Kommentar Irrweg

Hans-Ulrich Brandt zum Streit über Facharzt-Termine Wie schön, dass es für (fast) jedes Problem Umfragen gibt. Nur leider wird darin nur mehr oder minder repräsentativ die Lage selbst beschrieben, ein Patentrezept zur Lösung liefern die Institute nicht.
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Irrweg
Von Hans-Ulrich Brandt

Hans-Ulrich Brandt

zum Streit über Facharzt-Termine

Wie schön, dass es für (fast) jedes Problem Umfragen gibt. Nur leider wird darin nur mehr oder minder repräsentativ die Lage selbst beschrieben, ein Patentrezept zur Lösung liefern die Institute nicht. So ist zum Beispiel einer von der Kassenärztlichen Vereinigung in Auftrag gegebenen Befragung unter Krankenversicherten aktuell zu entnehmen, dass etwa 80 Prozent der Befragten keine Probleme damit haben, zügig einen Arzttermin zu bekommen. Mussten sie aber doch einmal länger warten, nahm die Zufriedenheit der Versicherten – welch Wunder – deutlich ab. Bis zu einer Wartezeit von drei Wochen fanden schon 20 Prozent der Befragten, dies sei nicht zumutbar. Dauerte es sogar noch länger, beschwerten sich darüber 40 Prozent. Verständlicherweise!

Doch was jetzt tun? Die neue Bundesregierung gibt sich patientennah. Das macht sich zunächst einmal gut. Doch ist der Plan von Union und SPD, die Terminvermittlung einer zentralen Servicestelle bei der Kassenärztlichen Vereinigung zu übertragen und damit den Ärzten zu entziehen, der richtige Weg? Nein, denn mehr Zentralismus schafft eben nicht automatisch mehr Effizienz, denn wer anders als die Ärzte können am besten beurteilen, wie dringend ein Untersuchungs- oder Behandlungstermin bei einem Spezialisten wirklich ist? Den Medizinern hier die Kompetenz abzusprechen, wäre ein fatales Signal. Es verwundert deshalb nicht, wenn Ärztepräsident Montgomery am bisherigen Überweisungssystem festhalten will, auch wenn er jetzt die zusätzliche Kategorie „dringlich“ ins Spiel bringt.

Fakt ist: Die von der Politik versprochene Termin-Garantie gaukelt etwas vor, was im finanziell aus guten Gründen gedeckelten Gesundheitssystem nicht leistbar ist. Und die schwarz-rote Drohgebärde, zu lange Wartezeiten dann über den Weg ambulanter Behandlungen in Krankenhäusern zu verkürzen, ist scheinheilig. Auch dort leiden Fachärzte nicht an Unterbeschäftigung.

So wird also die Vergabe von Facharztterminen immer von vielen Faktoren abhängen: Lebt der Patient auf dem Land oder in der Stadt? Welche Entfernung ist ihm zuzumuten oder mutet er sich selber zu? Hat der Facharzt sein Vertrauen? Über allem aber steht die medizinische Notwendigkeit, das Wohl des Patienten. Und ist das akut bedroht, muss es schnell gehen. Es ist nicht zu erkennen, dass dies in Deutschland nicht generell gewährleistet ist.

hans-ulrich.brandt@weser-kurier.de

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