Thomas Röwekamp über den Reformationstag

Ein Ausdruck des protestantischen Selbstbewusstseins

In allen Bundesländern wurde der Reformationstag für 2017 einmalig zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Dabei sollte das in Bremen dauerhaft so bleiben, findet unser Gastautor Thomas Röwekamp.
26.02.2017, 00:00
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Von Thomas Röwekamp
Ein Ausdruck des protestantischen Selbstbewusstseins

Die Bremer hätten einen weiteren gesetzlichen Feiertag durchaus verdient.

dpa

In allen Bundesländern wurde der Reformationstag für 2017 einmalig zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Dabei sollte das in Bremen dauerhaft so bleiben, findet unser Gastautor Thomas Röwekamp.

Bremen ist oft Schlusslicht im Ländervergleich. Das gilt auch bei der Anzahl von gesetzlichen Feiertagen. Eine Begründung gibt es dafür nicht. Die Bremerinnen und Bremer sind genauso fleißig wie die Bewohner in Baden-Württemberg oder Bayern mit ihren zwölf beziehungsweise sogar 14 gesetzlichen Feiertagen. Im Gegenteil: Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und die Unternehmen in unserem Land sorgen für das zweithöchste Bruttoinlandsprodukt je Einwohner und liegen damit vor den Südländern. Dafür sollten sie auch genauso belohnt werden wie in anderen Bundesländern und haben einen weiteren Feiertag verdient. Bremen hätte dann noch immer weniger Feiertage als die meisten anderen Ländern.

In allen Bundesländern wurde der Reformationstag wegen des 500-jährigen Jubiläums für 2017 einmalig zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Zu Recht. Wir verdanken der Reformation, dass in unserem Kulturkreis heute Meinungs-, Rede- und Glaubensfreiheit Grundrechte sind. Die Bibelübersetzung von Martin Luther hat den Grundstein für die deutsche Schriftsprache gelegt. Es ist deshalb nicht nur ein religiöses Bestreben, sondern auch kulturelle, politische und gesellschaftliche Motivation, dass wir dieses wichtige Ereignis regelmäßig statt – buchstäblich – nur alle Jubeljahre feiern.

Ausdruck protestantischen Selbstbewusstseins

Denn die Reformation hat in 500 Jahren nichts von ihrer gesellschaftlichen Bedeutung verloren. Im Gegenteil: In Zeiten von Autokraten wie Erdogan, Trump oder Putin; in Zeiten, in denen im angeblichen Namen der Religion Terroranschläge verübt werden; in Zeiten, in denen Rechtspopulisten in Europa Konjunktur zu haben scheinen; aber auch in Zeiten, wo wie in Bremen die Wahlbeteiligung immer weiter sinkt, sind die Kernthemen der Reformation wichtiger als je zu vor: Freiheit, Menschenwürde und Mündigkeit. Martin Luther war ein Rebell – und ist ohne Frage auch streitbar. Kritische Fragen sind deshalb richtig und wichtig. Es stellt aber nicht die Bedeutung der Reformation für unseren Kulturkreis infrage.

Feiertage stellen eine wichtige Ausdrucksform unserer Geschichte, Kultur und Wert dar und sind maßgeblich für unsere Identität einer Gesellschaft. Es wäre darum das richtige Signal, den Reformationstag über das Jubiläumsjahr hinaus als zusätzlichen, gesetzlichen Feiertag zu verstetigen. Ein zusätzlicher Feiertag könnte nicht nur die regionalen Unterschiede angleichen, der Reformationstag wäre auch Ausdruck eines protestantischen Selbstbewusstseins der norddeutschen Bundesländer. Darum: Der Reformationstag soll dauerhaft ein Feiertag werden – auf jeden Fall in Bremen, gern auch in den anderen norddeutschen Ländern.

Zur Person

Zur Person

Unser Gastautor ist Vorsitzender der CDU-Bürgerschaftsfraktion. Der ge-bürtige Bremerhavener war in der Zeit der Großen Koalition mit der SPD von 2003 bis 2007 unter anderem Bürgermeister und Innensenator.
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