Die Rolle, das Pferd ... Harrison Ford darf in "Morning Glory" (Start: 13.01.) mal gemein sein

Gemeinschaftserlebnis statt Heimkino-Einsamkeit: Harrison Ford erinnert an die Stärken des Kinofilms.
07.01.2011, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Margarete Richter

Gemeinschaftserlebnis statt Heimkino-Einsamkeit: Harrison Ford erinnert an die Stärken des Kinofilms.

Selbstherrlich, eigenbrötlerisch, arbeitsscheu - die Reihe von "Komplimenten" für den erfahrenen Fernsehreporter Mike Pomeroy (Harrison Ford) ließe sich beinahe beliebig fortsetzen. Aber weil Jungproduzentin Becky (Rachel McAdams) gerade den Moderator ihrer Morgenshow "Daybreak" gefeuert hat, muss sie den widerborstigen Mike als Nachfolger engagieren. Mit seinem knarzigen Altherrencharme ist Harrison Ford (68) der perfekte Hauptdarsteller für Roger Michells rasante Medienkomödie "Morning Glory" (Start: 13.01.), die Erinnerungen an Hollywoods Screwballklassiker der 40-er weckt. Im Interview spricht der Leinwandveteran über Pferde, Flugzeuge und 3D-fähige Blu-ray-Player.

teleschau: Wären Sie gerne mit Mike Pomeroy befreundet?

Harrison Ford: Nein, natürlich nicht (lacht). Er ist ein absoluter Arsch. Aber genau darin lag der Spaß an dieser Rolle: Zu sehen, was für ein Idiot dieser Mann ist und dann mitzuerleben, wie die Umstände und die Personen um ihn herum ihn beeinflussen. Für die Menschen, die ihm begegnen, ist Mike ja Hindernis und Chance zugleich.

teleschau: Doch wohl eher Hindernis ...

Ford: Wahrscheinlich, aber es geht ja auch um den emotionalen Einfluss, den Rachel auf ihn hat und er auf sie. Gäbe es diese Entwicklung nicht, dann wäre die Wirkung dieser Figur schnell verpufft. Mike Pomeroy bliebe eindimensional, so aber konnte ich mit dieser Wechselwirkung zwischen den beiden spielen.

teleschau: Wer spielt sich leichter, ein Unsympath wie Mike oder einer der guten Jungs, für die Sie berühmt sind?

Ford: Jede neue Figur ist wie ein Pferd, das man nicht kennt, auf dem man aber reiten soll. Wenn das Drehbuch gut ist, liegen in jeder Art von Figur Chancen, ganz gleich ob gut oder böse. Übrigens spiele ich in meinem nächsten Film "Cowboys & Aliens", der im Sommer in die Kinos kommen soll (hierzulande am 15. September, Anm. d. Red.), auch einen Unsympathen. Aber zur Hochzeit des Kinos in den 80er-Jahren, als ich sehr viel gearbeitet habe, war ich oft in einer bestimmten Art von Film zu sehen, der eher auf heroische Figuren ausgerichtet war. Obwohl ich weder Indiana Jones noch Han Solo oder Jack Ryan damals so gesehen habe. Ich empfand sie nur als coole Typen. Aber das Kino dieser Zeit war halt auf Helden ausgerichtet.

teleschau: Die Art von Männern, die sich 15-jährige Mädchen als Poster ins Zimmer hängten ...

Ford: Die andere Hälfte der Poster hing vermutlich bei den jungen Männern. Damals orientierte sich ja der ganze Kinomarkt an den jungen Männern.

teleschau: Sind denn die jungen Männer heute keine wichtige Zielgruppe mehr?

Ford: Die Filmindustrie hat zu kämpfen. Es ist eben nicht mehr so, dass die Leute aus dem Haus gehen, um sich einen Film im Kino anzuschauen. Es gibt andere Möglichkeiten, sich Filme anzuschauen. Ich finde es schade, dass damit dieses Gefühl verloren geht, zusammen mit vielen Fremden in einem dunklen Raum dasselbe zu erleben. Diese Gemeinschaftserfahrung ist ja eigentlich der stärkste Aspekt des Kinos. Aber bei der Art und Weise, wie die Leute heute Filme schauen, ist es kein Wunder, dass die Filmindustrie schrumpft.

teleschau: Bei Ihnen zu Hause steht also noch kein 3D-Blu-ray-Player?

Ford: Nein. Ich möchte meine Filme aus der Entfernung auf der Leinwand sehen, mit Popcorn knabbernden Nachbarn neben mir. Nicht einsam im Wohnzimmer.

teleschau: Darf ein Schauspieler in Hollywood eher altern als die Kolleginnen?

Ford: Keine Ahnung, ich kann ja mal Meryl Streep fragen oder Diane Keaton. Natürlich ändern sich die Rollen auch für Männer, wenn sie älter werden. Aber mit Mitte 60 muss man auch nicht mehr den heißblütigen Liebhaber geben, sondern spielt eher Figuren mit Lebenserfahrung. Ich bedauere meine früheren Filme nicht, aber ich genieße auch die Rollen, die ich jetzt spiele - und dass ich weniger arbeite ...

teleschau: ... und mehr golfe?

Ford: Mehr fliege! Die Fliegerei ist meine Berufung, meine große Leidenschaft. Ich besitze eine professionelle Fluglizenz, habe also dieselben Prüfungen absolviert wie ein Berufspilot bei einer Airline. Das Dumme ist nur, dass man diese Prüfung nicht nur einmal ablegt, sondern laufend an Fortbildungen teilnehmen muss, damit die Lizenz gültig bleibt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+