Bremerhavener Forschende dabei Verschollenes Wrack der legendären "Endurance" in Antarktis gefunden

Das Expeditionsschiff des einstigen britischen Polarforschers Ernest Shackleton war während des Ersten Weltkriegs 1915 verunglückt und gesunken. Nach mehr als 100 Jahren wurde nun das Wrack gefunden.
09.03.2022, 11:39
Lesedauer: 3 Min
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Von org mit dpa

Mehr als 100 Jahre nach dem Schiffbruch des britischen Expeditionsschiffs "Endurance" haben Forschende im antarktischen Weddellmeer dessen hölzernes Wrack gefunden. "Mit der Entdeckung der "Endurance" haben wir Polargeschichte geschrieben", sagte der Leiter der vom britischen Falklands Maritime Heritage Trust angeführten Expedition, John Shears, einer Mitteilung von Mittwoch zufolge. "Wir haben die herausforderndste Schiffswrack-Suche der Welt erfolgreich abgeschlossen."

Die "Endurance" (deutsch: Ausdauer), deren Name sogar noch auf dem hölzernen Wrack zu lesen ist, wurde in 3008 Meter Tiefe in einem Gebiet aufgefunden, das die Experten zuvor eingegrenzt hatten. Das Expeditionsschiff des einstigen britischen Polarforschers Ernest Shackleton war während des Ersten Weltkriegs 1915 verunglückt und gesunken, nachdem massives Packeis seine Mission scheitern ließ. Nachdem Shackleton und seine Crew erst rund zehn Monate im Eis feststeckten, verließen sie das Schiff unter anderem mithilfe von Rettungsbooten.

Bremerhavener Forschende bei Suche nach der "Endurance" dabei

Das aktuelle internationale Expeditionsteam, das seine Suche auf einem südafrikanischen Forschungsschiff von Kapstadt aus begann, wurde nun etwa vier Meilen südlich von dem Ort fündig, der zuletzt vom Kapitän der "Endurance", Frank Worsley, angegeben wurde. "Das ist mit Abstand das feinste Schiffswrack, das ich je gesehen habe", sagte der Forschungsdirektor der Expedition, Mensun Bound. "Es steht aufrecht, sehr stolz auf dem Meeresboden und ist intakt und in brillantem Zustand."

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Zu dem wissenschaftlichen Team der Expedition gehört auch die deutsche Meeresphysikerin Stefanie Arndt vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven. Sie hat an Modellierungen mitgearbeitet, um die richtige Position des Forschungsschiffs zu berechnen. "Dies war deswegen relevant, da der Suchbereich quasi ganzjährig mit Meereis bedeckt ist", schrieb die Forscherin noch vom offenen Ozean aus. Um den Ozeanboden so effizient wie möglich abscannen zu können, seien zuvor Satellitenbilder und Drittvorhersagen analysiert worden.

Die Spannung sei bis zum Ende groß gewesen, berichtete Arndt per E-Mail. Der Aufbruch während der Pandemie, schwierige Eisbedingungen und viele Fragezeichen hätten den Erfolg an viele Randbedingungen geknüpft. "Wir können daraus vor allem lernen, was alles möglich ist, wenn ein internationales und interdisziplinäres Team zusammenkommt und an einer solchen Mammutaufgabe arbeitet", meint die Wissenschaftlerin – das sollte ihrer Meinung nach Vorbild für andere wissenschaftliche, gesellschaftliche oder politische Herausforderungen sein.

An Bord waren mit Jakob Belter, Christian Katlein und Esther Horvath weitere Forschende und Mitarbeiter des AWI. Dazu kam Lasse Rabenstein vom Bremer Unternehmen "Drift+Noise". Sie waren am 5. Februar in die Antarktis aufgebrochen. Unterstützt wurden sie unter anderem von AWI-Forscher Helge Goessling und dem SIDFEX-Projekt, die wertvolle Eisdriftprognosen lieferten, sowie AWI-Forscher Stefan Hendricks mit Daten zur Meereisdicke.

"Endurance" soll nicht geborgen werden

Geborgen werden soll das Schiffswrack nicht, es ist im Antarktis-Vertrag als historische Stätte geschützt. Die Forscher wollen ihren spektakulären Fund mit Foto- und Videoaufnahmen dokumentieren, ohne das Wrack zu beschädigen, und heutigen und kommenden Generationen von seiner Geschichte berichten.

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Expeditionsleiter Shears erklärte, man habe außerdem "wichtige wissenschaftliche Untersuchungen an einem Teil der Welt unternommen, der das globale Klima und die globale Umwelt direkt beeinflusst". Zudem habe das Team ein beispielloses Bildungsprogramm durchgeführt – unter anderem mit Liveübertragungen von Bord des Schiffes – und so auch jungen Menschen die Mission näher gebracht und ihnen gezeigt, was Menschen erreichen und welche Hindernisse sie überwinden können, wenn sie zusammenarbeiten.

An der Suche nach der "Endurance" waren der Mitteilung zufolge Personen aus vielen unterschiedlichen Ländern beteiligt, unter anderem aus dem Vereinigten Königreich, Südafrika, Deutschland, Frankreich und den USA.

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