Kommentar Hauptstadt der Sparsamkeit

Silke Hellwig zum Bund der Steuerzahler Dass Bremen nicht im diesjährigen Schwarzbuch auftaucht, spricht eindeutig für Bremen. Und gegen den Bund der Steuerzahler.
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Hauptstadt der Sparsamkeit
Von Silke Hellwig

Silke Hellwig

zum Bund der Steuerzahler

Dass Bremen nicht im diesjährigen Schwarzbuch auftaucht, spricht eindeutig für Bremen. Und gegen den Bund der Steuerzahler. Er hat umgehend relativiert, dass es keinen Grund gäbe, Bremen zu loben. In der alljährlichen Verschwendungskartei würden allein Beispiele aufgegriffen, die möglichst plakativ sind. Das ist als PR-Strategie vermutlich goldrichtig. Aber gerecht ist es nicht, und zur Transparenz, zur sogenannten Haushaltswahrheit und -klarheit, zur Information der Bürger (und Steuerzahler) trägt dieses Verfahren auch nicht gerade bei.

Dennoch darf man optimistisch sein: Bremen ist vorsichtig geworden beim Geldausgeben. Wohl kaum, weil die Mahnungen des Bunds der Steuerzahler nach vielen Jahren und Negativbeispielen endlich Wirkung zeigen. Nein, es ist die Schuldenbremse, die buchstäblich jede Großzügigkeit bremst. Das Gute ist, dass sie offenbar Wirkung entfaltet. Das Verblüffende ist, dass ein Land, das seit Jahren und Jahrzehnten allen Grund zur Knauserigkeit hat, überhaupt immer wieder angemahnt werden konnte. Bremen war lange Garant für schön plakative Verschwendungsbeispiele, und zwar nicht nur für den Bund der Steuerzahler, sondern auch für den landeseigenen Rechnungshof. Angeprangert wurden das Musicaltheater, der „Palazzo Pisso“ auf dem Domshof, der Aussichtsturm am Schaufenster Fischereihafen, das Eisstadion in Bremerhaven, der Sedanplatz-Tunnel, der Theater-Poller und, und, und. Allerdings kommt der Bund der Steuerzahler auch sehr gut ohne Bremer Beispiele aus – ohne den Umfang des Schwarzbuchs zu schmälern. Und es gibt bislang bekanntlich nicht ein Bundesland, das nicht verschuldet ist.

Die Verschwendung anderer Länder, Städte und Gemeinden und die Nichterwähnung Bremens birgt indes eine ungeheure Chance – auf eine Ergänzung des Kanons der Superlative. Man stelle sich vor: Bremen – Hauptstadt des fairen Handels, Hauptstadt des Veggie Days und Hauptstadt der Sparsamkeit. Von 2013 an nie mehr im Schwarzbuch erwähnt, Donnerwetter. Und schon bald wird sich eine neue Redewendung etablieren, die Knauserei verurteilt: Nu’ sei mal nich’ so bremisch.

silke.hellwig@weser-kurier.de

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