Medien fallen auf "Postillon" rein Eine Satire-Meldung macht Karriere

Die Meldung liest sich skurril: Bei der Friedenskonferenz zum Syrienkrieg in Wien habe nur ein einziger Syrer teilgenommen - als Kellner. Viele Medien berichten darüber. Blöd nur, dass sie nicht stimmt.
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Eine Satire-Meldung macht Karriere
Von Carolin Henkenberens

Die Meldung liest sich skurril: Bei der Friedenskonferenz zum Syrienkrieg in Wien habe nur ein einziger Syrer teilgenommen - als Kellner. Viele Medien berichten darüber. Blöd nur, dass die Meldung nicht stimmt.

Galgenhumor, der ernst genommen wurde: Die Satire-Nachrichtenseite "Der Postillon" hat vor einigen Tagen eine Meldung veröffentlicht, nach der auf einer Friedenskonferenz über den Syrienkrieg nur ein einziger Syrer anwesend gewesen sei - als Kellner. Die Überschrift lautete: "Einziger Syrer auf Syrien-Friedenskonferenz in Wien serviert Häppchen" .

In dem Text wird ein 25 Jahre alter Syrer mit dem erfundenen Namen Nizar Khoury damit zitiert, dass es "bei so vielen Gästen" schon einmal passieren könne, "dass man vergisst, Repräsentanten eines eher unbedeutenden Landes wie Syrien einzuladen." Zudem: Er habe es faszinierend gefunden, wie die Mächte über die Zukunft seines Landes gestritten hätten.

Die Nachricht verbreitete sich jetzt weltweit, zunächst berichteten syrische und danach auch britische Medien darüber. Sie nahmen die deutsche Meldung für bare Münze. Das ARD-Morgenmagazin griff die Geschichte am Donnerstag auf, indem Moderatorin Anna Planken über das Missverständnis aufklärte.

Eine Nachrichtenseite, die auf die Satire-Meeldung hereinfiel, hat ihren Artikel mittlerweile wieder gelöscht.

Die Meldung des Postillon mutet durchaus seriös an. So sind Schreibstil und Logo denen von üblichen Nachrichtenseiten angepasst. Auch der Inhalt war nicht komplett falsch. Denn bei der tatsächlich stattgefundenen Syrienkonferenz in Wien waren in der Tat keine Vertreter der syrischen Opposition oder Regierung anwesend.

Dort hatten sich 17 Vertreter aus Ländern der Europäischen Union (EU) sowie der Vereinten Nationen getroffen. Auch fand das Treffen im Hotel "Imperial" statt, wie der Postillon ebenfalls schrieb. Es ist wohl diese Mischung aus Realität und Erfundenem, die die Meldungen des Postillons auf den ersten Blick glaubwürdig wirken lässt. Dass syrische und britische Medien sie glaubten, könnte auch an der Sprachbarriere gelegen haben.

In den sozialen Netzwerken erntete die Meldung viel Aufmerksamkeit.

So lustig sich das auch lesen mag: Die Meldungen des "Postillon" sind durch und durch Satire.

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