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Anke Landwehr zum Mammografie-Screening Das Leben an sich ist gefährlich. Schön deshalb, wenn vermeidbare Risiken umgangen werden können.
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Dilemma
Von Anke Landwehr

Anke Landwehr

zum Mammografie-Screening

Das Leben an sich ist gefährlich. Schön deshalb, wenn vermeidbare Risiken umgangen werden können. Ob aber das Mammografie-Screening ein geeignetes Instrument ist, die Sterblichkeitsrate durch Brustkrebs zu senken, ist eine Frage, über die sich die Gelehrten streiten. Die einen sagen so, die anderen so.

Während Studien aus den USA und England, wo die Reihenuntersuchungen bereits seit Jahrzehnten Standard sind, den Nutzen anzweifeln, stochert man in Deutschland sechs Jahre nach Einführung des flächendeckenden Vorsorgeprogramms noch ziemlich im Dunkeln. Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass sich frühestens 2015 aus den Daten ablesen lässt, ob das Screening zum erhofften Erfolg führt.

Unstrittig ist, dass einzelne Frauen dem Früherkennungsprogramm ihr Überleben verdanken. Zugleich aber gibt es die Verdachtsbefunde: In Bremen stellt sich bei durchschnittlich vier von fünf Frauen heraus, dass sie keine Angst hätten haben müssen.

Noch verheerender sind die Überdiagnosen: Karzinome, die den Frauen keine Probleme bereiten würden, deren Entdeckung bei der Mammografie aber weitreichende Folgen hat. Chemotherapie, Bestrahlung, möglicherweise sogar Operation – für Körper und Seele quälende Behandlungen, die völlig unnötig sind. Auch Frauen, die an etwas anderem sterben, bevor der Krebs gefährlich wird, fallen unter den Begriff Überdiagnosen.

Aus diesem Blickwinkel betrachtet, richtet das Screening mehr Schaden an, als dass es einen Nutzen hat. Gleichzeitig kann keiner Frau abgeraten werden, daran teilzunehmen. Vielleicht ist es gerade sie, bei der ein Tumor rechtzeitig entdeckt wird. Ein Dilemma. Aus Studien und anderen Veröffentlichungen ist keine wirkliche Entscheidungshilfe zu erwarten: Sich in dem Dschungel widersprüchlicher Aussagen zurechtzufinden, ist nahezu unmöglich.

anke.landwehr@weser-kurier.de

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