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Was Sie zur Zeitumstellung wissen müssen

Am Wochenende ist mal wieder Zeitumstellung, wir verlieren in der Nacht auf Sonntag eine Stunde. Gerade in Zeiten mit viel Heimarbeit ist ein klarer Schlaf-Tag-Rhythmus aber wichtig. Wie gelingt dies?
26.03.2021, 10:06
Lesedauer: 4 Min
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Von Jan-Felix Jasch mit dpa
Was Sie zur Zeitumstellung wissen müssen

Am 28. März werden die Uhren auf Sommerzeit umgestellt.

Fabian Strauch

Mitten in der Nacht ist es soweit: Am Sonntag (28. März) werden wieder die Uhren umgestellt. Und zwar nach dem Merksatz: Im Sommer stellt man die Gartenmöbel vor die Tür, im Winter wieder zurück in den Schuppen. Die Uhren werden nun also vorgestellt - und aus 2 Uhr morgens wird dann 3 Uhr morgens.

Sind Schlafstörungen normal?

Das klingt erstmal gar nicht so wild, der Körper aber spürt das durchaus. „Jeder hat einen Schlaf-Wach-Rhythmus, und da geht die innere Uhr hinterher, wenn uns ein Stündchen geklaut wird“, sagt Hans-Günter Weeß, Leiter des Schlafzentrums am Pfalzklinikum.

„Das Risiko für Verkehrsunfälle steigt dadurch. Auch, dass Herz-Kreislauf-Probleme auftreten, wird wahrscheinlicher“, sagt Weeß. Besonders betroffen seien Ältere, Menschen mit Schlafstörungen und Kinder. Es fehlt aber nicht nur eine Stunde: „Es ist dann morgens erstmal auch wieder dunkler - das frühe Aufstehen fällt dadurch noch mal schwerer“, sagt Weeß.

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Warum kommt es häufiger zu Unfällen?

Doch nicht nur Müdigkeit steigert zum Beginn der Sommerzeit die Unfallgefahr im Straßenverkehr. Denn durch die Zeitumstellung fällt der Berufsverkehr für einige Wochen wieder in die Zeit der Dämmerung. Genau dann sind viele Wildtiere unterwegs, deren Energiebedarf im Frühling wieder steigt und die deshalb auf Nahrungssuche sind. Besonders gefährlich: die Zeit zwischen 6 und 8 Uhr morgens.

Wildunfälle sind im April auf ihrem Jahreshöchststand, dabei machen Zusammenstöße mit Rehen fast die Hälfte aus. Das hat eine Auswertung des Deutschen Jagdverbandes (DJV) ergeben. Auch im Mai ist die Zahl dieser Unfälle noch erhöht - im Juni sinkt sie dann wieder deutlich.

Wie kann man sich an den Rhythmus anpassen?

Doch was soll man dagegen tun, wenn man nicht schon tagelang früher ins Bett gegangen ist, um sich dem neuen Rhythmus anzupassen? Ein Experte rät: „Wechselwarme Duschen, Frühsport und raus ins helle Licht gehen“. Außerdem seien Powernaps, also kurze Schläfchen, ein gutes Mittel, um über den Tag neue Energie zu tanken. „Das empfehle ich auch unabhängig von der Zeitumstellung. Denn das ist gut für das Herz-Kreislauf-System und die Leistungsfähigkeit“ - wenn es geht, also in der Mittagspause für 10 bis 20 Minuten die Augen schließen.

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Welche Auswirkungen hat die Zeitumstellung auf Arbeitnehmer?

Wer in der Nacht der Zeitumstellung arbeiten muss, arbeitet eine Stunde weniger. Das ist für diejenigen erfreulich, die einen festen Lohn erhalten. Wer pro Stunde bezahlt wird, wird demnach aber für eine Stunde weniger bezahlt. Gleiches gilt für Nachtzuschläge: Diese werden entsprechend für eine Stunde weniger ausgezahlt. Darauf weist der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hin.

Die ausgefallene Stunde muss allerdings nicht nachgearbeitet werden, so der DGB. Auch nicht bei der nächsten Zeitumstellung Ende Oktober, wenn die Uhren wieder auf die Winterzeit zurückgestellt werden.

Wann wird die Zeitumstellung abgeschafft?

„Die Zeitumstellung gehört abgeschafft“, hatte der damalige Kommissionschef Jean-Claude Juncker 2018 verkündet, nachdem sich in einer EU-weiten Onlineumfrage 84 Prozent der Befragten für deren Ende ausgesprochen hatten. Im März 2019 votierte das Europaparlament mit deutlicher Mehrheit dafür, die Umstellung 2021 abzuschaffen. Doch nun liegt der Ball bei den Regierungen, die die Frage klären müssen, ob sie die dauerhafte Sommer- oder Winterzeit wollen. Am Ende müssten die Mitgliedsstaaten entscheiden.


Doch dazu wird es so bald nicht kommen. Von EU-Diplomaten hieß es, es gebe sehr viele andere Themen, die drängender seien als die Zeitumstellung. Der Rat schreibt seinerseits, dass er seinen Standpunkt zu dem Vorschlag noch nicht festgelegt habe. Dafür sei „eine qualifizierte Mehrheit der Mitgliedsstaaten erforderlich“.

Welche Haltung vertritt die Bundesregierung?

Die deutsche Regierung hat sich nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums noch nicht entschieden, ob sie eine dauerhafte Sommer- oder Winterzeit bevorzugt. „Aus Sicht der Bundesregierung ist es wichtig, Zeitinseln zu verhindern und einen harmonisierten Binnenmarkt zu gewährleisten“, teilt das Ministerium mit. Voraussetzung für „ein angemessenes und harmonisiertes Vorgehen“ sei auch eine europaweite Folgenabschätzung. „Die EU-Kommission hat bislang eine solche Folgenabschätzung noch nicht vorgelegt“, heißt es aus dem Haus von Minister Peter Altmaier (CDU).

Welche Folgen hätte eine dauerhafte Zeitumstellung?

Die Folgen jeder Änderung des Status quo wären in der Tat beträchtlich. In der EU gibt es drei Zeitzonen, die größte von ihnen, die der Mitteleuropäischen Zeit, reicht von Spanien bis Polen. Bei einer dauerhaften Sommerzeit würde es im Winter im Westen - aber auch im Nordwesten - des Kontinents erst am Vormittag hell. In Vigo an der spanischen Atlantikküste würde die Sonne am 21. Dezember dann erst um 10.01 Uhr aufgehen, in Brest in der französischen Bretagne um 10.07 Uhr und im norddeutschen Emden um 09.45 Uhr.

Bei einer dauerhaften Winterzeit wiederum würde es im Sommer nicht nur im Biergarten oder in der Strandbar eine Stunde früher dunkel als gewohnt. Die Sonne würde im Osten der EU auch extrem früh aufgehen: In Bialystok in Polen wäre das am 21. Juni um 03.01 Uhr, in Warschau um 03.15 Uhr und in Berlin um 03.44 Uhr.

Warum wäre eine Umstellung trotzdem sinnvoll?

Der Status quo macht vielen Menschen zu schaffen. Die Krankenkasse DAK-Gesundheit schreibt auf Basis einer repräsentativen Umfrage, dass 29 Prozent der Menschen in Deutschland nach einer Zeitumstellung an körperlichen oder psychischen Problemen litten. Sie fühlten sich schlapp und müde oder hätten Einschlaf- und Durchschlafstörungen. 76 Prozent der Befragten fänden, dass die Umstellung überflüssig sei und abgeschafft gehöre.

Die unter Juncker eingeleitete Umfrage legt nahe, dass das Thema die Menschen in Deutschland mehr umtreibt als in anderen EU-Staaten. Von den 4,6 Millionen Teilnehmern kamen drei Millionen aus der Bundesrepublik. Die Gesamtzahl der Abstimmenden entsprach dabei nur einem Prozent der EU-Bevölkerung.

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