Ein nicht mehr für möglich gehaltenes Comeback Hardy Krüger sen. spielt in "Familiengeheimnisse" (So., 9.1., 20.15 Uhr, ZDF)

Der Schauspieler, Schriftsteller, Weltenbummler und erste deutsche Nachkriegs-Weltstar Hardy Krüger stand nach 25 Jahren Pause erstmals wieder vor der Kamera. Das Drama "Familiengeheimnisse" ist am Sonntag, 9. Januar, im ZDF zu sehen.
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Von Eric Leimann

Der Schauspieler, Schriftsteller, Weltenbummler und erste deutsche Nachkriegs-Weltstar Hardy Krüger stand nach 25 Jahren Pause erstmals wieder vor der Kamera. Das Drama "Familiengeheimnisse" ist am Sonntag, 9. Januar, im ZDF zu sehen.

Auch mit 82 Jahren kann man noch mal sein Leben ändern. Den zahlreichen Wendungen in seiner Biografie will Hardy Krüger senior nun eine weitere hinzufügen. Der Schauspieler, Schriftsteller, Weltenbummler und erste deutsche Nachkriegs-Weltstar stand nach 25 Jahren Pause wieder vor der Kamera. Das Drama "Familiengeheimnisse" des Regisseurs Carlo Rola ("Krupp - eine deutsche Familie) ist am Sonntag, 9. Januar, 20.15 Uhr, im ZDF zu sehen. Früher drehte der blonde und strahlend blauäugige Berliner mit John Wayne ("Hatari") oder James Stewart ("Der Flug des Phoenix"). Zuvor musste er als erster deutscher Nachkriegsschauspieler auf Arbeitssuche im Ausland beweisen, dass er trotz seines Äußeren kein Nazi war. Auch im vermuteten Spätherbst seiner Karriere wähnt sich der große Geschichtenerzähler noch lange nicht am Ende.

teleschau: Ist selbst ein Hardy Krüger nervös, wenn er nach 25 Jahren Pause zum ersten Mal wieder als Schauspieler vor der Kamera steht?

Hardy Krüger: Nein, überhaupt nicht. Schauspielerei ist wie Radfahren. Auch wenn man 25 Jahre nicht gefahren ist - du wirst nicht nervös, sofern du in gutem körperlichen Zustand aufs Rad steigst.

teleschau: Sie haben mit nicht einmal 60 Jahren aufgehört zu drehen. Warum eigentlich?

Krüger: Ich wurde aufgehört. Auf dem Höhepunkt meiner Karriere habe ich angefangen "Weltenbummler" zu drehen. Meine Freunde in Hollywood haben immer den Kopf geschüttelt, dass ich so was mache. Aber das waren meine eigenen Geschichten, die ich mit Menschen auf der ganzen Welt gesucht, gefunden und gedreht habe. Damals ist ein Lebenstraum für mich in Erfüllung gegangen. Ich sollte eigentlich nur zwei, drei oder vier Folgen machen. Doch dann wurde das ein großer Erfolg: beim Sender, beim Publikum, bei mir, bei meiner Frau, die im Team als Fotografin dabei war. Ich konnte einfach nicht damit aufhören.

teleschau: Warum spielen Sie jetzt doch wieder?

Krüger: Ich habe nie aufgehört, Schauspieler sein zu wollen. Auf Theaterbühnen stand ich zwischendurch immer wieder mal. Aber jene Drehbücher, die in den letzten Jahren kamen, haben mich nicht interessiert. Das war miserables Zeug. Ich hatte das Glück mit den besten Regisseuren meiner Zeit in Paris, London und Hollywood arbeiten zu dürfen. Diesen Ruf wollte ich nicht ruinieren. Irgendwann habe ich aufgehört, Drehbücher überhaupt zu lesen. Bis Carlo Rola kam, von dem ich Fernsehfilme wie "Rosa Roth" und "Die Krupps" gesehen hatte. In meinem Kopf war sein Name fest verankert - als sehr guter Regisseur. Bevor ich ihn persönlich kennenlernte, hatte ich mir überlegt, dass ich ihm gern mal einen Stoff anbieten würde, wäre mir ein gutes Buch über den Weg gelaufen. Nun ist es umgekehrt gekommen. Weil er den Mut hatte, das ZDF nach meiner Nummer zu fragen - obwohl ihm alle sagten, dass ich nichts mehr mache und schon gar nicht in Deutschland. Irgendwie wollten wir beide, dass es so kommt. Es gibt keine Zufälle im Leben, habe ich in Asien gelernt. Er wollte wissen, ob wir uns in Los Angeles treffen können. Da sagte ich zu ihm: "Nix Los Angeles, Sie kommen zu mir nach Hause - zu meiner Frau und mir."

teleschau: Ob als Weltenbummler oder Weltstar - Sie wurden immer als Botschafter Deutschlands gesehen. Hardy Krüger, der nach dem Krieg bei fast allen Alliierten für ein neues, positives Deutschenbild sorgte. Ist Ihnen die Rolle auch manchmal auf die Nerven gegangen?

Krüger: Ich hatte es ja selbst verschuldet, weil ich aus dem deutschen Film raus und in den englischen und französischen Film hinein wollte. Auch weil ich wusste, dass dies der leichteste Weg nach Hollywood war. Ich war der erste deutsche Schauspieler, der dort nach dem Krieg Arbeit suchte. Bei den Franzosen hat es zunächst nicht geklappt. Da hieß es: "Einen wie Sie können wir hier nicht gebrauchen. Blond, blaue Augen. Die hatten wir hier jahrelang in grauer Uniform rumlaufen." In England waren sie dagegen nicht so ruppig, aber sie lehnten mich ebenfalls ab. Aber ich begehrte dagegen auf und sagte ihnen, dass ich bei der Gründung unserer Republik 1949 Plakate geklebt habe, dass ich ein Demokrat bin und dass ich unter Hitler und seiner Bande genauso gelitten habe wie sie selbst - denn ich hätte den Krieg fast nicht überlebt. Das hat offenbar Eindruck gemacht.

teleschau: Sie haben es also geschafft, die Engländer mit Argumenten von sich zu überzeugen?

Krüger: Das kann man so sagen. Ich habe dann einen Film bekommen "The One That Got Away", der auf Deutsch "Einer kam durch" hieß. Er wurde ein Sensationserfolg in England und in Amerika ebenso. Später dachten die Amerikaner gar nicht mehr daran, dass ich Deutscher bin. Die dachten, ich wäre längst Amerikaner geworden, was ich aber niemals war. Ich besitze immer noch meinen deutschen Pass und eine Green Card für die Arbeit in Amerika.

teleschau: Bis heute leben Sie abwechselnd in den kalifornischen Bergen und in Hamburg. Was können Sie wo besser?

Krüger: Die Schauspielerkarriere in Hollywood ist, wie ich erzählte, abgebrochen worden. Aber ich schreibe meine Bücher gerne in Kalifornien, wo man sehr gut und inspiriert leben kann. Ich schreibe übrigens, seit ich zwölf Jahre alt bin. Es war mein eigentliches Berufsziel aus dem nichts wurde, weil ich erst gedruckt wurde, als ich 40 war und inzwischen als Schauspieler mein Auskommen hatte. In den Jahren, als ich "Weltenbummler" machte, kaufte ich mir dann aus praktischen Gründen eine schöne Wohnung an der Außenalster in Hamburg. Meine Frau Anita liebt diese Wohnung bis heute so sehr, dass sie sie nicht aufgeben will - auch wenn ich als Berliner vielleicht gerne auch dorthin zurückgegangen wäre. Immerhin habe ich mittlerweile auch noch in Berlin eine kleine Bleibe.

teleschau: Das Reisen war immer Ihr Markenzeichen. Ist dieses Bedürfnis in einem bestimmten Alter weniger geworden?

Krüger: Nein, da wird sich bei mir auch nie etwas ändern, glaube ich. Die Naziverbrecher haben mir meine Jugend geklaut, es war eine schlimme Zeit. Als ich das alles überlebt hatte, ist ein enormer Lebenswille in mir entstanden. Durch die Dreharbeiten bin ich bald in alle möglichen Länder gereist, was mich fasziniert hat. Immer wollte ich die Menschen anderer Kontinente kennenlernen und wissen, wie sie an anderen Orten leben. Ich bin wie ein Kind, das immer nach dem Warum fragt. Das hat sich bis heute kaum verändert.

teleschau: Ist es mit dem Alter schwieriger geworden, derart rastlos durch die Welt zu reisen?

Krüger: Rastlosigkeit ist der falsche Ausdruck für das, was mich antreibt. Ich bin wissbegierig - also das Gegenteil von rastlos. Durch die 20 Jahre, die ich in Afrika lebte, bin ich sehr gelassen geworden. Afrika ist der große Lehrmeister meines Lebens - ohne dass ich dies vorher gewusst hätte. Die Freude an der Begegnung mit Menschen ist noch immer nicht gestillt. Als ich "Weltenbummler" machte, war ich 60 Jahre alt. Das halten viele für ein reifes Alter. Jetzt habe ich einen Film mit vielen guten Schauspielern gedreht, die im Schnitt 40 Jahre jünger waren als ich. Wenn wir von mittags um zwölf bis nachts um halb zwei gedreht haben, war ich ebenso wenig müde wie diese jungen Schauspieler. Von daher scheint es, was die Fitness betrifft, noch zu klappen. Ich bin belastbar und liebe es zu arbeiten. Wenn man an einer Arbeit Freude hat, wir man ohnehin nicht müde.

teleschau: Sie haben viele Filme gedreht, die heute als Klassiker gelten. Empfinden Sie so etwas wie Stolz?

Krüger: Ich schaue gar nicht so gerne zurück, sondern lieber nach vorne. Das, was als Nächstes kommt, ist für mich immer wichtiger als all das, was ich einmal gemacht habe. Ich bin mit vielem, was ich habe machen dürfen, sehr zufrieden. Das Wort Stolz benutze ich allerdings nicht mal am Sonntag (lacht). Ich bin froh darüber, dass mir zwei Dinge vom Leben geschenkt wurden. Zum einen das Talent zum Schreiben und Spielen. Das andere ist Charakter. Charakter in dem Sinne, dass ich nicht jeden Mist mitmache und den Leuten die Wahrheit ins Gesicht sage. Wenn ich damit einbreche, weil einige meinen Berliner Eisenbahner-Humor nicht verstehen, ist das deren Problem. Dieser Charakterzug hat meine Karriere im Ausland ausgemacht. Ich möchte das gar nicht verändern wollen.

teleschau: Auch wenn man das Wort Stolz weglässt - haben Sie Erfolge oder Auszeichnungen niemals tief gerührt?

Krüger: Über zwei Auszeichnungen bin ich sehr froh. Vom französischen Staatspräsidenten wurde ich zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. Das hat außer mir unter den deutschen Schauspielern nur Marlene Dietrich geschafft, die ich immer sehr bewundert habe. Die andere Auszeichnung ist das Großkreuz zum Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. In der Urkunde von Präsident Köhler steht, dass ich sie für meine Verdienste um Nation und Volk erhalten habe. Darüber freue ich mich deshalb, weil ich auch sehr zufrieden mit diesem Volk bin. Immerhin haben wir uns seit dem Ende des Krieges sehr gut benommen, haben niemanden angegriffen und sind eine gefestigte Demokratie geworden. Dass wir jetzt in Afghanistan dabei sind, gefällt mir nicht. Insgesamt darf ich mich aber darüber freuen, Deutscher zu sein.

teleschau: Würden Sie zustimmen, dass wir heute keinen Hardy Krüger mehr brauchen, weil sich das Image der Deutschen im Ausland deutlich verbessert hat?

Krüger: Ja (lacht), das kann ich mit großer Freude unterschreiben. Wir brauchen das nicht mehr und ich werde im Ausland auch schon lange nicht mehr darauf angesprochen, dass ich Deutscher bin. Jedenfalls nicht im negativen Sinne. Das hat mein Volk geschafft.

teleschau: Werden wir Sie als Schauspieler wiedersehen?

Krüger: Dieser Film ist sehr gut geworden, und ich glaube auch, dass er viel Aufmerksamkeit erhalten wird. Daher könnte es sein, dass mein Name wieder in der Verlosung ist, wenn es um interessante Filmprojekte geht. Wenn gute Angebote kommen, bin ich dabei. Ich könnte mir auch vorstellen, dass ich mit Carlo Rola gemeinsam etwas entwickle, denn ich hätte große Lust, wieder mit ihm zu arbeiten.

teleschau: Tragen Sie eine Idee von Vermächtnis in sich? Möchten Sie, dass etwas Bestimmtes von Hardy Krüger in Erinnerung bleibt?

Krüger: Es ist mit Bedauern zu sehen, dass wunderbare Schauspieler aus meiner Jugendzeit jüngeren Generationen heute gar nicht mehr bekannt sind, ein Mann wie Hans Söhnker, der mir zwei Jahre vor Kriegsende erklärte, dass Hitler ein Verbrecher ist. Söhnker versteckte jüdische Mitbürger in seinem Landhaus und brachte sie in die Schweiz. Ich kann das den jungen Leuten nicht mal übel nehmen. Wenn du 20 Jahre nicht mehr als Schauspieler gearbeitet hast, kennt dich bei den Jüngeren kein Mensch mehr. Da mache ich mir keine Illusionen. Möglicherweise, und da ist meine Hoffnung etwas größer, werden meine Bücher überleben.

teleschau: Gibt es bei all dem Glück, das Sie hatten, etwas in Ihrem Leben, das Sie vermissen? Etwas, das nicht stattgefunden hat?

Krüger: Es gibt viele Dinge, die mir nicht gelungen sind. Filme, in denen ich gerne mitgespielt hätte, aber die Rolle nicht bekommen habe. Da ich aber kein neidischer Mensch bin, hat mich das nicht groß belastet. Auf der positiven Seite des Berufslebens steht so viel bei mir, dass ich keinen Grund zur Klage habe.

teleschau: Und über das Berufsleben hinaus?

Krüger: Das Schreiben von Büchern füllt mich aus. Hinter meinem neuen Roman "Tango Africano" beispielsweise steht die Überzeugung, dass nicht der erste Kuss der wichtige in unserem Leben ist, sondern der letzte. Die späte Liebe ist für mich das Entscheidende, wenn es um Lebensbilanzen geht. Liebe ist so viel wichtiger im Leben als Geld und Erfolg. Und wenn ich etwas den Menschen sagen möchte, die ihre Liebe noch nicht gefunden haben, dann das: Nicht aufgeben. Die Liebe kann zu jedem Zeitpunkt des Lebens noch auf dich warten. Du musst nur aufpassen, dass du dieses Geschenk auch annimmst und es pflegst.

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