"Die Suche nach Glück ist ein wertvolles Ziel" Emilie Richards schreibt Buchvorlagen für romantische ZDF-Sonntagsfilme ("Sehnsucht nach Sandy Bay", So., 27.03., 20.15 Uhr; "Sehnsucht nach Paradise Island", So., 17.04., 20.15 Uhr)

Die amerikanische Bestseller-Autorin Emilie Richards, Vorlagengeberin für die nach ihr benannte ZDF-Reihe, spricht über besondere Talente deutscher TV-Macher und die sinnvolle Suche nach Lebensglück.
24.03.2011, 00:00
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Von Eric Leimann

Die amerikanische Bestseller-Autorin Emilie Richards, Vorlagengeberin für die nach ihr benannte ZDF-Reihe, spricht über besondere Talente deutscher TV-Macher und die sinnvolle Suche nach Lebensglück.

Auch wenn die amerikanische Pastorengattin Emilie Richards bereits 15 Millionen Romane verkauft hat - so richtig bekannt ist sie hierzulande erst, seitdem ihr Name über den gleichnamigen romantischen Sonntags-Filmen des ZDF prangt. Gut 60 Romane schrieb die vierfache Mutter seit 1983 - sechs davon wurden bislang vom ZDF verfilmt. Sie erklärt im Interview den strikt durchorganisierten Alltag einer Fließbandautorin und sagt, warum die Suche nach Lebensglück eine sinnvolle Beschäftigung ist.

teleschau: In Deutschland träumen viele Kreative von einem Anruf aus Hollywood. Bei Ihnen war es umgekehrt. Nachdem sie seit knapp 30 Jahren schreiben, meldeten sich plötzlich Deutsche, die Ihre Bücher verfilmen wollten ...

Emilie Richards: Das kam für mich tatsächlich sehr überraschend. Liebesromane werden in den USA äußerst selten verfilmt. Es gibt da bei uns überhaupt keine Tradition so wie in Deutschland. Bei "Romantic Novels" geht man davon aus, dass ein Großteil der Handlung im Inneren der Charaktere stattfindet. Es geht um die Schilderung von Gedanken und Gefühlen. Die Amerikaner sagen, dass man so etwas nicht verfilmen kann - weil einfach nicht genug passiert.

teleschau: Und die Deutschen haben für dieses Problem eine überraschende Lösung gefunden?

Emilie Richards: Die deutsche Produktionsfirma Polyphon hat meine Bücher entdeckt. Sie suchten nach einer Autorin von Liebesromanen, die bereits eine große Zahl Bücher veröffentlichte. Meine Geschichten spielen an spannenden schönen Orten, und sie haben Aspekte von Abenteuergeschichten. All das machte die Bücher für Polyphon attraktiv. Trotzdem sind die Drehbücher meist ganz anders als meine Romane. Aus inneren Geschehnissen, die Spannung erzeugen, werden im Film oft externe Ereignisse gemacht. Manchmal würde ich mir wünschen, dass die Drehbücher etwas näher an den Romanen bleiben. Aber ich verstehe natürlich, dass ein Film ganz anders funktioniert als ein Buch - deshalb halte ich mich aus den Filmen weitgehend heraus.

teleschau: Ihre Romane spielen in den USA, dem pazifischen Raum, in Australien. Die Deutschen haben alles nach Neuseeland verlegt. Wie wichtig sind Ihnen Ihre Schauplätze?

Emilie Richards: Sehr wichtig. Viele meiner Romane spielen in New Orleans oder Louisiana, wo ich gelebt habe. Vier Romane sind in Australien angesiedelt, das habe ich vor langer Zeit mit meiner Familie im Campingbus monatelang bereist. Ich schreibe nur über Orte, an denen ich war. Ich hasse Bücher, die schlampig mit ihren Schauplätzen umgehen. Die deutschen Filmleute haben das sehr gut gemacht, sie fanden Orte in Neuseeland, die eine vergleichbare Qualität und Intensität aufwiesen wie die Schauplätze meiner Bücher.

teleschau: Reisen Sie viel, um spannende Orte für Ihre Romane zu finden?

Emilie Richards: Es ist andersherum. Ich reise ohnehin viel und finde so meine Orte. Mein Mann ist Pastor und wird regelmäßig versetzt. Auf diese Art und Weise haben wir viele Schauplätze in den USA kennengelernt. Gegenwärtig leben wir in der Nähe von Washington D.C. Ich muss einen Ort verstehen, um über ihn schreiben zu können.

teleschau: Nun sind Sie gerade in Deutschland. Heißt das, es kommt bald ein Liebesroman von Ihnen, der in Hamburg spielt?

Emilie Richards: Nein, nein. Ganz sicher nicht. Ich habe kein klares Gefühl für Deutschland. Ich hätte viel zu viel Angst, Fehler zu machen. Das meinte ich damit, dass ich nur über Orte schreibe, die ich verstanden habe. Ich müsste viel mehr Zeit hier verbringen, um mich sicherer zu fühlen.

teleschau: Sie schrieben Ihren ersten Roman 1983 - als junge Mutter mit Ihrem kleinen Sohn auf dem Schoß. Sie haben vier Kinder. Viele junge Eltern mit ein oder zwei Kindern schaffen es noch nicht einmal, ein Buch zu lesen. Wie haben sie es gemanagt, eines zu schreiben?

Emilie Richards: Anfangs schrieb ich immer, während das Baby schlief. Später kam die Kindergartenzeit dazu. Ich schrieb an den Abenden, wenn mein Mann zu Hause war und sich um die Kinder kümmern konnte. Überall habe ich ein wenig Zeit zusammengeklaubt - weil ich so besessen vom Schreiben dieses ersten Buches war. Ich denke, dass ich trotzdem eine gute Mutter war. Es ist ein guter Job, um Kinder großzuziehen. Man ist zu Hause und kann jederzeit eine Pause machen. Um die Kinder von der Schule abzuholen, sie zu einem Konzert zu fahren oder einfach bei ihnen zu sein, wenn sie dich brauchen.

teleschau: Mittlerweile sind Ihre Kinder erwachsen. Wie sieht heute der Arbeitsalltag von Emilie Richards aus?

Emilie Richards: Mittlerweile schreibe ich annähernd sieben Tage die Woche - außer wenn ich im Urlaub oder auf Reisen bin. Ich bin eher der organisierte Typ. Es geht los nach dem Frühstück, danach schreibe ich bis zum Abendessen ...

teleschau: Hört sich furchtbar anstrengend an.

Emilie Richards: Ich versuche, jede Stunde eine Pause von 15 Minuten zu machen. In dieser Zeit laufe ich umher, erledige kleine Dinge, mache die Wäsche. Sie dürfen nicht vergessen, ein Großteil der Arbeitszeit eines Schriftstellers besteht darin, aus dem Fenster zu gucken. Man muss darüber nachdenken, was man vorhat. Manchmal spiele ich ein Computerspiel, um mich abzulenken. Wenn ich neun Stunden ohne Unterbrechung schreiben würde, wäre meine Gesamtauflage um einige Millionen Bücher höher (lacht).

teleschau: Wie viel Zeit benötigen Sie für ein Buch?

Emilie Richards: Drei oder vier Monate lang konzipiere ich eine Geschichte. Erst danach beginne ich mit dem Schreiben - was dann noch etwa sechs Monate dauert. Der Rest der Zeit geht für PR drauf, das ist über die Jahre sehr viel mehr geworden.

teleschau: Brauchen Sie nach einem Buch eine längere schöpferische Pause, um neue Ideen zu finden?

Emilie Richards: Ideen finde ich jederzeit und überall. Zum Beispiel, wenn ich wie jetzt gerade auf einer PR-Reise bin. Ich bin ziemlich aktiv im Internet. Zweimal pro Woche schreibe ich für meinen Blog. Auf Facebook bin ich ebenfalls sehr aktiv. Aber natürlich reise ich auch umher, lese die Bücher anderer Menschen, ich rede mit Menschen. - Ideen und auch Erholung zu finden, empfinde ich als leicht.

teleschau: Früher waren Sie Familientherapeutin, heute beschäftigen sich Ihre Romane mit dem Innenleben von Familien. Hat sich Ihre Familie jemals darüber beschwert, Sie hätten sie für Ihre Bücher missbraucht?

Emilie Richards: Ich habe noch nie einen realen Menschen - und schon gar nicht meine Familie - ungefiltert in eines meiner Bücher gesteckt. Die Kinder lesen meine Bücher ja noch nicht einmal. Vor allem meine drei Söhne wollen auf keinen Fall wissen, was ihre Mutter von Liebe, Hochzeit und ähnlichem Zeug hält (lacht). Mein Mann dagegen ist einer meiner wichtigsten Ratgeber, ich vertraue seinem Urteil sehr. Aber auch ich berate ihn - wenn um die Kirche und seine Gemeinde geht. So helfen wir uns seit vielen Jahren gegenseitig.

teleschau: Haben Emilie Richards' Liebesromane sehr von Ihrer Arbeit als Familientherapeutin profitiert? Oder ist ihr ehemaliger Beruf eher die Kehrseite der Medaille Romantik?

Emilie Richards: Bei beiden Berufen beschäftigt man sich intensiv mit der Frage, was Menschen antreibt. Was sie dazu motiviert, bestimmte Dinge zu tun oder zu denken. Ich liebe es, mich mit dem Leben von Menschen zu beschäftigen. Deshalb habe ich beide Berufe sehr gerne ausgeübt.

teleschau: Vermissen Sie Ihren alten Job manchmal?

Emilie Richards: Das tue ich tatsächlich. Aber es war auch ein sehr schwerer Beruf. Wir zogen alle paar Jahre um, dann musste ich beruflich wieder ganz von vorn anfangen. Als Schriftstellerin zieht man mit sehr leichtem Gepäck um. Außerdem hat mich der Beruf der Therapeutin ausgesaugt. Ich kam immer müde nach Hause. Das Schreiben dagegen gibt mir sehr viel Energie. Deshalb war es auch der perfekte Beruf für eine junge Mutter. Ich wollte abends nicht als ausgelaugtes Wrack zu meinen Kindern nach Hause kommen.

teleschau: Ihre Romane haben genregemäß immer ein Happy End. Stört es Sie, dass Literatur mit dieser Vorgabe stets als minderwertig betrachtet wird?

Emilie Richards: Mich stört die Tatsache, dass in der anspruchsvollen Literatur die Möglichkeit des Happy Ends fast immer ausgeblendet wird. Natürlich gibt es schlimme Dinge im Leben. Zum Beispiel scheitern 50 Prozent aller Ehen. Aber was ist mit den anderen 50 Prozent? Viele dieser Paare sind sehr glücklich, man redet aber immer nur über die andere Hälfte. Ich glaube an die Liebe. Und ich glaube vor allem daran, dass die Suche nach Glück ein sehr ehrenwertes, wertvolles Ziel im Leben ist.

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