Abraham Cooper über den Umgang mit der israel-feindlichen BDS-Kampagne

Gastkommentar: Bei Antisemitismus darf die Stadtregierung nicht schweigen

Gastkommentator Abraham Cooper kritisiert die BDS-Kampagne wünscht sich von der Bremer Regierung ein klares und konkretes Bekenntnis zu Israel.
08.09.2016, 18:07
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Von Abraham Cooper

Gastkommentator Abraham Cooper kritisiert die BDS-Kampagne wünscht sich von der Bremer Regierung ein klares und konkretes Bekenntnis zu Israel.

Ich war dabei, als die Ente über die israelische „Apartheid“ bei der UN World Conference Against Racism in Durban (Südafrika) geboren wurde, kurz vor dem 11. September 2001. Ich sah dort eine große antiisraelische Kundgebung, bei der zum Boykott des jüdischen „Apartheid“-Staates aufgerufen wurde, neben der Verteilung der „Protokolle der Weisen von Zion“ und unter einem großen Plakat „Hitler was right“. Die Situation war so aufgeladen, dass der Polizeichef den jüdischen Delegierten sagte, er könne deren Sicherheit nicht garantieren.

Die BDS-Kampagne (Boykott, Desinvestition, Sanktion) ist nicht dafür erfunden, um den Palästinensern zu helfen, sondern um Israel zu dämonisieren. BDS führt weder zum Frieden noch zur Versöhnung. Wir hören keinen Aufschrei der Empörung seitens der BDS-Anhänger gegen die Verbrechen der iranischen oder nordkoreanischen Regierung. Die Lage in Tibet, Afghanistan oder Syrien interessiert sie nicht. Nur das demokratische Israel dient als Ziel für drakonische Verfolgung.

Israel ist ein jüdischer Staat, der seit Anbeginn kriegerisch angegriffen wird. Die Feinde Israels haben nach 1967 entdeckt, dass sie ihre Propaganda gegen Israel in Europa nicht als Kriegs-, sondern als Friedensbotschaft besser verkaufen können. So ist BDS ein Kampfmittel gegen Israel, es bedient judenfeindliche Tendenzen und schürt den Antisemitismus neu. Die Deutschen dürfen nicht auf die täuschende Friedensbotschaft reinfallen und sich gegen Israel manipulieren lassen.

Die Gewährleistung der Sicherheit hat viel mit der geistigen Sicherung zu tun. Falsche Denkweise kann viel zerstören. Es ist ein nobler Wunsch, Frieden zu erstreben. Die jüdischen Gebote fordern das. Die Thora lehrt uns, nicht nur unserem Bruder zu helfen, sondern auch unserem Feind oder Hasser und sogar dem Esel unseres Feindes, das nennt man Feindesliebe im Vergleich zur Nächstenliebe. Das Gebot der Nächstenliebe darf jedoch nicht zum Missbrauch der Feindesliebe führen.

Deutsche Politik sollte lernfähig sein und für die Sicherheit Israels wie auch jüdischer Menschen in Deutschland tatsächlich stehen und es nicht nur proklamieren. Eine Reihe von Beispielen in Bremen machte auf sich neulich weltweit aufmerksam. Ich glaube allerdings, das ist nicht der Ruhm, den eine weltoffene Stadt der vier Musikanten sucht. Wir wünschen uns eine Positionierung der Stadtpolitik, nicht im Allgemeinen, sondern konkret. Während eine Gruppe pensionierter Antisemiten aktiv ist und öffentlichkeitswirksam eine Unterkunft bei den Freunden der Stadtregierung in der Villa Ichon findet, darf die Stadtregierung nicht schweigen, mit Lippenbekenntnissen die Medien beschwichtigen oder die Augen schließen.

Unser Gastautor ist Rabbiner und stellvertretender Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Los Angeles. Fast 30 Jahre arbeitete er mit Simon Wiesenthal zusammen.

>>>Hier antwortet Bürgermeister Carsten Sieling auf den Kommentar von Abraham Cooper.<<<

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