Energie satt

Flatrate für Strom und Gas

Beim Internet gibt es Flatrates genauso wie bei Mobilfunkverträgen, aber bisher nicht für Strom und Wärme. Erste Wohnungsgesellschaften arbeiten daran. Wann die Strom-Flatrate auch zu uns kommen wird.
28.08.2017, 22:22
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Flatrate für Strom und Gas
Von Florian Schwiegershausen
Flatrate für Strom und Gas

Gewoba-Energie-Chef Stefan Fölsch beim Blockheizkraftwerk.

Frank Thomas Koch

Die Waschmaschine läuft, die Wohnung ist geheizt, warmes Wasser kommt aus der Dusche, das Essen steht auf dem Herd – und in der monatlichen Mietzahlung sind diese Kosten alle schon mit drin. Dieses Modell schwebt der Cottbuser Wohnungsgenossenschaft eG Wohnen 1902 in Brandenburg vor.

Zwei Mehrfamilienhäuser entstehen gerade – auf die Dächer sollen Solaranlagen für Wärme und Strom kommen. Pauschalmieten bieten auch andernorts Vermieter an. Noch sind das aber Ausnahmen in Deutschland. Mit den künftigen Mietern in Cottbus soll für mehrere Jahre eine feste Miete vereinbart werden, die eine Flatrate für Wärme und Strom beinhaltet.

60 bis 70 Prozent des Verbrauchs soll die solare Eigenproduktion decken, wie der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft, Uwe Emmerling, erläutert. Für den Rest will die Genossenschaft selbst mit der Energiewirtschaft Verträge schließen. Die Mieter zahlen dann nur die Pauschalmiete und unterschreiben keinen eigenen Liefervertrag für Wärme und Strom.

Bisher absolute Ausnahme

Das Cottbuser Konzept stammt aus der Feder eines Solartechnik-Unternehmens im sächsischen Freiberg. Es gebe bereits weitere Anfragen für solche Flatrate-Konzepte, vor allem von Wohnungsgenossenschaften, sagt Inhaber Timo Leukefeld. In Deutschland sind Mietverträge mit Flatrates bislang die „absolute Ausnahme“, wie der Deutsche Mieterbund mitteilt.

Das liege auch an den bestehenden Regelungen der Heizkostenverordnung, die eine verbrauchsabhängige Abrechnung vorschreibe. Es gebe aber Ausnahmen für Häuser, die durch Bauweise und Dämmung sehr wenig Wärme verbrauchen. Unter den Mietshäusern sind das zwar nicht viele, der Mieterbund geht aber davon aus, dass es in Zukunft mehr werden.

Flatrates für Wärme seien bislang etwa aus Studentenwohnheimen bekannt. Der Mieterbund bezeichnet Flatrate-Modelle dann als sinnvoll, wenn es sich für Mieter finanziell rechnet. So seien für die Bremer Gewoba Flatrates dann eine Option, wenn die Versorgung mit Wärme und Strom regenerativ erfolgt, wie der Leiter für Immobiliendienstleistungen, Thomas Scherbaum erläutert: „Auf den Brennstoffeinsatz der Fernwärme Dritter hatten wir in der Vergangenheit keinen Einfluss. Mit Gründung unserer Tochtergesellschaft GEG in 2015 änderte sich das. Über den Einsatz von Blockheizkraftwerken (BHKW) hinaus prüfen wir insbesondere bei Neubauten Alternativen.“

Im Mittelpunkt der Betrachtung

So stehen inzwischen die ersten Neubauten aus dem prämierten Bauprogramm Bremer Punkt, die vollständig regenerativ mit Wärme versorgt werden. Scherbaum ergänzt: „An dieser Stelle ist auch das in 2017 fertiggestellte Passivhaus in Findorff zu nennen. Diese Gebäude stehen im Mittelpunkt unserer Betrachtung und bieten eine mögliche Option für eine Flatrate.“

Bei den BHKW wird mit der Erzeugung von Wärme gleichzeitig Strom produziert. Auch bei den Energieversorgern selbst wird die Flatrate zum Thema. EWE arbeitet aktuell daran. EWE-Sprecher Dietmar Bücker sagte: „Diese Tarife folgen jedoch einer anderen Marktlogik als bisherige Preismodelle im Energiebereich. Aus diesem Grund können wir aktuell noch nicht absehen, wann sich Flatrate-Modelle im Energiebereich dauerhaft durchsetzen.“

Weit von einem Tarif für Sparfüchse entfernt

Das Unternehmen rechnet aber damit, dass solche Tarife in drei bis fünf Jahren spruchreif sein könnten, sollte sich der Markt weiter so entwickeln, wie es derzeit der Fall ist. Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen, sieht einen Vorteil für die Energieversorger: „Für sie ist das weniger Arbeitsaufwand, einfach pauschal abzurechnen, statt für jeden Kunden eine Einzelabrechnung zu erstellen. Wenn das alles online erfolgt, müssen noch nicht mal Briefe verschickt werden.“

Allerdings verweist Oelmann auf einen Test ihrer Kollegen von der Verbraucherzentrale NRW. Die schauten sich den bestehenden Flatrate-Tarif der RWE-Tochter Innogy genauer an. In erster Linie sahen sie darin einen Marketing-Gag: „Preislich ist das zum Teil sogar teurer als die Grundversorgung und weit von einem Tarif für Sparfüchse entfernt.“ Innogy sieht die Jahresflat dagegen als Schritt in Richtung Zukunft, um den Kunden die Angst vor unerwarteten Nachzahlungen zu nehmen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+