Vor allem Südniedersachsen betroffen Schneefall: Ganz großes Chaos blieb aus

Mit Neuschnee, meterhohen Verwehungen und Windböen bis 80 Kilometer pro Stunde hat der massive Wintereinbruch vor allem das südliche Niedersachsen getroffen - das ganz große Chaos aber blieb aus.
07.02.2021, 11:36
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Thomas Strünkelnberg

Lastwagen bleiben im Schnee stecken oder kippen um, die Autobahn 7 wird gesperrt, Züge fallen aus: Mit Neuschnee, meterhohen Verwehungen und Windböen bis 80 Kilometer pro Stunde hat der massive Wintereinbruch vor allem das südliche Niedersachsen getroffen - das ganz große Chaos allerdings blieb aus.

Im Fernverkehr der Deutschen Bahn kam es am Sonntag zu größeren Einschränkungen, auch Regionalzüge fielen aus. Auf den Autobahnen kamen die Räumdienste kaum mehr hinterher, Unfälle aber gab es wenige: Die Polizei sprach den Autofahrern ein ausdrückliches Lob aus.

Obwohl der Schneefall für Behinderungen im Straßenverkehr gesorgt habe, habe es in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta bis zum Sonntagnachmittag keinen einzigen Verkehrsunfall gegeben, sagte Polizeidirektor Walter Sieveke. „Die Autofahrer haben sich auf das Wetter eingestellt und fuhren vorausschauend und vorsichtig.“ Ein Polizeisprecher in Osnabrück beschrieb die Lage als „sehr chaotisch“, Autofahrer hätten sich im Schnee festgefahren, die Autobahnauffahrten seien zugeweht. Aber: „Die Leute fahren langsamer.“

Schneeverwehungen machten auch das Autobahndreieck Salzgitter stellenweise unpassierbar. Der Verkehr in Richtung Norden wurde an der Anschlussstelle Bockenem von der Autobahn 7 abgeleitet, die Autobahn gesperrt, wie die Autobahnpolizei Hildesheim mitteilte. Mehrere Lastwagen hätten sich festgefahren, auch würden Parkplätze für Transporter knapp.

Auf der Autobahn 2 in Richtung Berlin nahe Peine kippte ein Lastwagen auf die Seite. Verletzt wurde niemand - geborgen werde der Transporter, sobald das Wetter besser werde, sagte ein Sprecher der Autobahnpolizei Braunschweig. Die Autobahnmeistereien „räumen, was sie können“.

Der Deutsche Wetterdienst sprach von einem „außergewöhnlichen Wintereinbruch“. Er warnte bis Montag vor Schnee mit starken bis extremen Schneeverwehungen über der Mitte Deutschlands. Dabei gilt für den Süden Niedersachsens die höchste amtliche Warnstufe. Verbreitet sollen in 24 Stunden 15 bis 25 Zentimeter Neuschnee fallen, an manchen Stellen sogar bis zu 40 Zentimeter. Spitzenreiter in der Nacht zum Sonntag sei Ottenstein im Landkreis Holzminden mit 27 Zentimetern Neuschnee gewesen, sagte ein Sprecher.

Lesen Sie auch

Erst in der Nacht zum Montag werde der Schneefall voraussichtlich nachlassen. Bis dahin werde sich der Schneesturm voraussichtlich vom südlichen Emsland bis rund um den Harz mit bis zu 15 Zentimetern Neuschnee und Windböen austoben. Es bleibe auch tagsüber frostig mit minus 1 Grad an der Nordsee und minus 8 Grad im Harz. Nachts sei strenger Frost mit minus 4 bis minus 15 Grad, im Harz auch minus 18 Grad, möglich.

Der Wetterdienst forderte Autofahrer auf, Fahrten möglichst zu vermeiden - denn Straßen könnten unpassierbar werden. Am frühen Sonntagabend wollte der Landkreis Osnabrück entscheiden, ob zu Wochenbeginn der Präsenzunterricht in den Schulen ausfällt und sämtliche Klassen auf Homeschooling umstellen. In Stadt und Landkreis Göttingen fiel bereits die Entscheidung, den Präsenzunterricht ausfallen zu lassen.

Die Einschränkungen im Bahnverkehr waren massiv: In Niedersachsen und Bremen fuhren „bis auf wenige Ausnahmen keine Züge mehr“, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Mehrere Fernverbindungen im Norden Deutschlands hatte die DB vorsorglich abgesagt. An Bahnhöfen in schwer vom Wintereinbruch betroffenen Regionen stellte die Bahn Aufenthaltszüge für gestrandete Reisende bereit - etwa in Hannover. In solchen Regionen werde es auch am Montag Einschränkungen geben, kündigte eine Bahnsprecherin an.

Probleme gab es auch im Regionalverkehr: Der regionale Bahnbetreiber Metronom kündigte Ausfälle auf mehreren Strecken an. In Hannover fuhr zudem vorerst kein Bus mehr. Dagegen blieben Schwierigkeiten mit den Stromnetzen aus, es habe keine Ausfälle gegeben, sagte Mathias Fischer, der Sprecher des Netzbetreibers Tennet.

Das für den Abend geplante Spiel der Fußball-Bundesliga zwischen Arminia Bielefeld und Werder Bremen wurde abgesagt. Der Platz sei nicht bespielbar, teilte die Deutsche Fußball Liga mit. Die Polizei in Hannover allerdings meldete trocken: „Es schneit.“

++ Dieser Artikel wurde um 18.29 Uhr aktualisiert. ++

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+