Der Dichter und Journalist Akondoh Ali aus Togo referierte zum Tag der Menschenrechte in Ottersberg Ein Kämpfer für die Freiheit

Seine Gefängniszelle war ein enger und dunkler Raum. Die Kakerlaken und Würmer darin liefen über seine Füße oder knabberten im Schlaf an seinen Fingern. Für die Notdurft stand lediglich ein Eimer zur Verfügung. Bei den Verhören wurde er von den Soldaten getreten oder mit Elektroschocks gefoltert. Akondoh Ali aus Togo musste einen langen Leidensweg gehen, um wieder in Freiheit zu kommen.
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Ein Kämpfer für die Freiheit
Von Uwe Dammann

Seine Gefängniszelle war ein enger und dunkler Raum. Die Kakerlaken und Würmer darin liefen über seine Füße oder knabberten im Schlaf an seinen Fingern. Für die Notdurft stand lediglich ein Eimer zur Verfügung. Bei den Verhören wurde er von den Soldaten getreten oder mit Elektroschocks gefoltert. Akondoh Ali aus Togo musste einen langen Leidensweg gehen, um wieder in Freiheit zu kommen.

Ottersberg. Nur durch die Intervention von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International kam der Lehrer, Dichter und Journalist Akondoh Ali aus Togo wieder frei und erhielt Asyl in der Bundesrepublik. Seit nunmehr 19 Jahren lebt er in Bremen. Zum gestrigen Tag der Menschenrechte referierte der Afrikaner vor Schülern der Oberstufe der Ottersberger Waldorfschule über seinen schweren Weg in die Freiheit. 1957 wurde er in Togo geboren, arbeitete in seiner Heimat als Lehrer, veröffentlichte aber auch Gedichte und wurde 1992 Mitbegründer und Redakteur der regimekritischen Oppositionszeitung "La Lettre de Tchaudjo".

In der Zeitung veröffentlichte er kritische Texte gegen das diktatorische Regime des Staatspräsidenten Gnassingbé Eyadéma, der sich an die Macht geputscht hatte. Die Artikel waren offensichtlich dem Diktator und seinem Militär ein Dorn im Auge: Akondoh Ali wurde verhaftet und ins Gefängnis geworfen.

Vorsteher der togoischen Gemeinde

Dank des Engagements internationaler Menschenrechtsorganisationen, unter anderem Amnesty International und "Journalisten ohne Grenzen" sowie der Norddeutschen Mission lebt und arbeitet Akondoh Ali seit 1995 mit seiner Familie in Bremen, wo ihm politisches Asyl gewährt wurde. Akondoh Ali vertritt den Flüchtlingsrat Bremen im Bremer Rat für Integration, ist Mitglied im Exil-P.E.N.-Club sowie Vorsteher der togoischen Gemeinde in Bremen. In Ottersberg las Akondoh Ali seine ausdrucksstarken Gedichte auf Französisch vor, die von Hartmut Global, Dichter und Schriftsteller aus Sottrum-Bötersen, übersetzt und mit eigener Interpretation versehen wurden. Die Autoren wurden musikalisch begleitet von Jabah Ali an den Trommeln. Akondoh Ali berichtete den Schülern aus einem Land, das er zwar "immer noch im Herzen trägt", das aber seit Jahrzehnten gezeichnet ist von Korruption und Machtmissbrauch. Geprägt wurde das Land fast 40 Jahre lang vom autokratisch regierenden Präsidenten Gnassingbé Eyadéma. Nach dessen Tod 2005 wurde sein Sohn Faure Gnassingbé unter Missachtung der Verfassung von der togoischen Armee zum neuen Präsidenten ernannt. Internationaler Druck und Unruhen im Lande führten nicht zu verfassungsgemäßen Zuständen. Die folgenden Wahlen konnte Gnassingbé für sich entscheiden, wobei ihm die Opposition und auch die Europäische Union massiven Wahlbetrug vorwarfen. Nach wie vor befinden sich mehrere Tausend Flüchtlinge im Ausland, darunter auch Akondoh Ali, der seine Nationalität behalten will. "Ich bin in Deutschland anerkannter Asylbewerber und habe eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung, aber wenn ich sterbe, komme ich so wieder nach Togo", schloss er seinen Vortrag.

Die Veranstaltung richtete sich an die Schüler der Klassen neun bis 13 und fand im Rahmen der Aktivitäten von "Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage" statt. Lehrerin Sylva Ehlers sowie Schüler Rasmus Petersen hatten in der Begrüßung die Projektreihe erläutert, die bereits die gesamte vorige Woche lief. Rasmus Petersen las die internationale Menschenrechtskonvention auf Englisch und auf Deutsch vor und bekam den ersten Beifall, als er darauf hinwies, dass die künftigen Generationen damit die Verpflichtung eingehen, sich weltweit für die Freiheit einzusetzen.

Seit 2009 trägt die Ottersberger Waldorfschule offiziell das Prädikat "Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage". Damit gehen die Schüler eine freiwillige Selbstverpflichtung ein, dass sich die überwiegende Mehrheit der Schüler, Lehrer und sogar der Hausmeister zu den Grundsätzen gegen Rassismus bekennen müssen. Mindestens einmal im Jahr gestaltet die Schule nun ein Projekt, das dieses Thema aufgreift.

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