Weltspartag Es muss nicht immer ein Schwein sein

Bremen. Geld gegen Geschenke: So läuft es seit vielen Jahrzehnten beim Weltspartag. In anderen Ländern steht der Spargedanke viel weiter im Vordergrund.
30.10.2013, 00:00
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Es muss nicht immer ein Schwein sein
Von Stefan Lakeband

Geld gegen Geschenke: So läuft es seit vielen Jahrzehnten beim Weltspartag. In anderen Ländern steht der Spargedanke viel weiter im Vordergrund. Die Leute sollen sich erstmal ein Bankkonto zulegen, anstatt ihr Geld einfach zu vergraben.

Ein ganzes Jahr voller Anstrengung und Enthaltsamkeit – nur für den einen Moment: Man gibt das Sparschwein aus den Händen, sorgfältig zählt der Bankmitarbeiter nach und nennt strahlend die Summe. Vergessen sind dann all die Süßigkeiten, die man vom Ersparten hätte kaufen können und all das Spielzeug, das in den Regalen stehen bleiben musste. Und neben diesem Glücksgefühl gibt es immer noch ein kleines Geschenk. Besonders deswegen ist der Weltspartag vielen Erwachsenen aus ihrer Kinderzeit als ein besonderes Ritual im Gedächtnis geblieben.

Auch wenn das Sparen oft wie eine ur-deutsche Erfindung anmutet, der Weltspartag wurde in Mailand erfunden. Das war 1924 auf dem ersten internationalen Sparkassenkongress und nur ein Jahr, nachdem viele Sparer ihre Einlagen verloren hatten. Mit dem institutionalisierten Sparen am Weltspartag sollte das Vertrauen in die Banken wieder gewonnen werden. Nicht nur in Deutschland, sondern in insgesamt 29 Ländern, die sich darauf geeinigt haben, den 31. Oktober als Weltspartag zu feiern. Im Laufe der Zeit kam alles dazu, was zu einem richtigen Fest gehört: Geschenke, ein Maskottchen und ein eigenes Lied. Das alles ist mittlerweile aber recht angestaubt. Und auch von der eigentlichen Idee des Sparens haben sich immer mehr Deutsche verabschiedet. Das habe zu einem großen Teil mit den Mini-Zinsen der Banken zu tun, erklärt Martin Hellmich, Professor für Financial Risk Management an der Frankfurt School of Finance und Management. „Es ist verständlich wenn sich Verbraucher fragen: ,Warum soll ich jetzt sparen?‘“, sagt er.

Dennoch ist die Zahl der teilnehmenden Länder seitdem gewachsen: In 53 Staaten gibt es den Weltspartag mittlerweile, überall mit dem gleichen Grundgedanken: den Menschen die Vorteile des Sparens näher bringen. „In vielen afrikanischen und einigen asiatischen Ländern ist es beispielsweise schon eine Innovation, ein eigenes Bankkonto zu haben“, sagt Hellmich.

Deswegen planen Monica Cocco und ihre Kollegen von der Sparkassenstiftung zahlreiche Projekte, um den Weltspartag auch in Schwellen- und Entwicklungsländern populär zu machen. „2008 haben wir zum ersten Mal den Weltspartag in Mexiko organisiert, 2011 im Kongo.“ Dabei ging es vor allem um finanzielle Erziehung von Kindern, aber auch von Erwachsenen. „Oft fehlt den Leuten ein Überblick über ihre Einnahmen und Ausgaben“, sagt Cocco. Deshalb sollen schon Kinder früh lernen, verantwortungsvoll mit Geld umzugehen und wie es sich anfühlt, auf etwas hin zu sparen. „In Ruanda haben beispielsweise ganze Schulklassen angefangen zu sparen, um das Geld am Weltspartag gemeinsam abzugeben“, erinnert sich die Projektleiterin. Und ähnlich wie in Deutschland, gab es auch für diese Sparleistung kleine Geschenke in Form von Schulmaterialien. „Die Freude darüber war sehr groß.“ Natürlich auch, weil es an solchen Dingen in Ruanda oft mangelt.

Natürlich hat jedes Land seine eigene Sitten und Bräuche rund um das Geld. Während in der westlichen Welt Scheine und Münzen häufig im Bauch eines Sparschweins verschwinden, wäre das in anderen Regionen der Welt aus kulturellen Gründen undenkbar. In Madagaskar spart man deshalb in kunstvoll verzierten Bambusrohren. Ein kleiner Fortschritt, wenn man schaut, wie die Menschen früher ihr Geld „angelegt“ haben: Oft haben sie es einfach in der Erde vergraben.

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