Kommentar Gelegenheit zum Nachdenken

Benjamin Lassiwe zur Papst-Audienz für Tebartz-van Elst Papst Franziskus lässt sich nicht unter Druck setzen. Eine Schnellschuss-Entscheidung, ausgelöst durch öffentlichen Druck, kommt für das Kirchenoberhaupt auch im Fall des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst nicht in Frage.
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Von Benjamin Lassiwe

Benjamin Lassiwe

zur Papst-Audienz für Tebartz-van Elst

Papst Franziskus lässt sich nicht unter Druck setzen. Eine Schnellschuss-Entscheidung, ausgelöst durch öffentlichen Druck, kommt für das Kirchenoberhaupt auch im Fall des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst nicht in Frage. Auch wenn der als „Protz-Bischof“ geschmähte Theologe eine gute Woche in Rom auf eine Audienz beim Papst zu warten hatte – Franziskus hörte ihn an.

Unabhängig davon, was sich der Bischof von Rom und der Bischof von Limburg tatsächlich zu sagen hatten: Tebartz-van Elst hätte es in der Hand, einen Schlussstrich unter die Affäre zu ziehen. Er müsste nur dem Papst seinen Rücktritt anbieten. Denn es geht schon lange nicht mehr darum, wer wann von welchen Kosten beim Bau des neuen Limburger Bischofssitzes wuss- te. Genauso wenig darum, ob Franziskus die Dimension und Gestaltung der Bischofsresidenz gutheißt oder geißelt. Wirklich wichtig ist etwas anderes: das verlorene Vertrauen. Denn für das Amt eines Bischofs ist die gute Zusammenarbeit mit Priestern und Gläubigen – die Anerkennung in der Diözese – das A und O. Ohne das geht es einfach nicht. Von Vertrauen aber kann in der Limburger Diözese schon lange nicht mehr die Rede sein. Der Ruf des Bischofs ist ruiniert; dank der Flugticket-Affäre war er es sogar schon, bevor der Skandal um die bischöfliche Residenz überhaupt ins Rollen kam.

Das Wenige, das gestern vom Treffen zwischen Papst und Bischof an die Öffentlichkeit kam, klang zunächst irritierend: Tebartz-van Elst sprach von einer „ermutigenden Begegnung“ mit dem Kirchenoberhaupt. Reue oder Rückzugsbereitschaft lassen sich daraus nicht heraushören. Hat der Papst den Gast aus Limburg also etwa ermutigt, weiterzumachen wie bisher? Wohl kaum. Schließlich hieß es aus dem Umkreis des Kirchenoberhauptes unmittelbar vor der Audienz: „Dem Papst gefallen keine fürstlichen Priester“. Das darf als klarer Hinweis auf Tebartz-van Elst gelten, der im Stile eines Fürstbischofs für die Pracht seiner Residenz sorgt. So dürfte „ermutigend“ mit einiger Wahrscheinlichkeit bedeuten: Franziskus hat dem Limburger Gelegenheit gegeben, mit sich selbst ins Gericht zu gehen – bevor ein päpstliches Machtwort Tebartz-van Elst nicht nur das Bistum nimmt, sondern auch den letzten Rest Ansehen.

politik@weser-kurier.de

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