Kommentar Hauptsache Arbeit

Jürgen Hinrichs zum Zuzug von Osteuropäern Deutschland ist ein Einwanderungsland. Ein Satz, der vor wenigen Jahren noch Widerspruch geerntet hätte – leise vielleicht, aber deutlich spürbar mit der Sorge dahinter, dass zu viele kommen könnten.
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Hauptsache Arbeit
Von Jürgen Hinrichs

Jürgen Hinrichs

zum Zuzug von Osteuropäern

Deutschland ist ein Einwanderungsland. Ein Satz, der vor wenigen Jahren noch Widerspruch geerntet hätte – leise vielleicht, aber deutlich spürbar mit der Sorge dahinter, dass zu viele kommen könnten. Heute ist das anders. Deutschland und ganz Europa geben zwar immer noch eine erbärmliche Figur ab, wenn es um die Aufnahme von Flüchtlingen geht – zuletzt zu besichtigen nach der Katastrophe vor Lampedusa, als mehr als 400 Menschen starben und die EU-Politiker gerade einmal in der Lage waren, ihr Bedauern zu formulieren, statt ihre Flüchtlingspolitik zu ändern. Sonst aber wird um Einwanderer mittlerweile geradezu ge- worben – zumindest um gut qualifizierte.

Der demografische Wandel und ein absehbar eklatanter Mangel an Fachkräften lässt den Deutschen keine Wahl. Sie müssen aus einem anderen Reservoir schöpfen und Menschen einladen, zu ihnen ins Land zu kommen, um zu arbeiten und die Renten zu finanzieren.

Wenn nun verstärkt Bulgaren und Rumänen nach Deutschland einwandern und in Zukunft ohne Einschränkungen eine Arbeit aufnehmen dürfen, ist das wie der Zuzug aus jedem anderen Land der EU. Es werden viele Menschen kommen, die qualifiziert sind und darauf brennen, es zu beweisen. Schlecht für ihre Heimat übrigens, dass gerade sie abwandern. Deutschland profitiert zu Lasten anderer.

Es werden aber auch Menschen kommen, die ihre Probleme mitbringen. Mangelnde Bildung vor allem. Sie zu integrieren, ist in einem Europa ohne Grenzen eine Gemeinschaftsaufgabe. Alles andere wäre Rosinenpickerei.

Dass jeder fünfte Bulgare oder Rumäne in Bremen heute Hartz-IV bezieht, muss noch nichts heißen. Erstens ist das ziemlich genau die gleiche Quote wie bei den Deutschen in der Stadt. Und zweitens bleibt den Osteuropäern zurzeit ja noch nicht viel anderes. Erst zum Jahreswechsel sind sie völlig frei, sich in Deutschland eine Arbeit zu suchen. Nicht jeder wird dabei Erfolg haben. Und es ist naiv zu glauben, dass niemand auf staatliche Hilfen spekuliert – verhindern kann man das aber nicht. juergen.hinrichs@weser-kurier.de

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+