Bücherflohmarkt in der Stadtbibliothek beginnt morgen und endet am Sonnabend / Riesiges Angebot Erstmals auch ein Regal mit Erotik

Am Freitag von 8 bis 18 Uhr und am Sonnabend von 8 bis 14 Uhr ist wieder Bücherflohmarkt in der Stadtbibliothek. Der Name trifft nicht mehr so ganz zu: Außer Druckerzeugnissen vom schlichten Herz-Schmerz-Roman bis zum hochwertigen Bildband gibt es längst auch Filme, Spiele, Hörbücher, Schallplatten und Mappen mit Kunstdrucken. Alles in allem umfasst das Sortiment geschätzte 15000 Exemplare.
07.03.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Erstmals auch ein Regal mit Erotik
Von Anke Landwehr

Morgen von 8 bis 18 Uhr und am Sonnabend von 8 bis 14 Uhr ist wieder Bücherflohmarkt in der Stadtbibliothek. Der Name trifft nicht mehr so ganz zu: Außer Druckerzeugnissen vom schlichten Herz-Schmerz-Roman bis zum hochwertigen Bildband gibt es längst auch Filme, Spiele, Hörbücher, Schallplatten und Mappen mit Kunstdrucken. Alles in allem umfasst das Sortiment geschätzte 15000 Exemplare.

Verden. Gestern im Veranstaltungsraum der Stadtbibliothek: Hinter zwei langen Regalen mit Krimis und Romanen sind Biertische in Dreierreihen aufgestellt, unter und auf ihnen türmen sich Kartons und andere Behältnisse voller Bücher. Hilde Fischer, Hildegard Püllmann, Anne Kleinganz und das Ehepaar Monika und Christof Zickmantel greifen beherzt zu. Dieses Buch kommt zu "Reisen", jenes zu "Religion" und "Buddenbrooks" zu den Klassikern. Ah ja, dies hier wäre wohl eher der Abteilung "Regionales" zuzuordnen. Es wandert in den Raum nebenan, wo Jürgen Weidemann seines Amtes waltet.

Das alles geht so flott und routiniert über die Bühne, so schnell kann man gar nicht gucken. Nur neue Helfer neigen dazu, in den Büchern zu blättern. Den anderen reicht ein kurzer Blick auf den Klappentext oder auch nur auf den Titel. Da kann es dann schon mal passieren, dass Gaby Hauptmanns "Suche impotenten Mann fürs Leben" in das neue "Erotik"-Regal einsortiert wird. Nun ja, für Trash gibt es kein spezielles Fach beim Bücherflohmarkt.

Ingrid Friemel betritt den Raum. Die Verdenerin liefert eine Plastiktasche mit Büchern an – ein paar leichte Romane, vor allem aber Spirituelles. "Aus ihnen hole ich mir Kraft für den Alltag", erzählt Friemel. Am Freitag wird sie wiederkommen und sich selbst etwas aussuchen. "Ohne Bücher könnte ich nicht leben."

Martin Pertiet, früher Leiter des Gymnasiums am Wall, und seine Frau Elsbeth lesen am liebsten über Politik, Geschichte und Religion, mögen auch Literatur. Es ist ein schwerer Gang, der Pertiet in die Stadtbibliothek führt: Er bringt Sammelordner mit mehreren Jahrgängen Geo und National Geographic. Sie stammen aus dem Nachlass seines Sohnes Sönke, der 1999 mit 31 Jahren bei Hildesheim mit einem Segelflugzeug abstürzte und dabei starb. "Irgendwann müssen wir uns ja davon trennen, aber leicht fällt uns das nicht", sagt Pertiet. Er hofft, dass die Zeitschriften in gute Hände kommen.

Monika Zickmantel packt ein weiteres Buch auf den "Schätzchen"-Tisch. Da liegen schon "Die Häschen-Schule" und ein sichtbar oft gelesener "Struwwelpeter" in einer Ausgabe von 1948, die wiederum eine exakte Kopie des Originals von 1845 ist. Zickmantel: "Ob das tatsächlich Schätze sind, weiß ich gar nicht. Wir machen das mehr nach Aussehen." Mitten drin steckt eine LP: "Heino – seine großen Erfolge 3". Ein kleiner Scherz am Rande. "Weil Heino doch gerade in aller Munde ist", gluckst Zickmantel.

Die Platten, LPs wie Singles und erstmals ein Packen Schellack-Platten, wird sich Hubert Schultz noch ansehen. Der Mann ist Kenner und weiß den Wert oder Nicht-Wert einzuschätzen. Der Normalpreis für die Platten beträgt 50 Cent, Sammlerstücke kosten etwas mehr. Das gilt auch für die Literatur-Klassiker. Ansonsten gibt es zwei Zentimeter Taschenbücher für einen Euro, gebundene Bücher und Bildbände sind ein wenig teurer.

Jürgen Weidemann und die anderen wissen, dass morgen schon 30 bis 40 Leute vor der Tür stehen werden, bevor sie überhaupt den Schlüssel umdrehen. "Da sind dann auch immer gewerbliche Aufkäufer drunter, aber das lässt sich nicht ändern", sagt Weidemann. In der Rangliste der begehrtesten Bücher stehen Krimis ganz oben, vor allem die Skandinavier, gefolgt von Belletristik. Auch gibt es erstaunlich viele Menschen, die sich für Regionalgeschichte oder Bücher interessieren, die in der Region spielen. Andere sammeln spezielle Produkte wie die Insel-Tagebücher oder stürzen sich zielgerichtet auf Kochbücher. "Was nicht gut läuft, das ist Humor", weiß Weidemann. Steigend sind dagegen Angebot und Nachfrage bei Hörbüchern.

Im vergangenen Jahr hat der Förderkreis rund 6500 Euro eingenommen. "Ohne den Bücherflohmarkt würde es einige Veranstaltungen in der Stadtbibliothek nicht geben", sagt Weidemann.

Erstmals auch ein Regal mit Erotik

Bücherflohmarkt in der Stadtbibliothek beginnt morgen und endet am Sonnabend / Riesiges Angebot

Zitat:

"Ohne den Flohmarkt würde es einige Veranstaltungen nicht geben."

Jürgen Weidemann, Förderkreis Bibliothek

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+