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Verdi droht mit Streik
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Real-Mitarbeiter werden künftig deutlich schlechter bezahlt

Joachim Göres 24.06.2018 6 Kommentare

Neue Mitarbeiter bei Real sollen künftig deutlich schlechter bezahlt werden als bisherige Angestellte.
Neue Mitarbeiter bei Real sollen künftig deutlich schlechter bezahlt werden als bisherige Angestellte. (dpa)

Nach einer gerade erfolgten Umstrukturierung bei der Einzelhandelskette Real sollen neue Mitarbeiter in den bundesweit mehr als 280 Supermärkten künftig deutlich schlechter bezahlt werden als bisherige Kräfte. „Neue Mitarbeiter verdienen bis zu 25 Prozent weniger“, sagt Christian Vasenthien, bei der Gewerkschaft Verdi im Bezirk Hannover-Heide-Weser für den Bereich Handel zuständig. Nicht nur neuen, sondern auch bisherigen Beschäftigten drohen Einbußen – trotz der gegenteiligen Versicherung der Geschäftsleitung. „Wer versetzt oder befördert wird oder andere Aufgaben übernimmt und dabei einen neuen Vertrag unterzeichnet, wird künftig weniger verdienen als nach dem alten Tarifvertrag vorgesehen. Solche Fälle hat es in letzter Zeit bereits gegeben“, sagt Vasenthien, der jüngst bei Real-Betriebsversammlungen große Verunsicherung bei den Beschäftigten erlebt hat.

Seit Anfang Juni sind die 34.000 Real-Mitarbeiter nicht mehr wie bisher bei der Real SB-Warenhaus GmbH beschäftigt, sondern bei der Metro Services GmbH, die als Real GmbH firmiert. Der mit der Gewerkschaft Verdi ausgehandelte Tarifvertrag gilt für neu eingestellte Mitarbeiter nicht mehr. Die Real-Geschäftsleitung hatte dazu kürzlich in einer Pressemitteilung erklärt: „Durch die Übertragung des Geschäftsbetriebes auf eine nicht an die Tarifverträge mit Verdi gebundene Gesellschaft sind die Voraussetzungen dafür geschaffen worden, die Personalkosten bei Real mittel- bis langfristig wettbewerbsfähig zu gestalten.“ Laut Verdi sind auch 4500 befristet Beschäftigte betroffen – ihre alten Verträge sollen nicht verlängert werden.

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Die Gewerkschaft setzt auf Tarifverhandlungen mit der für Real zuständigen Unternehmensvereinigung für Arbeitsbedingungen im Handel und Dienstleistungsgewerbe. Die AHD lehnt diese mit folgender Begründung ab: „Wir haben offenbar einen erheblichen Dissens, was die Ausgangsbasis für mögliche Tarifverhandlungen betrifft. Als solche kommen unsererseits für Neueinstellungen nur die im Unternehmen geltenden DHV-Tarifverträge in Betracht.“ Die mit dem Deutschen Handelsgehilfen Verband (DHV) abgeschlossenen Tarife liegen deutlich unter denen mit Verdi getroffenen Vereinbarungen. Das Bundesarbeitsgericht will Ende Juni entscheiden, ob der dem Christlichen Gewerkschaftsbund angehörende DHV überhaupt Tarifverträge abschließen darf.

Verdi will Verhandlungen erzwingen und schließt dafür einen Streik nicht aus. „Wir beraten derzeit mit den Betriebsräten das weitere Vorgehen. Der Organisationsgrad bei Real ist recht hoch, und seit Anfang des Monats haben wir einen sehr großen Zulauf von neuen Mitgliedern“, sagt Verdi-Sprecher Günter Isemeyer. „Wir sind kampfbereit“, beschreibt die Bremer Real-Betriebsratsvorsitzende Susanne Meister die Stimmung der rund 900 Beschäftigten in den sieben Real-Märkten in der Region Bremen und fügt hinzu: „Wenn neue Kräfte für die gleiche Tätigkeit 500 Euro im Monat weniger verdienen als die Stammbelegschaft, übt das natürlich psychischen Druck auf die langjährigen Mitarbeiter aus.“

"Wir sind kampfbereit"

Verdi ruft für den 30. Juni in Hannover zu einer Protestkundgebung auf. Auch die Aktion Arbeitsunrecht kritisiert „Lohndumping durch Tarifflucht“. Sie will mit ihrer Kampagne  „Schwarzer Freitag, der 13.“ am 13. Juli vor Real-Märkten gegen die Politik der Geschäftsleitung demonstrieren, unter anderem in Berlin, Essen, Köln, Siegen und München. Dabei wendet sich die Aktion Arbeitsunrecht, ein Zusammenschluss von Beschäftigten, Betriebsräten, Gewerkschaftern und Menschenrechts-Aktivisten, auch gegen den Umgang mit Leiharbeitern.

Ihnen steht seit vergangenem Jahr durch eine Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes nach neun Monaten Betriebszugehörigkeit das gleiche Gehalt wie Festangestellten zu. Seitdem werden laut Aktion Arbeitsunrecht Leiharbeiter – zu ihnen zählten viele Kassiererinnen – bei Real nur noch kürzer als neun Monate beschäftigt.

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Real und Verdi hatten im Jahr 2016 einen „Zukunftstarifvertrag“ abgeschlossen, in dem das Management zusagte, bis 2019 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Im Gegenzug hatte sich die Gewerkschaft zu einem Verzicht auf Lohnerhöhungen bis zum Jahr 2019 bereit erklärt und die Kürzung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld akzeptiert.

Real besteht in seiner heutigen Unternehmensform seit 1992 als Zusammenschluss von 13 SB-Warenhaus-Unternehmen, zu denen unter anderem Real-Kauf, Continent, Massa, Meister, Esbella und Huma zählen. 1998 kamen 94 SB-Warenhäuser von Allkauf und 20 SB-Warenhäuser der Kriegbaum-Gruppe hinzu. 2006 wurden mehr als 70 Märkte von Wal-Mart übernommen. Der Umsatz der 282 Real-Märkte lag im Geschäftsjahr 2016/17 bei 7,2 Milliarden Euro.


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Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.
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