Lokführer im Ausstand

Ein Streik verwandelt Berlin

Für 50 Stunden sind Deutschlands Lokführer in einen Streik getreten. Berlin ist besonders betroffen. „Die Hauptstadt stehe still“, heißt es in vielen Medienberichten. Ein Tag quer durch Berlin.
19.10.2014, 15:37
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Ein Streik verwandelt Berlin
Von Marco Reinke

Für 50 Stunden sind Deutschlands Lokführer in einen Streik getreten. Berlin ist besonders betroffen. Die Hauptstadt wird durchkreuzt von S-Bahn-Linien und Regionalbahnen. „Die Hauptstadt stehe still“, heißt es in vielen Medienberichten. Ein Tag quer durch Berlin.

Vier Bundesländer haben bereits Herbstferien. Für einen Kurztrip zieht es viele Urlauber in die Hauptstadt. Doch frei bewegen können sie sich in Berlin an diesem Wochenende nicht. Ein Großteil des innerstädtischen Verkehrs ist lahmgelegt. Die S-Bahn-Berlin gehört zur Bahn-Gruppe, ihre Lokführer sind ebenfalls Mitglieder der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL). Sie sind an diesem Samstag mit in den Streik getreten.

Der Trip beginnt im Osten Berlins. Es ist 11 Uhr. Statt in fünf Minuten Intervallen, verkehrt die S-Bahn hier heute nur alle 25 Minuten. Die Reisenden werden über einen provisorischen Zug-Verkehr zu Bahnhöfen mit U-Bahn-Anschluss gebracht. Gefahren werden die Züge von verbeamteten Lokführern, die vom Streik ausgeschlossen sind. Diese Not-Verkehr nutzen aber nur wenige. Nahezu alle S-Bahn- oder Regionalzug-Fahrgäste nutzen an diesem Tag U-Bahn, Bus oder Straßenbahn. Es wird eng. Weiter geht es ins Zentrum. Aus 20 Minuten Fahrzeit werden an diesem Wochenende eineinhalb Stunden.

Den Bahn-Tower am Potsdamer Platz passieren Reisende auf ihrem Weg zur U-Bahn. Viele von ihnen mit dem Satz auf dem Lippen: „So ein Mist“. Überall in der Stadt sind Menschen mit Zugplänen in der Hand. Der unterirdische Bahnhof am Potsdamer Platz ist heute wie ausgestorben. Ziel war eigentlich der Hauptbahnhof, doch der ist ohne S-Bahn von hier aus nicht erreichbar. Also geht es zu Fuß weiter.

Der größte Bahnhof Europas ist wie ausgestorben. Die Geschäfte sind leer, nur wenige Menschen sind hier unterwegs. Hin und wieder fährt eine S-Bahn ein. Im Reisezentrum herrscht reges Treiben. Wartezeiten ab zweieinhalb Stunden sollten hier eingeplant werden. Alle 30 Minuten fährt hier ein Zug ein. Wo sonst 300.000 Menschen pro Tag zu ihren Zügen irren, kann man sich heute frei bewegen.

Es ist Abend geworden. Zurück in den Osten der Stadt. Die einzige Chance ist dabei in Berlin-Neukölln auf eine S-Bahn zu hoffen. Als die Lokführerin den Zug zum Stehen bringt, ist Erleichterung zu spüren - es fehlt nur der Applaus. Es endet ein Tag, der viel Ausdauer erforderte.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+