Wetter: Nebel, 11 bis 16 °C
Made in Bremen
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

"Kalabums": Zitronen-Ingwer-Likör aus der Neustadt

Annica Müllenberg 29.05.2016 0 Kommentare

Zitronen aus Griechenland, Ingwer aus Brasilien, Alkohol aus Süddeutschland: Alle Zutaten kommen aus ökologischer und nachhaltiger Landwirtschaft.
Zitronen aus Griechenland, Ingwer aus Brasilien, Alkohol aus Süddeutschland: Alle Zutaten kommen aus ökologischer und nachhaltiger Landwirtschaft. (Cora Sundmacher)

Spritzig, fruchtig mit einer gewissen Schärfe im Abgang – die Kostprobe lässt Erinnerungen an Sommernächte im Süden wach werden – der Titel ist urbremisch: „Kalabums – das steht für Purzelbaum“, erklärt Lars Wolf. Er stellt seit 2013 in der Neustadt Ingwerlikör in Eigenregie her: Zuerst des Nachts in Küchen befreundeter Gastronomen, seit einem Dreivierteljahr hat er einen festen Herd, der doch nicht sein eigener ist.

„Für die Produktion miete ich mich in die Räumlichkeiten der Kulturküche ein“, sagt der Bremer. Besagte Örtlichkeit am Teerhof gegenüber der Weserburg wird von einem Netzwerk betrieben, zu dessen Gründern Wolf gehört. Es versteht sich als Plattform und Spielwiese für Kleinstproduzenten im Lebensmittelbereich, die ihre Idee erst einmal am Markt testen wollen oder gar keine Chance auf einen Kredit von Banken hätten.

„Wir ermöglichen es den Mikroproduzenten, mit geringem finanziellen Einsatz zu starten. Das gibt es sonst nirgendwo“, meint der Likörbrauer, der regelmäßig in der Kulturküche eincheckt, um den Sud aus Zitronen, Ingwer und Alkohol anzusetzen. Ihm gleich tun es sechs Produzenten – alle stellen handgemachte Feinkost her.

Viel Recherche für Bio-Produkte

Der Erfinder: Lars Wolf braut seinen Bio-Likör in der Kulturküche auf dem Bremer Teerhof und liefert die Flaschen per Lastenrad aus.
Der Erfinder: Lars Wolf braut seinen Bio-Likör in der Kulturküche auf dem Bremer Teerhof und liefert die Flaschen per Lastenrad aus. (Cora Sundmacher)

Das Kulturküchennetzwerk ist durch die Verbreitung mittlerweile auf 35 Mitstreiter angewachsen. Beim Produzieren bleibt es nicht. Ziel sei es, feste Strukturen zu entwickeln, die universal funktionieren. „Kalabums ist mit der Kulturküche gewachsen. Über die Küche kann ich in kürzerer Zeit mehr produzieren. Über das Netzwerk erhoffe ich mir, den Vertrieb noch zu verbessern.“ Den Sprung über die Weser hat der Neustädter Schluck schon geschafft, er wird bisher in Lebensmittel- und Feinkostgeschäften, Bars und Cafés am rechten Weserufer sowie in einem Möbelladen in der City verkauft.

Wolf – breites Lächeln, große blaue Augen und Schürze über der Jeanshose mit Schlag – legt Wert auf eine langsame Verbreitung, möchte sein Produkt lokal verortet sehen. Von reißendem Absatz ist er weit entfernt, auf der Prioritätenliste steht Nachhaltigkeit an oberster Stelle – kein ganz leichtes Unterfangen, sondern eine Herausforderung, die viel Recherche voraussetzt. „Ich dachte, es ist eine Sache des Preises, die entsprechenden Inhaltsstoffe auf biologischer Basis aufzutreiben, aber vieles gibt es einfach nicht.“

Zitronen aus Griechenland, Ingwer aus Brasilien

Ein Blick über die kurze Inhaltsliste verdeutlicht das Problem: Woher bezieht er Zitronen und Ingwer? Die exotischen Zutaten wachsen schließlich nicht im heimischen Garten. „Die Zitronen stammen aus Griechenland. Der Bezug aus Israel wurde irgendwann schwierig, weil es dort oft politische Konflikte um das Wasser gibt. Spanien war keine Alternative, weil dort die Arbeiter nicht fair bezahlt werden.“ Die Plantage in Griechenland achte auf biologischen Anbau und stehe in Kontakt mit einem Händler in Bremen. Der Ingwer komme aus Brasilien, der sei besser als der chinesische. Detektivarbeit war nötig, um einen Anbieter für Bio-Alkohol zu finden, Wolf stieß auf genau einen in Süddeutschland.

Um die CO2-Bilanz so niedrig wie möglich zu halten, liefert der Gründer seine Glasflaschen in Bremen per Lastenrad aus. Die Nachhaltigkeit bremst bisher den Online-Versand aus. „Ich kenne keinen Lieferservice, der den Angestellten sozial vertretbare Arbeitsbedingungen und eine angemessene Bezahlung bietet“, argumentiert er und konzentriert sich wieder auf seine Tätigkeiten: schneiden, schälen, häckseln.

Neben dem Bezug von nachhaltigen Zutaten und einer langsamen Verbreitung des Likörs, setzt Wolf auf eine stete Optimierung. Die Kalabums-Ökobilanz kann noch verbessert werden. Wolfs Idee: Ein Mehrwegsystem für die Flaschen, das auch andere Firmen nutzen würden. Für seine 990 Glasflaschen pro Jahr rentiert sich bisher keine Anlage nur für ihn allein.

"Ich wollte eine Alternative zu Wodka schaffen"

In den Töpfen blubbern Obstschalen im Ingwersud. Wolf rührt diesen beständig, achtet konzentriert auf Zeit und Geschmack. Die Bio-Früchte speichern bisweilen die Launen der Natur, deshalb kann eine Flasche in Nuancen anders schmecken als die nächste, ähnlich wie bei unterschiedlichen Jahrgängen eines Weins. „Ich versuche, das genau im Blick zu haben, aber gegen die Natur bin auch ich machtlos“, sagt Wolf und nimmt einen Schluck. Als Likörfan bezeichnet der 39-Jährige sich nicht, der Kalabums sei eher aus einer Schnapsidee heraus geboren. „Ich wollte eine Alternative zu Wodka schaffen und braute das Rezept zusammen. Es schmeckte allen, und ständig fragte mich jemand nach Nachschub“, sagt Wolf. Weitere Kreationen werden nicht verlangt. Der gute Tropfen gehe Sommer wie Winter gut über die Theken.

Wolf experimentiert dennoch ein wenig. Etwas blumig Duftendes schwebt ihm vor: Creme de Violet (Veilchenlikör), eine Art trinkbares Parfüm, wie er sagt. Von einer rasanten Entwicklung ist jedoch nicht auszugehen. Wolf hegt seine Pflänzchen und räumt ihnen viel Zeit zum Gedeihen ein – das schnelle Geld will er mit seinen Kreationen nicht verdienen.


job4u - Das Ausbildungsportal
job4u - Das Ausbildungsportal

job4u ist die regionale Plattform, wenn es um Lehren und Lernen geht. Neben dem WESER-KURIER, der Handelskammer und der Handwerkskammer Bremen machen sich hiesige Firmen für junge Leute stark. 

Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 16 °C / 11 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Nebel.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/bedeckt.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 40 %
WESER-KURIER Kundenservice
Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?
Anzeige