Nach dem Brexit in der Dowing Steet 10 Kater Larry und andere Personalien

Hat man je einen Premier erlebt, der nach seiner Rücktritts-Verkündung aufgekratzt eine fröhliche Melodie summt? In Deutschland hätte das vermutlich einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Nicht so in Großbritannien.
13.07.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Peer Meinert und Silvia Kusidlo

Briten, man weiß es, haben mitunter einen Hang zu ungewöhnlichem, exzentrischen Verhalten. Aber hat man je einen Premier erlebt, der nach seiner Rücktritts-Verkündung aufgekratzt eine fröhliche Melodie summt? In Deutschland hätte das vermutlich einen Sturm der Entrüstung ausgelöst – mangelnde Ernsthaftigkeit, unangebrachte Heiterkeit, würde der Vorwurf wohl lauten. Nicht so in Großbritannien.

Zwar bricht in London eine neue Ära an, mit dem EU-Austritt drohen dem Land schwere Stunden, Theresa May, die neue Premierministerin, wird es nicht leicht haben – doch das Schmunzeln und den Sinn für skurrile Situationen haben sich die Briten bewahrt.

Ernst und staatsmännisch verkündete der britische Premier David Cameron am Montag vor Downing Street 10 seinen Rücktritt. Doch als er zurück in seinen Amtssitz tritt, summt er aufgekratzt – er wusste wohl nicht, dass das Mikrofon am Anzugsrevers noch an war. Der kleine Video-Mitschnitt vom Montagabend erheiterte die Briten. Nur Sekunden dauerte das Summen. „Do do, do do“, ist zu hören, dann fallen noch zwei Worte: „right“ (richtig) und „good“ (gut).

Fest steht: Der Premier – der gerade bekanntgab, dass Theresa May neue Regierungschefin wird – scheint mit sich und der Welt im Reinen zu sein. In den sozialen Netzwerken wurde am Dienstag gerätselt, welche Melodie Cameron auf den Lippen hatte. Einige tippen auf die Eröffnungs-Klänge der US-Politserie „The West Wing“ – seit dem Brexit-Votum am 23. Juni hatten Cameron und die Briten in der Tat reichlich Politdrama erlebt.

Apropos Spekulationen. Natürlich geht die Frage um „Wer wird was?“ im neuen Kabinett. Etwa: Wechseln Außenminister Philip Hammond und Schatzkanzler George Osborne den Job? Nimmt May auch den knallharten Brexit-Wortführer Michael Gove, bisher Justizminister, ins neue Team auf? May hatte im Brexit-Wahlkampf für den Verbleib in der EU plädiert – das macht ihre Stellung demnächst nicht unbedingt ein­facher.

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Aber es gibt auch ganz praktische Fragen, die ebenfalls interessieren. Etwa: Wann zieht Cameron tatsächlich aus, wann treten die Möbelpacker in Downing Street 10 in Aktion? Gibt es wirklich schon am Mittwoch den fliegenden Wechsel: Cameron raus, May rein?

Also, die Tagesplanung für Mr. Cameron sieht an diesem Mittwoch wie folgt aus: Gegen Mittag letzter großer Auftritt im Unterhaus. Es steht die Fragestunde an. Sechs Jahre war Cameron im Amt, mit dem Brexit-Referendum hat er sein eigenes politisches Grab geschaufelt. Die Frage ist: Wirft ihm zum Abgang im Parlament noch jemand Schmutz hinterher, gibt es noch eine große Abrechnung oder geht man pfleglich mit ihm um?

Nach dem Unterhaus eilt Cameron zur Königin, Rücktritt einreichen. Niemand anders als Elizabeth II. kann den 49-Jährigen von seinem Amt erlösen. Danach, so hat es Cameron signalisiert, soll May in Downing Street Einzug halten. Doch geht das wirklich so schnell? Immerhin, die Nachrichtenagentur PA meldet bereits am Dienstag, es seien Möbelwagen in Downing Street gesichtet worden.

Es soll eben alles ganz schnell gehen, die Botschaft ans Volk soll lauten: Krise beendet, die Konservativen konzentrieren sich wieder aufs Regieren.

Oberster Mäusefänger im Regierungssitz

Dann ist da noch eine Personalfrage, die das Herz der Briten berührt. Es geht um Kater Larry, offizieller Titel: „Chief Mouser to the Cabinet Office“, etwa: Oberster Mäusefänger im Regierungssitz. Seit 2011 lebt das Tier in Downing Street 10, es geht ihm wie Cameron: Dienstwohnung und Arbeitsplatz sind ein und dieselbe Adresse. Die Briten atmen nun auf, als sie vernehmen, dass ihr Liebling wohnen bleiben darf. Larry gehört nämlich gar nicht den Camerons, sondern einem Angestellten.

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