Alles für die Fantasie Felix Klare spielt die Hauptrolle in "Bis nichts mehr bleibt" (Mi., 31.03., 20.15 Uhr, ARD) und ermittelt wieder als "Tatort"-Kommissar in "Blutgeld" (So., 25.04., 20.15 Uhr, ARD)

Felix Klare über seinen Scientology-Film, die Liebe seines Lebens und ein Leben ohne Fernsehgerät.
18.03.2010, 00:00
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Von Kai-Oliver Derks

Felix Klare über seinen Scientology-Film, die Liebe seines Lebens und ein Leben ohne Fernsehgerät.

"Schreiner vielleicht", sagt Felix Klare und streicht über den Holztisch in der Münchner Kneipe am Eck. "Holz ist ein tolles Material." Ein Lehre hat er sogar mal begonnen. "Doch irgendwie war da zu wenig, zu wenig für den Geist, zu wenig für die Fantasie. So schien es mir jedenfalls." Felix Klare ist Schauspieler geworden. Kein Glanz-und-Glamour-Typ. Keiner, der seine Erfüllung in Auszeichnungen findet oder in der Tatsache, dass ihn die Menschen erkennen. Nicht, dass er das zu verhindern versucht, aber er sieht im wahren Leben anders aus als jener "Tatort"-Kommissar Sebastian Bootz, den er seit 2007 in Stuttgart spielt. Nicht so korrekt, nicht so geschniegelt. Felix Klare bleibt unbeobachtet und erzählt vielleicht auch deshalb frei weg aus seinem womöglich unkonventionell erscheinenden Leben.

Geboren 1978 in Heidelberg, als jüngstes von vier Kindern. Die Eltern Ärzte. "Sie wollten bei mir alles richtig machen", erinnert er sich, ohne dass es vorwurfsvoll klänge. Bedeutete zum Beispiel: Latein als erste Fremdsprache bereits in der fünften Klasse. "Mein Vater kümmerte sich schon um mich bei den Hausaufgaben, aber vielleicht fehlte der rechte Zug. Schule war einfach nicht mein Ding." Die Leistungen stimmten nicht. Zwölf Schulen besuchte Felix Klare. "Und immer wieder war ich der Neue in der Klasse, setzte mich alleine in die letzte Reihe, sagte zwei Wochen nichts und beobachtete die Leute." Mit Humor versuchte er, in die Gemeinschaft zu kommen. Schwer genug. "Es ging meine ganze Kraft für das Integrieren in das soziale Umfeld drauf. Doch die Noten waren schlecht, ich fiel durch, wiederholte freiwillig, wechselte wieder mal die Schule. Irgendwas war eben immer ..."

Und dann kamen auch noch die Mädchen. Genauer: Zora Thiessen, die er seit dem Konfirmandenunterricht kennt, und die heute seine Frau ist. Nach vielen Höhen und Tiefen, auch mal Trennungen. "Ich habe den Menschen, der zu mir passt, schon sehr früh gefunden. Und es fühlt sich bis heute richtig an, es stimmt einfach." Sie sendet ihm, sagt er, die richtigen Signale. "Sie gibt mir Vertrauen, sie glaubt an mich. Es funktioniert - auch weil wir wissen, dass wir zusammen stärker sind." Wie Felix Klare ist auch sie Schauspielerin, steckte jedoch die letzten Jahre etwas zurück - der beiden Kinder wegen. Wohl wissend, dass Klare zuletzt berufliche Chancen erhielt, die er einfach ergreifen musste.

Der "Tatort" war eine davon. Zusammen mit Richy Müller löst er seit drei Jahren die Fälle in Stuttgart und erntet dafür nicht nur gute Quoten, sondern auch uneingeschränktes Lob. Die unterschwellige Sorge, dass eine solch dauerhafte Rolle ihn als Schauspieler auch festlegen könnte, erfüllte sich nicht. Im Gegenteil: Am Mittwoch, 31. März, 20.15 Uhr, läuft im Ersten ein Film unter dem Titel "Bis nichts mehr bleibt". Eine teamWorx-Produktion mit denkbar heiklem Thema: Scientology. Klare ist der Familienvater, der in den Sog der Vereinigung gerät. Seine Frau geht mit ihm. Doch als er die Gefahren erkennt, die Scientology für sein Leben mit sich bringt, ist es zu spät. Er verliert Frau und Kind.

Verbieten oder nicht? "Eine gute Frage", sagt Klare, zögert und entschließt sich: "Eigentlich ja. Scientology wird toleriert, weil wir ja ein demokratisches Land sind. Aber es ist gefährlich: Die Menschen verlieren ihr komplettes soziales Leben, geraten in finanzielle Probleme. Am Ende wird ihr Selbstbewusstsein in Frage gestellt. So lange, bis sie nicht mehr auf eigenen Füßen stehen können."

Intensiv hat sich Klare, wie die anderen Darsteller (Silke Bodenbender, Robert Atzorn, Kai Wiesinger) auch, auf die schwierige Rolle vorbereitet (Regie: Niki Stein). Er sprach mit Aussteigern, las Bücher und entwickelte eine Figur, die vor allem eines sein sollte: glaubwürdig.

Einen Scientologen kennt Felix Klare aus seinem privaten Umfeld nicht. "Jedenfalls nicht, dass ich wüsste." Er selbst gehört der evangelischen Kirche an, erinnert sich gerne an den Pfarrer, der ihn konfirmierte, "weil er uns nicht einfach die Bibel runterbetete, sondern sich bemühte, unsere Sprache zu sprechen". Doch ein sonderlich gläubiger Mensch ist nicht aus ihm geworden. Typ: Nur Weihnachten mal in die Kirche, aber austreten dann auch nicht. "Ich glaube schon, dass da was Größeres ist. Aber vor allem glaube ich ans Leben. Die Kirche ist einfach kein beherrschendes Thema für mich." Wohl aber will er seine Kinder mit "den richtigen Werten" erziehen.

Da gibt er vieles von dem weiter, was er einst selbst erfuhr. Dazu gehört: In der Familie des "Tatort"-Ermittlers, des Fernsehstars, gibt es keinen Fernseher. "Ich bin selbst ohne aufgewachsen. Ich kann einfach nicht damit umgehen", lächelt er. Während der Dreharbeiten, wenn Klare längere Zeit im Hotel lebt, lässt er sich das Gerät sogar aus dem Zimmer nehmen. "Ich merke einfach, dass ich zu naiv dafür bin. Wenn ich mich durch die Kanäle zappe, kann ich förmlich spüren, wie das Ding mir die Energie entzieht."

Und stattdessen, am Abend? "Wir reden, wir streiten, wir lieben, wir lesen." Oder aber ins Kino oder ins Theater, das bis zum heutigen Tage, trotz allen TV-Erfolgs, eine große Rolle im Leben des Felix Klare spielt. Der an der Schauspielschule Ernst Busch in Berlin ausgebildete Darsteller steht immer wieder auf der Bühne, unter anderem in seiner Heimat München, wo er regelmäßiger Gast am Bayerischen Staatsschauspiel ist. Verlassen wird er das Theater wohl nie. "Wo sonst darf man im Leben noch so hemmungslos emotional sein?", fragt er rhetorisch. "Dort kann ich sie ausleben, die Fantasie ..."

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