Nichts für halbe Herzen

Katharina Thalbach spielt in "Hanni & Nanni 2" (Kinostart: 17.05.) eine verpeilte Französischlehrerin

Einfach mal die Beine baumeln lassen? Nun ganz so einfach war es sicher nicht. Dennoch genießt es Katharina Thalbach, mittlerweile auch eine angesehene Regisseurin, mal wieder einfach nur Schauspielerin zu sein. Und was für eine!
11.05.2012, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Katharina Raab
Katharina Thalbach spielt in "Hanni & Nanni 2" (Kinostart: 17.05.) eine verpeilte Französischlehrerin

"Ich finde nach wie vor, dass der Lehrerberuf einer der wichtigsten überhaupt ist", sagt Schauspielerin Katharina Thalbach und schlüpft einmal mehr in die Rolle der liebenswerten Paukerin.

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Einfach mal die Beine baumeln lassen? Nun ganz so einfach war es sicher nicht. Dennoch genießt es Katharina Thalbach, mittlerweile auch eine angesehene Regisseurin, mal wieder einfach nur Schauspielerin zu sein. Und was für eine!

Für jemand anderes ausgeben könnte sich Katharina Thalbach wohl nicht. Egal, ob als leidgeprüfte Frau in Bernd Böhlichs Tragikomödie "Der Mond und andere Liebhaber" oder als Alter Fritz in einem TV-Dokudrama - ihre unverkennbare, tiefe, rauchige Stimme verrät sie. Stets. Kritiker lieben die waschechte Berlinerin, die immer noch eng mit dem Theater verbunden ist und in den letzten Jahren zunehmend selbst inszenierte. Nun macht die 58-Jährige wieder einen ihrer seltenen Ausflüge ins bunte Popcorn-Kino. In "Hanni & Nanni 2" (Kinostart: 17.05.) verbreitet sie als Musik- und Französischlehrerin Mademoiselle Bertoux mit viel Witz und Herz das Chaos und lässt es menscheln. Nicht die schlechtestes Lehrmethode, wie Katharina Thalbach im Interview erläutert.

teleschau: 1994 sang Lucilectric noch "Ich bin so froh, dass ich ein Mädchen bin" - ein Satz, den Sie unterschreiben würden, Frau Thalbach?

Katharina Thalbach: Im Grunde habe ich ja gar keine andere Wahl. Obwohl - eigentlich habe ich sie doch. Manchmal switche ich ja ein bisschen das Geschlecht. Alles in allem bin ich aber sehr glücklich, eine Frau zu sein.

teleschau: In dem TV-Dokudrama "Friedrich - Ein deutscher König" schlüpften Sie zuletzt in die Rolle des Preußenkönigs - für Sie ein bewusstes Spiel mit den Geschlechterrollen?

Thalbach: Nein, eigentlich nicht. Es ist für mich in der Zwischenzeit so normal geworden, dass ich nicht mehr zwischen männlichen und weiblichen Rollen unterscheide. Ich wähle Rollen nach anderen Kriterien aus. Sie müssen mir einfach liegen, ich muss sie spielen wollen - egal, ob Mann oder Frau.

teleschau: "Hanni & Nanni 2" appelliert dann doch eher an das Mädchen in einem - wie viel Mädchen steckt noch in Ihnen?

Thalbach: Na ich denke, da ist noch reichlich vorhanden, da steckt noch reichlich altes Mädchen drin!

teleschau: Inwiefern, glauben Sie, hat sich das Mädchenbild rückblickend verändert?

Thalbach: Ich glaube schon, dass Frauen heute gerade beruflich zunehmend in männliche Domänen vordringen. Auch beim Film. Unter die Lichtjungs mischen sich heute beispielsweise immer mehr Mädchen. Die sind richtig taff. Auch bei den Bühnenbauern - früher ein klassischer Handwerker- und Männerjob - gibt's zunehmend Frauen. Beruflich sind einem heute als Frau nicht mehr ganz so viele Grenzen gesetzt. Das ist doch etwas sehr Schönes. Überhaupt, dass berufstätige Frauen heute nichts Besonderes mehr sind. Das Ziel lautet inzwischen glücklicherweise nicht mehr: Wie angel' ich mir einen reichen Mann?

teleschau: Aus kommerzieller Sicht gesehen ist die Mädchenwelt aber immer noch recht rosa und glitzert ...

Thalbach: Spielwaren-Geschäfte finde ich sowieso ziemlich furchtbar. Da steht mir viel zu viel Plastik rum und viel zu viele brutale Geschichten. Ich würde ganz woanders ansetzen und eher an den Geist der Kinder appellieren und an deren Sinneswahrnehmung. Ob das nun Musikalität ist, ob das Sprache ist oder eben handwerkliche Fähigkeiten sind. Generell muss man sehr aufpassen, dass Kinder nicht verkommen - vor dem Computer und mit Klischeevorstellungen. Egal, ob das jetzt Mädchen oder Jungs sind.

teleschau: Sie sind Mutter und Großmutter. Beschäftigt Sie das Thema Erziehung?

Thalbach: Es bleibt leider nicht aus. Ich finde nach wie vor, dass der Lehrerberuf einer der wichtigsten überhaupt ist. Er prägt die Kinder. Ich hatte das Glück, ein paar sehr tolle Lehrer zu haben.

teleschau: Was machte sie aus?

Thalbach: Ich hatte Spaß am Lernen und musste trotzdem Disziplin ausüben. Ich empfand Schule immer als etwas Schönes. Und ich glaube, das ist das Wichtigste. "Der Club der toten Dichter" ist mit seinem Carpe-Diem-Thema ein wunderschöner Film. Er illustriert, wie man Wissen auf eine vergnügliche Weise in die Kinder hineinkriegt. Das ist eine ganz, ganz wichtige Aufgabe, die man nicht mit halbem Herzen ausführen kann.

teleschau: Sie können also die herzlichen Erziehungsmethoden Ihrer Filmfigur Mademoiselle Bertoux nachvollziehen?

Thalbach: Natürlich. Ich finde sie sowieso sehr zauberhaft. Ich liebe sie. Ich glaube, sie ist eine richtig gute Lehrerin. Kinder mögen generell sehr gerne Musikunterricht und lernen sehr gerne Französisch.

teleschau: Lieber als Mathematik zumindest.

Thalbach: Mathe ist ja eh ein wunder Punkt bei den meisten. Da hatte ich Glück: Ich mochte Mathe sehr!

teleschau: Was waren Sie für eine Schülerin?

Thalbach: Eine gute. Was ich nicht konnte, wurde geschummelt. Und das auch sehr gut!

teleschau: Für "Hanni & Nanni 2" drehten Sie vorrangig mit Kindern - unterscheidet sich das atmosphärisch von einem "normalen" Erwachsenendreh?

Thalbach: Nicht unbedingt. In erster Linie drehte ich mit Suzanne von Borsody. Wir beide waren Pat und Patachon. Wir hatten sehr viel Freude miteinander. Die Mädchen kannten wir ja bereits vom letzten Dreh. Das war alles sehr familiär. Wir sehen ihnen quasi beim Wachsen zu, sehen, wie sie sich verändern. Den Drehort kannte ich schon. In den 80-er Jahren drehte ich schon in Schloss Farber-Castell. Einen ganz anderen Film zwar - es war trotzdem ein bisschen wie nach Hause kommen.

teleschau: Verhält sich das ähnlich mit Ihrer Rolle? Sie spielten Mademoiselle Bertoux bereits im ersten "Hanni & Nanni"-Teil.

Thalbach: Sie gleicht einer Haut, die man sich wieder anzieht. So begegnet man sich in einer anderen Form immer wieder selbst.

teleschau: Ihr Schauspieldebüt gaben Sie bereits mit fünf Jahren - können Sie sich noch an diese Zeit erinnern?

Thalbach: Sogar sehr gut. Wenn man fünf ist, empfindet man das alles ja als vollkommen und hat nicht das Gefühl, dass man klein ist. Ich bin damit außerdem groß geworden. Meine Mutter war ja auch Schauspielerin. Den Betrieb als solches kannte ich, der war für mich normal. Ich hatte immer Spaß am Spielen. Der Unterschied war eben, dass man dabei plötzlich beobachtet wurde.

teleschau: Ihre Tochter Anna ist ebenfalls Schauspielerin - rückblickend ein logischer Schritt?

Thalbach: Nein, das war mir damals gar nicht klar. Das entschied sie ohne mein Zutun. Ich verbot es ihr aber nie. Sie hat allerdings mehrere Standbeine. Sie malt nebenbei.

teleschau: Sie dagegen machten sich in den letzten Jahren zunehmend einen Namen als Regisseurin. Wie schwer ist es da, als Schauspielerin wieder auf Anweisungen zu hören?

Thalbach: Das ist herrlich. Man hat nicht die Verantwortung. Das ist geradezu ein Hochgenuss.

teleschau: Schauspielerei ist für Sie also Entspannung?

Thalbach: Natürlich nicht nur. Nach jeder Inszenierung empfinde ich das Schauspielen aber tatsächlich als sehr entspannend.

teleschau: Es fällt Ihnen also leicht, das Zepter aus der Hand zu geben?

Thalbach: Ganz leicht ...!

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