Gladbecker Geiseldrama

Gericht prüft Degowskis Freilassung

28 Jahre nach dem Geiseldrama von Gladbeck könnte einer der Täter bald auf Bewährung aus der Haft entlassen werden.
05.03.2017, 12:16
Lesedauer: 2 Min
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Von Helge Toben und Jan Oppel
Gericht prüft Degowskis Freilassung

Die bewaffneten Geiselnehmer Dieter Degowski (l.) und Hans-Jürgen Rösner stehen mit den Geiseln in dem in Bremen gekaperten Linienbus.

dpa

28 Jahre nach dem Geiseldrama von Gladbeck könnte einer der Täter bald auf Bewährung aus der Haft entlassen werden.

Im Fall des nach dem Geiseldrama von Gladbeck zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilten Dieter Degowski prüft das Landgericht Arnsberg, ob er auf Bewährung freikommen kann. Seit kurzem liege dem Gericht in Nordrhein-Westfalen ein Antrag von Degowskis Verteidigung auf Aussetzung des Strafrestes zur Bewährung vor, sagte Johannes Kamp, Sprecher des Gerichts.

„Jetzt muss die zuständige Strafvollstreckungskammer prüfen, wie weiter vorzugehen ist“, so Kamp weiter. Das Gesetz mache bestimmte Vorgaben. Wenn die Kammer beispielsweise erwäge, die Vollstreckung des Restes von Degowskis lebenslanger Freiheitsstrafe auszusetzen, sei ein Gutachten einzuholen. Wie lange die Prüfung dauere, sei offen. Die Erstellung derartiger Gutachten dauert in der Regel mehrere Monate.

Ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Justizministeriums hatte vor gut drei Wochen die Chancen, dass Degowski bis Jahresende wieder auf freien Fuß kommt, als „gut“ bezeichnet. Er hatte aber betont, dass die Strafvollstreckungskammer in Arnsberg das letzte Wort habe. Das Landgericht hatte die Justizvollzugsanstalt Werl, in der Degowski inhaftiert ist, bereits 2013 aufgefordert, ihn schrittweise auf die Entlassung vorzubereiten.

Geiselnahme in Bremen-Huckelriede

Degowskis Vorbereitung auf die Haftentlassung zur Bewährung läuft nach früheren Angaben der JVA Werl gut. Vor mehreren Jahren hatte das Landgericht in Arnsberg die JVA aufgefordert, diesen Weg für ihren vermutlich bekanntesten Häftling zu gehen. Degowski-Anwältin Lisa Grüter hatte ihren Mandanten im vergangenen Sommer als „einen freundlich-friedlichen Menschen, der seine Tat sehr bereut“ bezeichnet.

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Vom 16. bis 18. August 1988 hielten Degowski und sein Komplize Hans-Jürgen Rösner die Republik in Atem. Drei Tage lang flüchteten sie nach einem missglückten Bankraub mit Geiseln vor der Polizei. Drei Menschen starben.

Am Morgen des 16. August stürmten die beiden Täter schwer bewaffnet zunächst eine Bank im nordrhein-westfälischen Gladbeck. Rösner und Degowski nahmen zwei Geiseln und forderten einen Fluchtwagen sowie 420 000 Mark. Es wurde eine 54 Stunden lange Flucht quer durch die Bundesrepublik und die Niederlande. Am Tag nach dem Überfall kaperten sie in Bremen-Huckelriede einen Linienbus und nahmen 35 Geiseln. Auf der Flucht wurde eine 15-jährige Geisel erschossen, ein Polizist verunglückte bei der Verfolgung.

Komplize Rösner bleibt in Haft

In den Niederlanden ließen die Täter den Bus stehen und flüchteten mit zwei Bremer Geiseln in einem niederländischen BMW. Während der Flucht gaben die Geiselnehmer Journalisten regelmäßig Interviews. Rösner verkündete, er werde mit der Polizei nur über die Medien sprechen. Für ihren Umgang mit den Geiselnehmern und die Live-Interviews − auch mit den Geiseln − wurden die Journalisten später scharf kritisiert. Vor allem, weil sie die Geschehnisse aktiv mitbeeinflussten.

Bei der anschließenden Schießerei starb eine der Geiseln − durch eine Kugel aus Degowskis Waffe. Er und Rösner wurden schwer verletzt und im März 1991 zu lebenslanger Haft verurteilt, Rösner mit anschließender Sicherungsverwahrung. Er sitzt weiterhin im Gefängnis.

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