Syrer wird versuchter Mord angelastet Haftbefehl gegen Limburger Crash-Fahrer erlassen

Gegen den Mann, der in Limburg mit einem gestohlenen Lastwagen auf acht Autos aufgefahren sein soll, ist am Dienstag Haftbefehl erlassen worden.
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Gegen den Mann, der in Limburg mit einem gestohlenen Lastwagen auf acht Autos aufgefahren sein soll, ist am Dienstag Haftbefehl erlassen worden. Die Tatvorwürfe lauten versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Abend.

Dass der 32-jährige Syrer nicht fliehen konnte, nachdem er am Montagabend an einer Ampel in Limburg bewusst mehrere Autos gerammt hatte, ist einer Gruppe junger Polizeianwärter zu verdanken, die im benachbarten Diez gerade ihre Ausbildung absolvieren.

Die Bundespolizisten - elf Männer und eine Frau - hatten frei, waren in Zivil unterwegs. Drei von ihnen hielten den Syrer fest, als dieser nach dem Crasch benommen aus dem Lkw-Führerhaus trat. Er versuchte vergeblich, sich den jungen Polizisten zu entwinden. Die Polizeianwärter informierten die hessischen Kollegen und halfen den Verletzten.

Syrer hat eingeschränkten Schutzstatus

Bei dem festgenommenen Mann handelt sich um einen Syrer, der sich seit 2015 in Deutschland aufhält und 2016 einen subsidiären, also eingeschränkten Schutzstatus erhalten hat. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag aus Sicherheitskreisen. Der Festgenommene hatte nach Erkenntnissen der Behörden keine Kontakte zu militanten Salafisten oder anderen Extremisten. Der 1987 geborene Syrer soll bisher noch keine Aussage gemacht haben. Für ein terroristisches Motiv gebe es bislang noch keine Hinweise, es könne aber auch nicht ausgeschlossen werden, hieß es.

Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler soll der Flüchtling den Fahrer des Firmenlastwagens wortlos und mit Gewalt aus dem Führerhaus gezogen und dann sich selbst hinters Steuer gesetzt haben. Die „Frankfurter Neue Presse“ hatte am Abend den eigentlichen Fahrer des Lasters zitiert: „Mich hat ein Mann aus meinem Lkw gezerrt.“ Als er vor einer roten Ampel wartete, habe der Unbekannte die Fahrertür des Lasters aufgerissen und ihn mit weit geöffneten Augen angestarrt, so der Fahrer. „Was willst Du von mir?“, habe er den Mann gefragt. „Aber er hat kein Wort geredet. Ich habe ihn noch mal gefragt. Dann hat er mich aus dem Lkw gezerrt“, heißt es weiter in dem Bericht.

Betroffenheit in Limburg bleibt

Nach nur wenigen Metern Fahrt rammte der Syrer dabb acht Autos. Der Crash ging glimpflicher aus als zunächst angenommen: Die Polizei sprach anfangs von 17 Verletzten, darunter der Lkw-Fahrer, korrigierte die Zahl schließlich nach unten auf insgesamt neun leicht verletzte Menschen. Allerdings sollen auch die drei Polizeimeisteranwärter, die den Tatverdächtigen festnahmen, dabei leicht verletzt worden sein.

Am Tag nach den dramatischen Ereignissen von Limburg zeugt nur noch ein rot-weißes Absperrband im Mülleimer davon, was hier an der Kreuzung geschehen ist. Der Verkehr rollt am Dienstagmorgen wie immer über die vielbefahrene Hauptstraße. Doch die Betroffenheit bleibt. „Man denkt immer, so etwas passiert weit weg. Diesmal war es ziemlich nah an uns dran“, sagt ein 59 Jahre alter Geschäftsmann über den Vorfall.

Zum Glück sei nicht mehr passiert, sagt ein 66-jähriger Limburger. „Ich bin selbst jahrelang Lastwagen gefahren. Ich weiß, welche Wucht die haben.“ Er vermutet, dass der Mann hinterm Steuer vielleicht nicht wusste, wie man einen Lastwagen fährt. Und er fragt sich ebenso wie die Ermittler, was hinter dem Vorfall steckt.

Polizei und Staatsanwaltschaft halten sich am Dienstag mit der Veröffentlichung von Details noch zurück - und mit einer Einschätzung, ob es sich womöglich um einen Terrorakt handeln könnte. Es werde in alle Richtungen ermittelt, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt/Main mit. Insbesondere zum Tatmotiv könnten derzeit aber noch keine Angaben gemacht werden.

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„Wenn das kein Vorsatz war“, meint der 59-Jährige in seinem Laden in der Limburger Altstadt. Ein „einfacher Unfall“ könne das doch nicht gewesen sein, wenn man zuvor einen Lkw kapere. Der 66-Jährige dagegen meint: „Solange man nicht genau weiß, was passiert ist, ob es einen terroristischen Hintergrund gibt oder nicht, kann man eigentlich nichts dazu sagen.“

Auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) formuliert in seinem Dankesschreiben an die jungen Bundespolizisten vorsichtig: „Nach allem was wir derzeit wissen, müssen wir wohl davon ausgehen, dass der Tatverdächtige dies vorsätzlich getan hat.“

Auch wenn die Ermittlungen zu den Hintergründen noch laufen - der Fall weckt Erinnerungen an Vorfälle wie das Attentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember 2016. Der tunesische Islamist Anis Amri steuerte damals einen gekaperten Lastwagen auf den Platz an der Gedächtniskirche - zwölf Menschen starben, viele weitere wurden verletzt.

Bürgermeister: Bevölkerung verunsichert

Man denkt aber auch an die Amokfahrt von Münster: Im April 2018 tötete Jens R. mit einem Kleinbus vier Menschen in der Altstadt, verletzte mehr als 20 Personen teilweise lebensgefährlich - und erschoss sich anschließend.

Wie der Tatverdächtige von Limburg, so war auch Amri zuvor als Kleinkrimineller aufgefallen. Doch anders als der Mann, der jetzt in Hessen befragt wird, hatte der Tunesier intensive Kontakte zu radikalen Islamisten im In- und Ausland. Der 32-jährige Syrer ist für den Verfassungsschutz und die Staatsschutz-Abteilung der Polizei dagegen ein unbeschriebenes Blatt.

Der Bürgermeister von Limburg, Marius Hahn (SPD), hofft unterdessen auf eine schnelle, vollständige Aufklärung des Vorfalls. „Man spürt eine Verunsicherung in der Bevölkerung“, sagt er. (dpa)

++ Dieser Artikel wurde um 19.29 Uhr aktualisiert. ++

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