Kommentar über den Vollfrühling Jetzt blüht Ihnen was

Allergiker haben es im Frühling nicht einfach - genau wie Patricia Brandt. Für sie sei aber der genaue Frühlingsanfang besonders aus Klimagründen gar nicht so uninteressant.
16.04.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Jetzt blüht Ihnen was
Von Patricia Brandt

Allergiker haben es im Frühling nicht einfach - genau wie Patricia Brandt. Für sie sei aber der genaue Frühlingsanfang besonders aus Klimagründen gar nicht so uninteressant.

Ich hab‘ als Kind vermutlich zu früh Äpfel und Möhren als Beikost bekommen. Sonst hätte ich kaum – Hatschi! Entschuldigung! - Heuschnupfen entwickelt. Ich reagiere auf das Allergen Bet VI wie Männer auf Grippe. Ich kann genau sagen, wann der Pollenflug der Birken beginnt, nämlich mit dem Tränen meiner Augen. Ich bin – Moment, muss kurz niesen, Hatschi! Tschuldigung! – ein lebender Blühkalender. Vielleicht sollte ich Fotos von meinen täglich verquolleneren Augen als Live-Ticker ins Internet stellen. Schnief.

Es gibt ja mittlerweile für alles und jeden Blühkalender. Für Allergiker, für Staudengärtner, für Imker und ihre Bienen und sogar für Rentner, die ins Alte Land wollen, um die Apfelblüte zu bestaunen. Die geht übrigens bald los. Die Zeiger des Blühbarometers des Tourismusvereins standen, zumindest als ich zuletzt geschaut habe, auf Aufbruch.

Wann die Apfelbäume blühen, ist auch für Klimaforscher interessant. Die Apfelblüten zeigen den Beginn des phänologischen Vollfrühlings an. Je früher die rosafarbenen Knospen aufgehen, desto milder das Klima. Viele ehrenamtliche Apfel-Botschafter melden deshalb zurzeit den Wissenschaftsredakteuren des SWR, wo ein Baum blüht (zum Beispiel Schillerstraße in Hannover).

"Wart ihr auch schon im Garten?"

Der früheste gemeldete Blüh-Beginn war bisher der 23. März 2014. Den Rekord konnte 2017 keiner knacken. Nicht mal Karlsruhe und Köln-Longerich, die am 27. März erste Blüten an Topf-Apfelbäumen meldeten. Südbaden zog sofort nach: mit einer Spalierobstanlage. Karlsruhe folgte, packte sogar noch ein Foto als Nachweis dazu. Die Redakteure freuten sich wie Bolle: „Apfelblüte scheint rekordverdächtig früh zu beginnen!“

Bin gespannt, ob sich auch noch Apfelbaumbesitzer aus Bremen melden. Bisher ist das nicht der Fall. Vielleicht ist das Klima hier rauer. An meinem kleinen Apfelbäumchen an der Rutsche ist auch noch keine einzige Blüte zu sehen. Warten wir es ab. Man soll die Hoffnung nie zu früh aufgeben.

Dieser Gedanke kam mir neulich, als sich zwei Frauen in einer Sammel-Umkleide unterhielten. Fragt die eine: „Na, wart ihr auch schon im Garten?“ Antwortet die andere: „Klar, wir haben unseren Apfelbaum beschnitten.“ Es folgt eine Pause. Wieder die erste, leicht alarmiert: „Wie jetzt? Die kann man beschneiden?“ Die andere: „‚Türlich. Wir beschneiden unsern jedes Jahr, obwohl der schon 60 Jahre alt ist. Und immer noch trägt er viele Früchte.“ Wieder die erste, jetzt kleinlaut: „Und wir haben unseren gefällt.“

Martin Renz von der Stadtbibliothek empfiehlt: Bibliothekar ist ein toller Job. FaMI, also „Fachangestellte/r für Medien- und Informationsdienste“, auch. Denn so erfährt man ganz nebenbei, beim Zurücksortieren von Büchern ins Regal, was für verrückte Sachen es nicht alles gibt auf der Welt. Auch als ziemliches Gartengreenhorn und ohne Sammelumkleidenbesuch weiß ich also, dass man Obstbäume beschneiden kann, ja sogar sollte. Für Gartengreenhorns mit Ambitionen gut erklärt von Dorothea und Peter Baumjohann in „So schneide ich meine Obstgehölze“ (München: BLV). Und für Fortgeschrittene gibt es „Veredeln: Obstgehölze und Zierpflanzen“ von Peter Klock (ebd.).
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