Der vergessene Liebling

Fünfter Todestag von Eisbär Knut

Vor fünf Jahren ist Knut gestorben – und kaum ein Besucher des Berliner Zoos erinnert sich heute noch an ihn.
18.03.2016, 21:24
Lesedauer: 3 Min
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Von Kristin Hermann
Fünfter Todestag von Eisbär Knut

Eisbär Knut als Baby zusammen mit seinem Ziehvater, dem Tierpfleger Thomas Dörflein.

Wolfgang Kumm

Vor fünf Jahren ist Knut gestorben – und kaum ein Besucher des Berliner Zoos erinnert sich heute noch an ihn.

Er war einmal ein internationaler Star. Mit Groupies, eigenem Fanclub und Merchandise-Produkten. Liebling der Massen. Und jetzt? Da geht hier doch allen Ernstes ein kleines Mädchen vorbei und sagt: „Schau mal Mama, ein Eisbär.“ Ein Eisbär? Noch viel schlimmer die Reaktion der Mutter: Sie klärt nicht einmal auf, dass es sich hier um den Eisbären schlechthin handelt, um Knut! Quasi das Synonym für Eisbären, vor ein paar Jahren. Ein anderer Besucher beschwert sich über die schlaksige Gestalt. „Gar nicht mehr so niedlich wie früher, sieht irgendwie komisch aus.“ Und ein Kind fragt gar, was an ihm jetzt eigentlich so besonders gewesen sein soll.

Natürlich erkennen einige Besucher den süßen Eisbären von früher auch wieder und freuen sich, aber es ist schon ein bisschen bitter, was sich der ausgestopfte Knut durch die dicke Glasvitrine im Naturkundemuseum so alles anhören muss. Und das kurz vor seinem Todestag, der sich an diesem Sonnabend zum fünften Mal jährt.

Hype um den Eisbären

Solche Reaktionen wären zu Knuts Lebzeiten unvorstellbar gewesen. Während in Deutschland seit 1980 etwa 70 Eisbären nahezu unbeachtet geboren und aufgezogen wurden, war das bei Knut ganz anders. Nach seiner Geburt im Dezember 2006 wurde er schnell zum internationalen Medienstar und Besuchermagneten für den Berliner Zoo. Dort war es die erste Eisbärengeburt seit 30 Jahren. Besonders das Verhältnis zwischen Knut und Tierpfleger Thomas Dörflein rührte die Besucher. Weil Knuts Eisbärenmutter das kleine weiße Fellknäuel verstieß, übernahm Dörflein die Rolle und zog Knut mit der Flasche auf. Dafür wohnte er teilweise sogar im Zoo. Bis zu Dörfleins plötzlichem Tod im Jahr 2008 waren die beiden ein untrennbares Team.

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Nach der Geburt war ein regelrechter Hype um den kleinen Eisbären ausgebrochen. Es gab Knut-Dokumentationen, Knut-Lieder und -bücher und etliche Fanartikel. Der Aktienkurs des seit 1841 börsennotierten Zoos stieg infolge der Popularität Knuts von Mitte März bis Anfang April 2007 kurzfristig sogar auf nahezu das Doppelte.

Keine spezielle Ehrung zum Todestag

Und dann, vier Jahre später, am 19. März 2011 –Knut war zwar nicht mehr ganz so süß, hatte aber bis dahin mehr als elf Millionen Besucher in den Zoo gelockt – der Schock: Vor den Augen seiner Fans taumelt er, stürzt in den Wassergraben seines Geheges und ertrinkt auf dramatische Weise. Nach der Autopsie ist schnell klar: Der Bär hatte eine Hirnhautentzündung. Allerdings fanden die Forscher weder Viren noch Bakterien im Gewebe. Daher blieb lange ungewiss, was die Entzündung ausgelöst hatte.

Erst im vergangenen Jahr lösten Forscher das Rätsel um die Todesursache: Die Entzündung wurde höchstwahrscheinlich durch eine Autoimmunerkrankung verursacht, die man bis dato nur von Menschen kannte. Über Knut wurde nun sogar in weltweit renommierten Fachmagazinen diskutiert.

Von dem einstigen Hype ist am fünften Todestag allerdings nicht mehr viel übrig. Beim Zoo sieht man das pragmatisch: „Bei uns leben mehr als 25 000 Tiere. Es werden täglich Tiere geboren und es sterben welche“, sagt Sprecherin Christiane Reiss. Sicherlich sei Knut ein besonderer Publikumsliebling gewesen, aber eine spezielle Ehrung zu seinem fünften Todestag wird es vonseiten des Zoos nicht geben.

Bronzestatue zum Gedenken

Der Zoo-Förderverein hatte eineinhalb Jahre nach dem plötzlichen Tod des Tieres eine Bronzestatue zum Gedenken aufstellen lassen. Man rechne damit, dass einige treue Fans dem Tier auch an diesem Tag wieder die Ehre erweisen werden.

Im Naturkundemuseum habe man keine Aktionen geplant. Der Eisbär ist seit 2014 Teil der Ausstellung „Highlights der Präparationskunst“. Dort wird er genauso präsentiert, wie die anderen Tiere – ohne Bevorzugung. „Das war eine Entscheidung der Leitung, hier nicht eine Gedenkstätte zu errichten, sondern Knut wie andere verstorbene Zootiere zu zeigen“, erklärt Museumssprecherin Gesine Steiner auf Anfrage.

Da sitzt er nun auf seiner Felsenattrappe: groß und schlaksig, starrer Blick. Alle wollen nun viel lieber zu den Dinosauriern - Tyrannosaurus Rex und Spinosaurus, das sind jetzt die neuen Stars im Museum. „Dass mal einer speziell nach dem Weg zuKnut fragt, kommt ganz selten vor“, sagt die Frau an der Information. Und so bleibt Knut nur noch der Schriftzug über seinem Kopf: „Ein Medienstar aus dem Berliner Zoo. Der Eisbär Knut.“

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