Kommentar Ein Heer von Schutzengeln

Silke Hellwig zum Schulbus-Unfall Womöglich gibt es doch so etwas wie Schutzengel. Das wäre zwar keine seriöse, aber eine plausible Erklärung für alle Schulbusfahrten, in denen nicht viel mehr passiert, als dass Handschuhe, Hausaufgaben und Butterbrote verloren gehen.
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Ein Heer von Schutzengeln
Von Silke Hellwig

Silke Hellwig

zum Schulbus-Unfall

Womöglich gibt es doch so etwas wie Schutzengel. Das wäre zwar keine seriöse, aber eine plausible Erklärung für alle Schulbusfahrten, in denen nicht viel mehr passiert, als dass Handschuhe, Hausaufgaben und Butterbrote verloren gehen. Gestern wurden indes Kinder verletzt, das ist schon schlimm genug. Und doch muss man sich fragen: Muss es erst Tote geben, damit Konsequenzen gezogen werden?

Busfahrer können noch so umsichtig sein – Unfälle können ganz ohne ihr Zutun geschehen, wenn ein Reh oder ein Kind auf die Fahrbahn springt oder wenn ein anderer Verkehrsteilnehmer eben nicht umsichtig ist. Was allein eine Vollbremsung auslösen könnte, möchte man sich lieber nicht ausmalen, wenn man die überfüllten Busse sieht. Die Fahrer müssen Nerven wie Drahtseile haben, die Kinder – nicht angeschnallt oder gleich ganz ohne Sitzplatz – eben ein Heer von Schutzengeln.

Dabei weiß man es besser: Die Anschnallpflicht in Reisebussen wurde 1999 nicht von ungefähr Gesetz. 1992 kam ein Reisebus von der Fahrbahn ab und prallte gegen die Leitplanke. 21 Menschen starben.1993 starben bei Magdeburg vier Menschen. 1994 kamen auf der Autobahn München-Salzburg sechs Menschen ums Leben. Es ist wohl keine Frage, dass derartige Unfälle statt mit Reise- auch mit Linienbussen hätten passieren können – oder eben auch mit Schulbussen.

Gewiss ist eine Anschnallpflicht in Linienbussen kompliziert umzusetzen: Sollen sich Fahrgäste anschnallen, die nur bis zur nächsten Haltestelle wollen? Was sollen die tun, die keinen Platz abbekommen? Wie sollen Verkehrsbetriebe marktfähig sein, wenn in den Preisen nicht auch Stehplätze und knackevolle Busse einkalkuliert sind? Auf diese Fragen mag es heute noch keine Antwort geben, aber sie müssen gestellt, nach einer Lösung muss ernsthaft gesucht werden. Welche Eltern könnten damit leben, dass ihr Sprößling im Bus tödlich verunglückt ist, nur weil es einfach zu umständlich oder kompliziert war, angemessen für seine Sicherheit zu sorgen?

Auf Schutzengel sollte man sich nicht verlassen müssen. Auf den Gesetzgeber und die Verkehrsbetriebe muss man sich verlassen können.

silke.hellwig@weser-kurier.de

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+