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Neue Preise bei der Post
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Das müssen Sie über die Portoerhöhungen wissen

Thorsten Mumme und Matthias Punz 11.02.2019 0 Kommentare

ARCHIV - 21.01.2019, Berlin: ILLUSTRATION - Ein Mann wirft einen Brief in einen Briefkasten. Das Briefporto wird in diesem Jahr aller Voraussicht nach teurer als bisher erwartet. (zu dpa „Briefporto wird wohl teurer als bisher erwartet“) Foto:
Einen Brief zu verschicken könnte wieder teurer werden. (Monika Skolimowska /dpa)

Zuerst die gute Nachricht für alle Kunden der Deutschen Post: Die angedachte Porto-Erhöhung zum 1. April dieses Jahres fällt aus. Doch die schlechte Nachricht folgt sogleich: Stattdessen werden die Preise im Sommer umso mehr steigen. Das berichtet zumindest die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) und beruft sich auf einen Entwurf zur Änderung der Post-Entgeltregulierungsverordnung des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi). Statt der für Frühjahr geplanten Erhöhung von derzeit 70 auf 80 Cent soll ein Standardbrief ab Mitte des Jahres demnach 85 oder gar 90 Cent kosten. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Änderungen:

Darf die Post das Porto einfach erhöhen?

Die Deutsche Post kann den Preis für den Briefversand nicht selbstständig festlegen. Normalerweise schlägt die Post einen Wert innerhalb eines festgelegten Spielraums vor, der dann von der Bundesnetzagentur genehmigt werden muss. Die so festgesetzten Preise gelten meistens für drei Jahre. Der FAZ zufolge will das BMWi nun aber eine Verordnung ändern, auf deren Basis die Post das Briefporto deutlich stärker anheben könnte als bisher.

Denn der Spielraum, innerhalb dessen die Post neue Preise festsetzen kann, soll künftig anders berechnet werden. So sollen als Orientierungsgrundlage „in struktureller Hinsicht vergleichbare Postunternehmen in Europa“ gelten. Dadurch würden viele Unternehmen wegfallen, die bisher in die Berechnungen einflossen; etwa aus Staaten mit extrem niedrigem Porto (zum Beispiel aus Russland, Bulgarien oder Zypern) und wie reine Staatsunternehmen. Das spielt der Post in die Hände und ermöglicht größeren Handlungsspielraum.

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Wieso braucht die Post mehr Geld?

Das Brief- und Paketgeschäft ist eine Großbaustelle. Die Zahl der versendeten Briefe und Postkarten sinkt dank moderner Kommunikationsmittel wie E-Mails oder Messenger-Diensten immer weiter – und mit ihr die Einnahmen. Gleichzeitig steigt das Volumen im Paket-Versand durch den Onlinehandel stark an – was wiederum enorme Investitionen erfordert. Nicht zufällig hat sich die Summe der Beschwerden über Postdienste bei der Bundesnetzagentur gegenüber 2017 fast verdoppelt, gegenüber 2016 sogar mehr als verdreifacht. Post-Chef Frank Appel hat deshalb bereits Sparmaßnahmen aufgesetzt. Doch er hatte stets betont, dass außerdem eine deutliche Portoerhöhung notwendig sei. Wenn es nach ihm ginge, stünde sogar die Sechstagezustellung zur Debatte. Nach EU-Recht würde die Postzustellung auch an fünf Tagen pro Woche genügen.

Wie teuer ist ein Brief im Ausland?

Das Porto in Deutschland ist im europäischen Vergleich durchschnittlich bis günstig. Die Deutsche Post wertet das jährlich für die 28 EU-Mitgliedstaaten sowie Island, Norwegen und die Schweiz aus. Unter Berücksichtigung der Arbeitskosten und der Kaufkraft kam die Post für 2018 zu dem Ergebnis, dass es lediglich in fünf Staaten günstiger ist, Briefe aufzugeben – in der Schweiz, Zypern, Österreich, Slowenien und Malta.

Wird allein der Preis einer Briefsendung verglichen, liegt Deutschland im Mittelfeld – in 14 von 31 Ländern ist es günstiger. Passt man die Preise auch noch an den wirtschaftlichen Rahmen des Landes an, dann gehört Deutschland laut diesen Zahlen zu den günstigsten Ländern Europas. 2018 lag der Durchschnittspreis für eine inländische Standardbriefsendung in Europa bei 1,02 Euro. Wer einen Brief in Island aufgibt, zahlt am meisten (umgerechnet 4,94 Euro). Wer ihn innerhalb Maltas verschickt am wenigsten (0,26 Euro). Inflationsbereinigt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten der Briefversand in den untersuchten Ländern um 55,32 Prozent verteuert. Im selben Zeitraum ist der deutsche Briefpreis um 13,4 Prozent gestiegen.

Wie haben sich die Preise entwickelt?

Bei der Einführung des Euro 2002 war das Porto für einen Standardbrief auf 56 Cent festgelegt worden. Gleich nach einem Jahr wurde der Preis auf 55 Cent gesenkt, danach musste sich deutsche Briefeschreiber über zehn Jahre nicht mehr an neue Gebühren gewöhnen. Erst 2013 ging es auf 58 Cent hoch, es folgten die Schritte 60, 62 und seit Januar 2016 schließlich 70 Cent, die bis heute Bestand haben (siehe Grafik). Damit entspricht die Teuerungsrate des Portos ziemlich genau der Inflation. Zu Zeiten der D-Mark hatte sich das Briefporto in der Bundesrepublik von 20 Pfennig im Jahr 1948 auf eine Mark im Jahr 1989 erhöht. 1997 folgte der Anstieg auf 1,10 D-Mark, die nach fünf Jahren in Euro umgerechnet wurden.

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Wem gehört die Post?

Die Post ist zwar nicht mehr mehrheitlich in staatlichem Besitz, aber über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hält der Staat aktuell noch 20,6 Prozent – der Rest ist Streubesitz. Das führt immer wieder zu Klagen von Mitbewerbern, dass die Post sowohl Mitspieler als auch Schiedsrichter in der Zustellerbranche sei. Der Vorwurf lautet unter anderem, dass sie über Gewinne am Briefmarkt ihr Paketgeschäft subventioniere. Dem widerspricht das Unternehmen allerdings mit Verweis auf Untersuchungen der Europäischen Kommission und der Bundesnetzagentur.

Wie viele Briefe werden noch geschrieben?

Tatsächlich sind Briefe schon lange nicht mehr die Haupteinnahmequelle der Post. Auf Anfrage des WESER-KURIER teilt das Unternehmen mit, dass der Umsatz des Bereiches Brief Kommunikation, der Postkarten und Briefe umfasst, gut zehn Prozent des Gesamtumsatzes der Deutschen Post ausmacht. 2017 waren es 6,4 Milliarden Euro von 60,4 Milliarden Euro. „Die monatlichen Ausgaben der Privathaushalte in Deutschland für Briefdienstleistungen sinken im Übrigen seit Jahren und lagen 2017 bei 2,34 Euro“, teilt ein Sprecher der Deutschen Post weiter mit.

Mit Blick auf die absoluten Zahlen ist das Briefgeschäft allerdings nach wie vor nicht zu verachten. 2017 wurden in Deutschland 18,5 Milliarden Briefsendungen verschickt. Darin enthalten sind auch Werbepost, Büchersendungen und 195 Millionen Postkarten. 2014 waren es noch 20,5 Milliarden Briefsendungen.

Was für Reaktionen gab es?

Die Post zeigte sich erfreut von der Initiative des Wirtschaftsministeriums, zur künftigen Höhe des Briefpreises könne man aber noch keine Angaben machen. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte, sein Haus rechne nicht damit, dass das Porto noch in diesem Jahr auf 90 Cent steigen werde. Die Opposition kritisiert die Pläne. Die Bundesregierung setze sich erneut „über die Unabhängigkeit und Expertise der Bundesnetzagentur hinweg“, monierte der FDP-Bundestagsabgeordnete Reinhard Houben. Die Beteiligung des Bundes an der Post über die KfW-Anteile an dem Unternehmen ist nach Houbens Ansicht Grund für die Rechtsänderung: „Um die eigene Rendite zu erhöhen, bittet die Bundesregierung die deutschen Verbraucher zur Kasse.“


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Leserkommentare
peteris am 21.10.2019 17:36
Der Erdteil Afrika ist so groß, da passt Europa zig mal rein.

Es fallen dort nicht überall den Menschen Bomben auf den Kopf. ...
tommi24 am 21.10.2019 17:33
Das Klimapaket ist geschnürt!

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