiologen, bilde sich sehr früh heraus und hänge mit der vor- und nachgeburtlichen Entwicklung des Cortisolsystems zusammen. Cortisol ist ein Hormon, das Stoffwechselvorgänge in Gang setzt und zum Beispiel bei Bedrohungen freigesetzt wird. Auch der Fähigkeit, sich selbst zu beruhigen, das heißt sich zum Beispiel in bestimmten Situationen nicht unnötig aufzuregen, messen die Buchautoren große Bedeutung bei. Für das Selbstberuhigungssystem sei eine ausreichende Menge an Serotonin von großer Bedeutung. Serotonin diene der Impulskontrolle, sprich: Voreilige Reaktionen würden vermieden.

Wie die Experten betonen, sind die ersten zwei Lebensjahre für die soziale und emotionale Entwicklung eine kritische Periode. Um eine gesunde psychische Entwicklung zu gewährleisten, seien in dieser Zeit Erfahrungen von Nähe und Zuwendung nötig. Eine Vernachlässigung von Säuglingen und Kleinkindern könne zu Problemen führen, die sich später nur schwer beheben ließen. Nicht nur von der Vererbung, sondern auch von frühen Erfahrungen hänge ab, welches Temperament ein Mensch entwickle.


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Leserkommentare
Michalek am 20.10.2019 17:37
Schüler brauchen keine Erhebungen und sie sollten nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

Grundschüler brauchen Unterricht, der ...
aguahorst am 20.10.2019 16:55
In der Nähe von Wilhelmshaven baut man neue Kavernen, um damit Geld zu verdienen. In Bremen will man sie verfüllen und stilllegen.....was passiert ...
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