Für schnelleres Internet

Kabelfernsehen schaltet analoge Kanäle ab

Zum 7. August schaltet Vodafone Kabel Deutschland in seinem Netz die analogen Kanäle von TV und Radio ab. Was Kabelkunden wissen müssen, und wieso in Zukunft dort das Internet schneller wird.
04.06.2018, 20:51
Lesedauer: 3 Min
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Kabelfernsehen schaltet analoge Kanäle ab
Von Florian Schwiegershausen

Es ist das große Projekt, dass Vodafone Kabel Deutschland in diesem Jahr vor sich hat. Denn in den Kabelnetzen sollen die analogen Fernsehkanäle abgeschaltet werden. In Bremen und umzu soll das zum Ende der Sommerferien passieren, und zwar in der Nacht vom 6. auf den 7. August. Wer noch analog Sender sowohl im Fernsehen als auch im Radio über Kabel empfängt, muss also bis zum genannten Stichtag auf den digitalen Empfang wechseln – sonst bleibt der Bildschirm schwarz und das Radio stumm. „Wir gehen davon aus, dass in Bremen und umzu bereits 93 Prozent aller Kabelkunden digital hören und sehen“, sagt Vodafone-Sprecherin Heike Koring.

Viele Kabelkunden wissen allerdings gar nicht, ob sie die Kanäle nun analog oder digital gucken. Wer einen neueren Flachbild-Fernseher besitzt, bei dem stehen die Chancen gut, dass er digital schaut. Heike Koring erläutert, mit welchem Test die Kunden erkennen, wie sie Fernsehen schauen: „Wer in seiner Senderliste die Sender One, ZDF Neo oder Tagesschau24 sieht, ist bestens gerüstet. Hier wird digital ferngesehen. Und die digitalen Geräte können auch zukünftig weiter genutzt werden.“ Zeigt der Fernseher jedoch nur um die 30 Sender, und das ohne One, ZDF Neo oder Tagesschau24, sei von einem analogen Empfang auszugehen. „Das ist in der Regel der Fall, wenn ein Röhrenfernseher ohne Digital-Receiver im Wohnzimmer steht“, ergänzt Koring. Dann wäre ein Digital-Receiver speziell für Kabelfernsehen erforderlich, der zwischen Kabeldose und Fernseher angeschlossen wird. Solche Geräte gibt es im Handel ab etwa 40 Euro aufwärts.

Umstellung am 7. August

Umgestellt wird am 7. August in einem Zeitfenster zwischen 0 und 6 Uhr. Bei der Umstellung wird Vodafone gleichzeitig die digitalen Sender und Internet-Frequenzen neu sortieren. Die Vodafone-Sprecherin sagt: „Viele Digital-Receiver und Kabel-Router führen die Umstellung automatisch durch – vorausgesetzt, die Geräte werden in der Umstellungsnacht nicht vom Strom getrennt.“ Die Kabelkunden, bei denen das nicht funktioniere, sollten ab dem Morgen des 7. August einfach den Sendersuchlauf starten. Wer technisch nicht so versiert ist, solle da vielleicht die Kinder oder Enkelkinder oder vielleicht auch nebenan beim Nachbarn fragen. Vodafone-Kabelkunden können in den sechs Stunden zeitweise nicht telefonieren, fernsehen oder ins Internet gehen. Bei Notfällen sei daher das Mobiltelefon zu nutzen. Internet-DSL-Kunden oder Mobilfunkkunden von Vodafone sind von dieser Umstellung nicht betroffen.

Die Abschaltung der analogen Kanäle hat einen Grund. Sie nehmen im Gegensatz zu den digitalen Kanälen im Kabel viel Bandbreite ein. „Die frei werdenden Kanäle wollen wir in Zukunft für das Internet nutzen“, so Heike Koring. Damit sollen dann Internetgeschwindigkeiten von bis zu einem Gigabit möglich sein. Gleichzeitig sei es politisch gewollt, dass damit höhere Internetgeschwindigkeiten geschaffen werden. So wurde im Land Bremen per Gesetz festgelegt, dass spätestens zum 1. Januar 2019 keine analogen Sender mehr verbreitet werden dürfen.

Bevor sich die Kabelkunden nun einen neuen Digitalreceiver kaufen, empfiehlt Sven Petersen, Sprecher der Bremischen Landesmedienanstalt: „Jeder sollte für sich überlegen, welche Sender er schaut und was entsprechend seine Bedürfnisse sind. Wer jetzt nur ARD, ZDF und Radio Bremen TV schaut, für den könnte das digitale terrestrische Fernsehen DVB-T2 eine Alternative sein.“ Da würden dann auch Kosten für einen Receiver entstehen, aber die monatlichen Kabelgebühren würden wegfallen. Gleichzeitig sollten diejenigen, die über Kabel Radio hören, laut Petersen überlegen: „Gibt es da vielleicht eine Alternative, also über UKW oder DAB+?“

Nicht nur Bremen ist betroffen

Darauf weist auch Hartmut Schwarz von der Verbraucherzentrale Bremen hin: „Es wird niemand gezwungen. Die Verbraucher können auch gleichzeitig überlegen, ob sie vielleicht als Alternative Fernsehen per Internet schauen wollen.“ Was Schwarz als Verbraucherschützer noch wichtig ist: „Vodafone hat sich dazu verpflichtet, die Umstellung nicht begleitend für Werbeaktionen zu nutzen.“ Von der Umstellung am 7. August ist nicht nur Bremen betroffen, sondern im Umland auch Achim, Bassum, Delmenhorst, Dötlingen, Ganderkesee, Grasberg, Großenkneten, Harpstedt, Lemwerder, Lilienthal, Osterholz-Scharmbeck, Ottersberg, Oyten, Ritterhude, Schwanewede, Stuhr, Syke, Thedinghausen, Twistringen, Visbek, Weyhe und Wildeshausen.

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Die allererste Umstellung im Vodafone-Kabelnetz erfolgte Mitte Mai in der Region Nürnberg. „Wir haben uns extra Termine außerhalb großer Sportereignisse wie der Fußball-WM gesucht, damit es da nicht zu Beeinträchtigungen kommt“, sagt Vodafone-Sprecherin Heike Koring. In Bremerhaven wird übrigens in der Nacht zum 8. August umgestellt. Bis zur Umstellung in gut zwei Monaten in Bremen und umzu, werden sowohl der WESER-KURIER als auch Vodafone zusätzlich informieren.

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