"Der Name ist Programm" Harald Glööckler sitzt zum zweiten Mal in der Jury der RTL-Show "Let's Dance" (ab 23. März, mittwochs, 20.15 Uhr)

Ein Talent reicht ihm nicht: Harald Glööckler sieht sich als Produkt seiner selbst.
10.03.2011, 00:00
Lesedauer: 6 Min
Zur Merkliste
Von Christina Zimmermann

Ein Talent reicht ihm nicht: Harald Glööckler sieht sich als Produkt seiner selbst.

"Ich bin ein Gesamtkunstwerk!" - Für keinen ist das so klar wie für Harald Glööckler selbst. Der irgendwann im vergangenen Jahrhundert im baden-württembergischen Maulbronn geborene Kreativkopf - über sein wahres Alter redet er nicht - ist Designer, Maler, Autor, Unternehmer und nun wieder einmal Juror bei der RTL-Show "Let's Dance" (ab Mittwoch, 23. März, 20.15 Uhr). Doch der Exzentriker ist eigentlich nur eines: Harald Glööckler. Vor über 20 Jahren eröffnete er mit seinem Lebensgefährten Dieter Schroth einen Jeansladen in Stuttgart, mittlerweile verkauft er seine Marke in der ganzen Welt - dem Teleshopping sei Dank! Bis heute hat sich der Modeschöpfer, der sich als erster für Frauen mit großen Größen stark machte, seinem Kindheitstraum verschrieben: "Ich will alle Frauen schön machen."

teleschau: Herr Glööckler, jetzt sind Sie schon zum zweiten Mal in der Jury von "Let's Dance". Können Sie eigentlich selbst tanzen?

Harald Glööckler: Tanzen kann jeder. Es sprechen auch viele Deutsch, aber nicht alle können es perfekt. Wenn Sie mich fragen, ob ich professionell tanzen kann, würde ich sagen: nein. Wenn Sie mich fragen, ob ich tanzen kann, würde ich sagen: ja.

teleschau: Wären Sie in der Jury von "Germany's next Topmodel" vielleicht nicht besser aufgehoben?

Glööckler: Wenn ich dort wäre, wäre ich dort. Ich wurde schon angefragt, aber es kam zu keiner Zusammenarbeit.

teleschau: Durch "Let's Dance" wurden Sie einem größeren Publikum bekannt ...

Glööckler: Ich war vorher nicht unbekannt! Natürlich wird der Bekanntheitsgrad eines Prominenten jeden Tag größer, und durch "Let's Dance" kennen mich sicherlich jetzt noch mehr Leute. Aber wissen Sie, es gibt einen großen Unterschied zwischen Menschen, die sich lange in den Köpfen des Publikums manifestieren und Menschen, die über Nacht zu Superstars gemacht werden. Letztere sprechen nur eine bestimmte Zielgruppe an und werden schon kurze Zeit später nicht mehr beachtet. Ich hingegen bin seit über 20 Jahren in den Medien vertreten.

teleschau: Werden Sie oft auf der Straße angesprochen?

Glööckler: In dem Moment, in dem man als Person des öffentlichen Lebens - ich mag nicht unbedingt das Wort Promi - auf die Straße geht, muss man auch damit rechnen, angesprochen zu werden. Ich finde das normal. Wenn jemand das nicht will, muss er eben zu Hause bleiben.

teleschau: Warum mögen Sie das Wort "Promi" nicht?

Glööckler: Prominent ist heute jeder. Jeder Koch, der ins Fernsehen geht, oder jeder, der in irgendeiner Show etwas Blödes von sich gibt. Insofern ist es eher eine Schande, wenn man prominent ist.

teleschau: Als was würden Sie sich bezeichnen?

Glööckler: Ich bin ein Gesamtkunstwerk!

teleschau: Über das in der Presse schon so manche Bezeichnung gefallen ist ...

Glööckler: Das ist schon in Ordnung. Das ist wie Fiebermessen - negative Presse ist nur am anderen Ende der Skala. Im Prinzip ist es immer dasselbe, egal ob jemand schlecht oder gut über mich schreibt. Die Frage ist eher, ob man sich den Schuh anzieht oder nicht.

teleschau: Ziehen Sie sich den Schuh an?

Glööckler: Ich kann damit gut leben. Wenn natürlich jemand beleidigend wird, muss man sich fragen, ob das guter Stil ist. Aber ansonsten kann jeder denken, was er will. Es muss mich nicht jeder mögen. Im Gegenteil: Es wäre furchtbar, wenn mich alle toll fänden. Es muss auch nicht jeder meine Mode mögen. Ich sage immer: Wenn ich die fünf Prozent auf der Welt erreiche, die mich gut finden, ist das genug.

teleschau: Apropos anziehen. Wählen Sie Ihre Kleidung jeden Tag selbst aus oder hilft Ihnen jemand dabei?

Glööckler: Ich brauche keine Berater. Schließlich berate ich andere, wie sie aussehen sollen. Was ich anziehe, entscheide ich, wie ich lustig bin. Ich weiß auch noch nicht einen Tag vorher, was ich am nächsten Morgen tragen werde.

teleschau: Wie lange brauchen Sie im Bad?

Glööckler: Nicht so lange wie man denkt (lacht).

teleschau: Gehen Sie immer geschminkt aus dem Haus?

Glööckler: Sagen wir mal, ich gehe gepflegt raus.

teleschau: Was bedeuten Ihnen Ihre Tattoos?

Glööckler: Die Lilie, die Krone und der Greif sind Insignien der Macht und des Reichtums. Der Drache steht für Schutz und Glück. Mein Tätowierer sagte mir: Jeder bekommt das Tattoo, das er verdient. Bei mir hatte er den Eindruck, dass sie unter der Haut schlummerten, bis sie erweckt wurden.

teleschau: Ein weiteres Ihrer Markenzeichen sind die vielen Ketten und Ringe, die Sie tragen ...

Glööckler: Das ist relativ. Was ist viel, was ist wenig? Sagen wir es so: Ich trage gerne Schmuck.

teleschau: Vor Kurzem wurde Ihnen der Titel "Bart des Jahres" verliehen. Ist Ihr Bart Ausdruck Ihrer Gefühlslage?

Glööckler: Nein, gar nicht. Im Gegensatz zu mir tragen manche ihren Bart im Schritt. So wie ich Haare am Kopf habe, habe ich Haare im Gesicht. Die pflege ich. Offensichtlich fand man das so toll, dass ich als Trendsetter in Sachen Bart gewählt wurde.

teleschau: Sind Sie denn eitel?

Glööckler: Eine schwierige Frage. Ich habe eine gesunde Eitelkeit.

teleschau: Was sehen Sie, wenn Sie in den Spiegel schauen?

Glöökler: Das, was ich sehen will. Die anderen sehen mich von außen, ich selbst sehe mich von innen. Klar weicht das Spiegelbild an manchen Tagen von dem ab, was ich sehen will. Ich erinnere mich ja nicht an mein Alter, aber irgendwann ab 30 ging es los, dass ich in den Spiegel schaue und manchmal denke, mich tritt ein Pferd. Das ist nun mal so. Wie jeder andere Mensch auch, muss auch ich mich immer wieder mit mir und meinem Spiegelbild arrangieren.

teleschau: Wenn Sie sagen, Sie erinnern sich nicht an Ihr Alter - haben Sie Angst davor?

Glööckler: Überhaupt nicht. Ich habe auch keine Angst vor dem Tod. Man sollte Angst vor dem Leben haben. Und vor dem Sterben. Der Tod ist unser treuster Begleiter, er ist von Anfang an mit dabei.

teleschau: Stimmt es, dass Sie an Wiedergeburt glauben?

Glööckler: Ich glaube an eine höhere Macht, und ich glaube, dass Energie nicht vergänglich ist. Ein Teil der Energie wird bestehen bleiben und in einen großen Teich zurückfinden.

teleschau: Haben Sie das Gefühl, Sie würden in eine andere Zeit gehören?

Glööckler: Ich bin überzeugt, dass es die Zeit an sich gar nicht gibt und wir uns das nur einreden. Wahrscheinlich läuft alles nebeneinander, und wir können es nur nicht fassen.

teleschau: Fühlen Sie sich manchmal als Außenseiter?

Glööckler: Wir sind alle Außenseiter. Das Perverse ist, dass wir alle denken, wir wären eine Gemeinschaft. Aber wir bräuchten einander nicht. Jeder könnte im Prinzip machen, was er will. Und dennoch sind wir alle seelisch und geistig miteinander verbunden. Wir sind menschliche Wesen mit denselben Gefühlen.

teleschau: Aber auffälliger als andere sind Sie schon ...

Glööckler: Wissen Sie, Deutschland ist wie ein Hühnerhof. Wenn Sie ein paar Pfauen haben, fallen die natürlich auf. Dann sagt man: "Mein Gott, was ist das denn?!" In Paris ist es umgekehrt, dort sind nur Pfauen, und die Hühner fallen auf. Ich bin extravagant. Aber nur so hat man eine Chance. Man muss sich aus der Masse hervorheben. Gott hat uns alle unterschiedlich gemacht. Wenn er gewollt hätte, dass wir alle gleich sind, hätte er es recht einfach gehabt.

teleschau: Haben Sie viele Neider?

Glööckler: Das weiß ich nicht und mache mir darüber auch keine Gedanken. Aber man sagt: Die Anzahl unserer Neider bestätigt unsere Fähigkeiten. Da ich viele Fähigkeiten habe, könnte ich auch viele Neider haben. Für mich ist Neid eine andere Art der Ehrerbietung.

teleschau: Sie sagten einmal, man hätte Ihnen die Kindheit gestohlen ...

Glööckler: Ich will diese Erlebnisse nicht immer wieder herauskramen müssen. Wenn Sie sich dafür interessieren, dann empfehle ich Ihnen, mein Buch zu lesen.

teleschau: Vielleicht möchten Sie ja über Ihre Kindheitsträume reden ...

Glööckler: Mein wichtigster Traum war, dass ich alle Frauen schön machen will und dass keine mehr weint.

teleschau: Und deswegen sind Sie Designer geworden ...

Glööckler: Ich bin kein Designer. Ich bin Harald Glööckler! Ich lebe mich komplett aus. Dazu mache ich Kleider, male Bilder, gestalte Skulpturen. Ich habe schon gesungen, Schmuck gemacht, sitze in der Jury von "Let's Dance" ...

teleschau: Ist es nicht sehr anstrengend, rund um die Uhr Harald Glööckler zu sein?

Glööckler: Nun, ich bin eine Marke. Der Name ist Programm. Vor Jahren lud mich die Hochschule in Tübingen und die UDK in Berlin ein, zum Thema "Der Mensch als Marke" einen Vortrag zu halten. Aber ich schlüpfe nicht in eine Rolle oder setze mich hin und überlege: "Wie verkörpere ich mich jetzt mal?" Ich bin eine Persönlichkeit, von denen gibt es nur noch wenige.

teleschau: Wie leben Sie eigentlich?

Glööckler: So, wie ich mir als Kind erträumt habe, wie man als Prinz lebt. Stellen Sie sich eine knapp 1.000 Quadratmeter große Mischung aus Luxuspenthouse und Maharadschapalast vor. Eine pompöse Welt, sehr opulent, sehr barock, aber auch mit Modernem gemischt.

teleschau: Klingt wie ein Märchen ...

Glööckler: Wenn man diesen Eindruck hat, möchte ich ihn so belassen. Die Chinesen sagen: Man muss immer die Wahrheit sagen, aber nicht die ganze. Ein paar Geheimnisse sollen immer bleiben.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+