Alles, was das Leben schön macht Katty Salié moderiert ab Freitag, 13. Januar, 23.15 Uhr, den ZDF-Klassiker "aspekte"

Die neue Hauptmoderatorin des dienstältesten Kulturmagzins im deutschen Fernsehen spricht über Qualitätsjournalismus, Guilty Pleasures und die Leichtigkeit des Seins.
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Von Jens Szameit

Die neue Hauptmoderatorin des dienstältesten Kulturmagzins im deutschen Fernsehen spricht über Qualitätsjournalismus, Guilty Pleasures und die Leichtigkeit des Seins.

46 Jahre "aspekte" im ZDF, die letzten 18 mit Luzia Braun an vorderster Moderatorenfront. Keine kleinen Fußstaßen, in die Katty Salié da tritt. Aber wenn nicht alles täuscht, dann ist die Veränderung doch ein Prinzip, das dem Kulturbetrieb gewissermaßen inhärent sein sollte. Die neue Hauptmoderatorin (ab Freitag, 13. Januar, 23.15 Uhr; die Vertretung macht Tobi Schlegl) des dienstältesten Kulturmagazins im deutschen Fernsehen geht die Sache denn auch mit einer Mischung aus Respekt und Vorfreude an. Sorge bereitet der 36-jährigen Wahlkölnerin eigentlich nur eines: das Datum ihrer Debütsendung.

teleschau: Frau Salié, am 13. Januar steigt Ihre Feuertaufe als "aspekte"-Moderatorin ...

Katty Salié: Am Freitag, dem 13.!

teleschau: Sie sind hoffentlich nicht abergläubisch!

Salié: Ein bisschen, ehrlich gesagt. Ich muss mich innerlich noch ein wenig festigen. Dann klappt das schon.

teleschau: Nach sechs Jahren als Moderatorin bei "west.art" wechseln Sie zum langlebigsten Kulturmagazin Deutschlands. Wie fühlt sich das an, wie ein Ritterschlag?

Salié: Die Sendung "west.art" moderierte ich unglaublich gerne, aber die Themen sind bei einer WDR-Produktion zwangsläufig auf Nordrhein-Westfalen begrenzt. In Sachen Themenvielfalt ist der neue Job demgegenüber natürlich super. Aber mir ist auch bewusst, dass beim ZDF viel mehr Menschen vor dem Fernseher sitzen. Vor allem auch solche, die "aspekte" in der bisherigen Form gewöhnt sind.

teleschau: Haben Sie Sorge, die Erwartungshaltung der Menschen zu enttäuschen?

Salié: Ich gehe immer davon aus, dass Menschen, die gerne Kulturmagazine gucken, kecke Leute sind, die auch offen sind für Neues. Demensprechend hoffe ich, dass sich niemand vor den Kopf gestoßen fühlt. Dennoch ist mir bewusst, dass Tradition verpflichtet.

teleschau: Andererseits ist jeder, der beim ZDF anfängt, zumindest unausgesprochen verpflichtet, den Zuschauerschnitt zu verjüngen ...

Salié: Ach, was heißt schon Verjüngung? Luzia Braun ist jetzt Mitte 50. Die Frau sieht fantastisch aus, hat großartig moderiert. Da ist das Alter doch völlig wurscht! Wenn jemand geht, kommt jemand Neues, und die Neuen sind meistens jünger als die, die gehen. So ist das in jedem Beruf.

teleschau: Muss man den Kampf ums junge Publikum vielleicht auch ein Stück weit aufgeben? Bestimmte Altersschichten scheinen die klassischen Fernsehkanäle ja kaum noch wahrzunehmen, unabhängig, ob da jugendaffine Sachen laufen oder nicht.

Salié: Leute, die auf Qualitätsjournalismus setzen, schauen sehr wohl noch öffentlich-rechtliches Fernsehen. Da kenn ich genug! Ich finde die Marktforschungszahlen auch nicht so schlecht, dass man zwingend von einem verlorenen Kampf ausgehen muss. Kämpfen macht auch Spaß! Und dass man sich nicht auf jungen Moderatoren wie Tobi Schlegl und mir ausruhen darf, sondern auch inhaltlich etwas anbieten muss, hat sich in den Redaktionen herumgesprochen.

teleschau: Was wird sich zukünftig bei "aspekte" ändern?

Salié: Ich finde, dass sich im letzten halben Jahr, seit Luzia Braun die Sendung alleine moderierte, einiges getan hat. Sie hat sich noch mehr getraut, war oft richtig witzig. Außerdem ist die Redaktion inzwischen sehr bunt gemischt. Es gibt sowohl ältere, gestandene Kulturjournalisten als auch neue, jüngere Redaktionskollegen. Alle sind total motiviert, alle brennen. Konzeptionell werden zukünftig noch mehr Schlüssellochblicke riskert, es wird noch mehr hinter die Kulissen des Kulturbetriebs geguckt, das erhoffe ich mir jedenfalls sehr.

teleschau: Wie fleißig haben Sie "aspekte" in den vergangen Jahren eingeschaltet?

Salié: Ich bin ehrlich: Ich bin erst im Studium zum großen "aspekte"-Zug zugestiegen. Der hat mich immer gut mitgenommen. Am allerschönsten fand ich "Das literarische Quartett" mit Marcel Reich-Ranicki.

teleschau: Und welches Verhältnis haben Sie zu Ihrer Vorgängerin?

Salié: Das Schöne ist: Wir werden zusammenarbeiten. Ich bin zwar die neue Frau an vorderster Front. Aber Luzia Braun bleibt stellvertretende Redaktionsleiterin. Ich fand es wahnsinnig angenehm, dass sie mich mit offenen Armen bei "aspekte" begrüßte. Sie sagte, ich könne voll auf ihre Unterstützung bauen.

teleschau: Sind Sie öffentlich-rechtlich sozialisiert, was Ihren privaten Fernsehkonsum angeht?

Salié: Als ich Kind war, gab's gar nichts anderes. Als Jugendliche war ich dann versessen aufs Musikfernsehen, was mich ein Stück weit zu dem gemacht hat, was ich heute bin. Ich war lange als Radiomoderatorin und musikjournalistisch tätig, dazu stehe ich auch. Als ich etwas weiser wurde und studierte, war dann wieder das öffentlich-rechtliche Fernsehen meine erste Anlaufstelle.

teleschau: Und heute?

Salié: Heute geht's mir wie vielen, die im Fernsehbusiness arbeiten: Ich guck privat nicht viel fern. Als Mutter einer zweijährigen Tochter nutze ich auch gerne das Internet und hole mir die Informationen bei "Spiegel Online" oder "Tagesschau.de" dann, wenn ich die Zeit dafür habe. Abends schaue ich gerne mal Dokumentationen, ins Nachmittagsprogramm der privaten Sender gucke ich hingegen nie.

teleschau: Dabei sind Sie mit der Welt der privaten Sender bestens vertraut. Sie besuchten die RTL-Journalistenschule ...

Salié: Exakt. Viele bei den Öffentlich-Rechtlichen schimpfen über RTL, waren aber nie da. Ich weiß, wie da gearbeitet wird, und habe in den zwei Jahren sehr gute Dinge gelernt. Meine ersten praktischen Erfahrungen im Fernsehbereich sammelte ich hinterher bei einem RTL-Live-Magazin. Schneller als andere ist RTL in jedem Fall. Eine gute Schule.

teleschau: Woher kommt Ihr Interesse für Kultur? Haben sie das von Ihren Eltern?

Salié: Meine Eltern sind wahnsinnig liebreizende Menschen, aber keine klassischen Kulturliebhaber. Ich würde den Begriff Kulturinteresse aber auch gar nicht so hoch hängen beziehungsweise als etwas sehen, das betont werden müsste. Kultur ist im Grunde alles, was das Leben ausmacht - alles, was das Leben schön macht! So gesehen ist eigentlich jeder kulturinteressiert. Auch meine Eltern.

teleschau: Stammen die eigentlich aus Frankreich? Ihr Name lässt das vermuten ...

Salié: Unsere Familie hat hugenottische Vorfahren. Meine Eltern stammen aber aus Niedersachsen, mit Frankreich haben sie nicht viel am Hut.

teleschau: Sie hingegen schon ...

Salié: Ich studierte französische Literaturwissenschaften. Von Molière bis Maupassant: Diese Autoren lagen mir sehr am Herzen.

teleschau: Können wir Deutschen vom Umgang der Franzosen mit Kultur etwas lernen?

Salié: Was wir per se von anderen Europäern lernen können, ist die Leichtigkeit. Die finde ich erstrebenswert. Wir Deutschen können durchaus stolz sein auf unser kulturelles Erbe, aber wir nehmen's oftmals zu ernst und zu schwer.

teleschau: Wo in Deutschland ist das kulturelle Leben derzeit am aufregendsten?

Salié: Da möchte ich mich gar nicht zu einer Aussage hinreißen lassen. Die kleinsten Kleinstädte haben bisweilen ein ganz tolles Kulturleben. Gerade dort wird ganz viel aus dem Boden gestampft und aus eigener Tasche finanziert. Diesen Kulturschaffenden gebürt eigentlich der größte Respekt. Ein reiches Kulturleben in Berlin oder Köln finde ich nicht so überraschend.

teleschau: Ein Umzug nach Berlin, wo die "aspekte"-Redaktion sitzt, kommt erst mal nicht infrage, wie man liest?

Salié: Nein, mein Mann und ich sind gerade dabei, sesshaft zu werden. Köln ist meine Heimat. Das ist aber keine Absage an Berlin. Dort lebte ich drei Jahre. Auf die Grätsche zwischen den Städten freue ich mich sehr.

teleschau: Wie lange fährt der ICE von Köln nach Berlin?

Salié: Viereinhalb Stunden. Ich werde aber das Flugzeug nehmen. Das ist wesentlich schneller.

teleschau: Ihre junge Familie wird es Ihnen danken.

Salié: Mit der Kita-Versorgung, wenngleich sie nicht perfekt ist, müsste das alles sehr gut machbar sein. Ganz im Ernst: Ich bin zwei Tage die Woche weg. Ich kenne viele berufstätige Mütter, die verlassen zwar nicht die Stadt, in der sie leben, sind aber trotzdem kaum zu Hause. Ich bin da! Zur Not via Skype.

teleschau: Verdankt sich Ihre Liebe zur Stadt Köln eigentlich tatsächlich dem Anblick des Doms als 15-Jährige?

Salié: Fakt ist, dass mich das Bauwerk damals sehr beeindruckt hat. Das kann's ja nur ...

teleschau: Vor allem, wenn man sich anschaut, was drumherum steht.

Salié: Das ist genau die Sache, die mich an Köln fasziniert. Köln ist eine Stadt, die seit der Nachkriegszeit nicht gerade mit wundervoller Architektur besticht. Aber die Stadt hat einfach Flair. Es ist ein zutreffendes Klischee, dass die Rheinländer Frohnaturen sind. Köln ist eine Gute-Laune-Stadt, was nicht heißt, dass sie keinen Tiefgang hat. Die Menschen sind herzlich, und sie sind schlau. Aber sie nehmen's leicht. Von allen deutschen Städten, die ich kenne, ist Köln die leichteste.

teleschau: Sind Sie eine, die sich nach Feierabend in die Kölsch-Kneipe setzt?

Salié: Absolut! Ich habe meine Stammeckkneipe, wie sich das gehört. Und ich bin Karnevalistin!

teleschau: Wenn Sie jetzt noch sagen, dass Sie den FC unterstützen ...

Salié: Leider nicht. Mit Fußballkultur hab ich's nicht so. Der Kabarattist Frank Goosen hat mal lange auf mich eingeredet, ich solle doch offener für Fußball sein. Es hat leider nicht geholfen.

teleschau: Ihre Lieblingsserie wird auch in Köln produziert: die "Lindenstraße". Weiß das ZDF von Ihrer sonderbaren Leidenschaft?

Salié: Ich finde, das ist nicht sonderbar! Ich wuchs mit der "Lindenstraße" auf. Die Anfangsmelodie gehört zum Soundtrack meines Lebens. Sie löst sofort ein heimeliges Gefühl aus.

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