Ausstellung Jugend in der Pandemie: Foto-Projekt ausgezeichnet

Corona hat insbesondere jungen Menschen viel abverlangt. Geschlossene Schulen und Unis sowie die Kontaktbeschränkungen führten zu Ängsten und Einsamkeit. Aber es gab auch schöne Momente. Valentin Goppel hat beides mit der Kamera eingefangen.
10.12.2022, 08:34
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von dpa

Seine Bilder spiegeln den Schwebezustand junger Menschen in der Pandemie: allein am Meer, mit der Freundin eng umschlungen vor dem Laptop im Bett oder bei der heimlichen Party in der WG-Küche. „Zwischen den Jahren“ heißt das Projekt des 22 Jahre alten Fotografen Valentin Goppel, für das er schon mehrere Preise gewonnen hat. „Vor der Pandemie hatte einer von zehn jungen Menschen Depressionen, nach dem Lockdown einer von vier“, sagt der Student der Hochschule Hannover. Auch ihm sei der Boden unter den Füßen entglitten, wahrscheinlich weil es keine Ablenkung mehr gegeben habe.

„Wie fühlt es sich an, als junger Mensch aufzuwachsen?“, war eine der Leitfragen für das Projekt. Der Fotograf begleitete seine Freundinnen und Freunde ab Silvester 2020 mit der Kamera - etwa in Bayern in seinem Heimatort Regensburg oder in Hannover. „Manchmal bin ich eher Regisseur, manchmal eher Außenstehender“, erklärt Valentin Goppel seine Herangehensweise. In den inszenierten Bildern versuche er, Erinnerungen nachzustellen oder persönliche Wahrnehmungen zu visualisieren.

Das einzige Selbstporträt unter den Pandemie-Bildern zeigt ihn im April 2022 in seinem Bett zwischen Corona-Tests, Medikamenten, Pappschachteln und einer Bierflasche. „Da hatte mich Corona endlich auch erwischt.“ Was steht auf dem Zettel in seiner Hand? „Das ist ein Liebesbrief, kein Testzertifikat“, sagt der Fotograf lächelnd.

Dem 22-Jährigen sei es gelungen, den Stillstand der Pandemie, das diffuse Gefühl des Verlorenseins der jungen Generation und deren gleichzeitig vorsichtige Suche nach Lebendigkeit spürbar werden zu lassen, begründet die Jury des mit 10.000 Euro dotierten VGH Fotopreises 2022. Im Zusammenhang mit der Auszeichnung ist eine Auswahl der Arbeiten bis zum 15. Januar 2023 in der Galerie für Fotografie (GAF) in Hannover zu sehen.

Die Fotografien mit natürlichen Lichtquellen in warmen Farben schaffen eine besondere Intimität. Wenn zum Beispiel Mutter und Sohn am Tisch sitzen, werden unterschwellige Konflikte spürbar. Beim Besuch einer jungen Frau bei den Großeltern gibt es Momente ratlosen Schweigens. Häufig geht es auch um Zärtlichkeit oder gemeinsame Erlebnisse in der Natur - dem coronakonformen Ort der Begegnung.

Auch im Ernst Leitz Museum im hessischen Wetzlar können bis Ende Januar Bilder aus dem Projekt angeschaut werden. Goppel gewann in diesem Jahr den Leica Oskar Barnack Award (LOBA) in der Kategorie Newcomer. Inzwischen präsentiert er seine Arbeiten zudem auf internationalen Festivals. Zur im Mai 2023 beginnenden Ausstellung „Generation*. Jugend trotz(t) Krise“ in der Kunsthalle Bremen steuert der Student ebenfalls Bilder bei. Ein Fotobuch ist in Planung.

Als nächstes Projekt möchte der 22-Jährige gern in den USA fotografieren - auf den Spuren von Bildern, die er unter anderem aus Filmen kennt. „Wenn ich Jugendliche in Autos fotografiere, spiele ich auch mit Klischees“, sagt er. „Mich interessiert: Woher kommt meine Prägung?“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+