Extremwetter Das Wasser wird knapp: Wie Spanien unter der Hitze leidet

In Spanien reglementieren viele Tourismusregionen bereits den Wasserverbrauch. Das Urlaubsland leidet seit Monaten unter der extremen Hitze – und das hat verheerende Folgen.
07.08.2022, 19:30
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Ralph Schulze

In Südspanien verschrumpeln die Oliven, die an Millionen Bäumen auf den andalusischen Plantagen wachsen. An der Mittelmeerküste im Raum Valencia vertrocknen Mandarinen, Orangen und Zitronen, weil sie nicht genug Wasser bekommen. In den Weinbergen in Nordspanien versuchen die Winzer durch eine verfrühte Weinlese, ihre Ernte zu retten – obwohl die Trauben eigentlich noch nicht groß genug sind.

Der historische Hitzesommer, der mit Rekordtemperaturen von über 40 Grad und monatelangem Regenmangel einhergeht, macht Spaniens Landwirten schwer zu schaffen. Sie befürchten, dass große Teile ihrer Felder verdorren, soweit nicht noch ein Wunder geschieht und der große Regen einsetzt. Doch danach sieht es nicht aus. Wenigstens bis Oktober, so glauben die Meteorologen des staatlichen Wetterdienstes Aemet, werde die Dürreperiode anhalten – vielleicht sogar länger. Die Pegel der Talsperren sind auf dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. Im Landesdurchschnitt sind die Stauseen zwar noch zu 40 Prozent gefüllt. Doch ein erheblicher Teil der rund 350 Trinkwasserseen hat sich inzwischen so geleert, dass die Behörden nun das Wasser rationieren und Beschränkungen beschlossen.

Die große Trockenheit macht inzwischen nicht nur dem südlichen Spanien und der Mittelmeerküste zu schaffen, wo das Wasser schon immer etwas knapper war, und wo es vor allem in Andalusien bereits seit Wochen Einschränkungen beim Trinkwasser gibt. Sondern nun läuten auch im traditionell regenreichen Norden die Alarmglocken: Regionen wie Galicien, das Baskenland und Katalonien setzten Notpläne in Kraft.

Lesen Sie auch

Strandduschen abgestellt

Was das bedeutet, kann man in sechs Küstengemeinden Galiciens sehen, darunter der Prominentenbadeort Sanxenxo, in dem Spaniens alter König Juan Carlos in der Vergangenheit gerne zum Segeln vorbeischaute. Dort wurden zunächst die Strandduschen abgestellt. Dann wurde auch das Füllen der Pools, derer sich viele Villen und Ferienhäuser in Sanxenxo erfreuen, strikt verboten. Auch Autos dürfen nicht mehr gewaschen werden. Wenn sich die Situation nicht bald verbessert, soll zudem nachts das Wasser abgestellt werden.

In der Touristenregion Katalonien, mit den Urlaubsküsten Costa Brava und Costa Dorada am Mittelmeer, wurde in 150 Gemeinden der Wasserverbrauch pro Kopf auf 250 Liter reduziert. Versehen mit dem Hinweis der Behörden an die Bevölkerung und die Urlauber, dass allein bei einer zehnminütigen Dusche schon 150 Liter Wasser in den Abfluss rauschen. „Wenn wir das Wasser abstellen, während wir uns einseifen, können wir viel Wasser sparen.”

Auch für die Landwirtschaft, öffentliche Grünanlagen, Privatgärten und Golfplätze wurden Beschränkungen verhängt. Kataloniens Ministerpräsident Pere Aragonès rief die Menschen auf, „vernünftig mit dem Wasser umzugehen”, damit sich die Krise nicht verschärfe. Es wird nicht mehr ausgeschlossen, dass demnächst sogar in der katalanischen Metropole Barcelona, der meistbesuchten Stadt Spaniens, Restriktionen verhängt werden.

Lesen Sie auch

Eiswürfelmangel auf Mallorca

Auf den Kanarischen Inseln und auf Mallorca sieht es derzeit in Sachen Trinkwasser besser aus. Auf diesen Inseln, auf denen sich derzeit Hunderttausende von Urlaubern aufhalten, stöhnen die Menschen zwar ebenfalls über die schon seit Wochen anhaltende Hitze. Doch dank mehrerer Entsalzungsanlagen, die Meerwasser in Trinkwasser verwandeln, besteht noch keine akute Versorgungsnot.

Dafür hat Mallorca, wo in diesem Backofensommer sogar das Meer zu kochen scheint, ein anderes Problem: eine Eiswürfel-Krise. In vielen Geschäften sind die beliebten Zwei-Kilo-Säcke mit Würfeleis, mit dem die Menschen im Sommer gerne ihre Getränke herunterkühlen, ausverkauft. Da die Insel wie ganz Spanien schon seit Mai überdurchschnittlich hohe Temperaturen verzeichnet, ist der Absatz der Eiswürfel derart gestiegen, dass die Industrie mit der Produktion nicht nachkommt. Viele Supermärkte haben den Verkauf deswegen rationiert: Es gibt nur noch maximal zwei Eissäcke pro Kunde und Tag. An den Türen einiger Geschäfte hängen inzwischen Schilder mit dem Text: „Eiswürfel sind ausverkauft.“

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Zur Newsletter-Übersicht