Verden

Jungstörche bei Regen in Lebensgefahr

Verden. Petra Müller von der Storchenstation in Dauelsen kämpft um das Überleben von elf Jungstörchen, die aus ihren Nestern gerettet wurden. Viele sind bereits unter den Eltern ertrunken, die ihren Nachwuchs wärmen wollten.
28.05.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Jungstörche bei Regen in Lebensgefahr
Von Anna Zacharias
Jungstörche bei Regen in Lebensgefahr

Sorge um den Nachwuchs: Petra Müller von der Storchenstation Dauelsen päppelt zur Zeit elf Jungtiere auf, die in ihren Nestern beinahe ertrunken oder erfroren wären.

Strangmann

Verden. Petra Müller von der Storchenstation in Dauelsen kämpft um das Überleben von elf Jungstörchen, die aus ihren Nestern gerettet wurden. Viele sind bereits unter den Eltern ertrunken, die ihren Nachwuchs wärmen wollten. Der Wildstorchexperte vom Landkreis erklärt, dass durch die Kombination von Regen und Kälte viele Jungtiere auch einfach erfrieren.

Petra Müller hat Grund zur Sorge. Die Leiterin der Storchenstation in Dauelsen kämpft zur Zeit um das Leben von elf jungen Störchen. "Wir hätten eigentlich ein Rekordjahr gehabt, was die Zahl der geschlüpften Jungtiere im Landkreis Verden angeht. Aber die Hälfte von ihnen wird es wohl nicht schaffen", sagt sie. Durch den Dauerregen liefen viele Nester voll. Gerade für die jüngeren Vögel habe das fatale Folgen, da sie unter ihren Eltern ertrinken, die sie eigentlich vor der Witterung schützen wollen.

"Die wenigen, die das Wetter überleben werden, müssen schon hart im Nehmen sein", sagt Müller. Im gesamten Landkreis hat es in diesem Frühjahr 54 Storchennester gegeben – eine Rekordzahl. "Sonst hatten wir nur zwischen 38 und 42", sagt Müller. Sie vermutet, dass der Zuwachs mit dem langen Winter zusammenhängen könnte. Viele Störche seien möglicherweise nicht weiter nach Skandinavien gezogen, da es dort noch kälter war als hierzulande. Bei den 14 Nestern, die sie in der Umgebung der Storchenstation unter Beobachten hat, habe sie außerdem einen Generationenwechsel feststellen können. Viele Altpaare seien in der jüngeren Vergangenheit von jungen ersetzt worden.

Der diesjährige Jungtier-Rekord wird nun vom Regen zunichte gemacht, sagt Petra Müller: "Besonders die ganz jungen Vögel ertrinken schnell in den Nestern, weil sie von den Eltern runtergedrückt werden, die sie wärmen wollen." Aber auch die älteren seien durchnässt und unterkühlt und damit anfällig für Infektionen.

Müller, die sich in der Storchenstation mit nur einem Mitarbeiter um die Tiere kümmert, sagt, sie könne nicht alle Störche retten. "Unsere Kapazitäten sind begrenzt. Und wir sind darauf angewiesen, dass ein Steiger von der Straßenbaumeisterei Zeit für uns hat", sagt sie. Am Wochenende gebe es keine Möglichkeit, um die Jungtiere aus den Nestern zu retten.

Um drei ihrer Schützlinge macht sich Müller besonders viele Sorgen. "Der Boden des Nests war wie Beton, und die Tiere saßen dort pitschenass wie in einer Wanne. Die Eltern standen über ihnen und hatten die Flügel ausgebreitet, um sie zu schützen", erzählt Müller. Sie seien in einer ständigen Zwickmühle: Entweder sie schützen den Nachwuchs vor dem Regen oder sie holen Futter. In der Station kommen die Tiere unter eine Wärmelampe, sie hätten sich aber durch die Unterkühlung auch schon Krankheiten eingefangen.

Der Wildstorchexperte beim Landkreis Verden, Frank Erdtmann, hat die drei Störche in die Station gebracht. "Wenn die überleben sollten, haben wir wirklich Glück gehabt", sagt er. Da die Eltern das Nest mit Gras auslegen und dieses festtreten, könne das Wasser nicht ablaufen. Da die jungen Vögel noch ins Nest koten, bilde sich eine ungesunde Brühe. "Wir brauchen dringend ein paar trockene und vor allem warme Tage, sonst sieht es ganz schlecht aus", sagt er. Bei seinen Kontrollgängen habe er schon zahlreiche Jungtiere gesehen, die aus dem Horst geworfen wurden. Die Altvögel würden ihren zwei bis drei Tage alten Nachwuchs einfach hinauswerfen, wenn sie merken, dass dieser zu schwach zum Überleben sei, erklärt er. Durch den kalten Regen würden viele Jungtiere auch einfach erfrieren.

Die elf kleinen Störche in Dauelsen sind zwischen vier Tagen und fünf Wochen alt. Wenn sie ein Alter von etwa sieben Wochen erreicht haben, werden sie wieder ausgewildert. Dann seien sie so widerstandsfähig, dass sie es in der freien Wildbahn schaffen können. Sie nach dem Aufpäppeln wieder zurück zu ihren Eltern zu bringen, ginge nicht, erklärt Petra Müller. "Wenn die Vögel einen halben Tag lang nicht da sind, haken die Eltern sie ab. Dann hat sich die Brut für dieses Jahr erledigt", sagt sie.

Aus diesem Grund sollten aus dem Nest gefallene Tiere auch nicht wieder hineingesetzt werden. "Wenn sie aus dem Nest fallen, dann hat das meistens einen guten Grund – sie werden dann von den Eltern nicht mehr akzeptiert. Handaufzucht ist dann die einzige Möglichkeit", sagt Müller.

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