Industrie Keine Garantien für Beschäftigte der MV Werften Fertigmodule

Mit dem Medizintechniker Eppendorf ist für einen weiteren Teil der MV-Werften-Gruppe ein neuer Eigentümer gefunden. Das Unternehmen will am Standort in Wismar eine neue Kunststofffabrik aufbauen. Doch was wird aus den Mitarbeitern des alten Werftenstandorts?
21.04.2022, 17:53
Lesedauer: 3 Min
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Von dpa

Der Medizintechnik-Hersteller Eppendorf will neben Grundstück und Gebäude der früheren MV Werften Fertigmodule in Wismar auch Teile der ehemaligen Belegschaft übernehmen. Nach der Bekanntgabe der Übernahme sagte der technische Vorstand Wilhelm Plüster am Freitag in Wismar, viele der Funktionalitäten und des Wissens in der Fertigung könnten weiter genutzt werden. Man sei auch bereit, Mitarbeiter umzuschulen.

Den Angaben zufolge will das Unternehmen nach einem ersten Umbauschritt mit Investitionen zwischen 5 und 10 Millionen Euro zum Jahresende mit 30 bis 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Produktion in dem geplanten Kunststoffwerk starten.

Plüster wollte jedoch keine Garantien geben, wie groß der Anteil der Ehemaligen an der neuen Belegschaft sein wird. Laut der Betriebsratsvorsitzenden der MV Werften Fertigmodule GmbH, Monika Dei, seien noch 92 Personen in der Transfergesellschaft. Einige davon hätten sich auch bereits für den neuen Eigentümer entschieden. Laut dem Vorstandsvorsitzenden Peter Fruhstorfer soll die Belegschaft schrittweise erweitert werden. Eppendorf verspricht, an dem Standort mittelfristig hunderte Arbeitsplätze zu schaffen.

Aus Sicht von Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) ist die Ansiedlung der weltweit agierenden Eppendorf-Gruppe mit Sitz in Hamburg in doppelter Hinsicht ein Gewinn. Ein Unternehmen aus einer zukunftsträchtigen Branche, das hochwertige neue Arbeitsplätze schafft, werde die Wirtschaftskraft des Landes stärken. Zudem sei eine attraktive Zukunftsperspektive für den Werftenstandort Wismar entstanden. Wie der Minister am Freitag vor Ort erläuterte, hatte er das Unternehmen selbst als möglichen Investor vorgeschlagen. Den Verkauf bezeichnete er als eine „sehr nachhaltige Lösung für den Standort“.

Der neue Produktionsstandort, der zügig aufgebaut werden soll, ermögliche es Eppendorf, sein Geschäft mit Laborverbrauchsmaterialien auszubauen, hieß es von Fruhstorfer. Das Gelände umfasse mehr als 20.000 Quadratmeter Nutzungsfläche mit Produktions- und Lagerflächen sowie Büro- und Nebengebäuden.

Vertreter von Industrie und Gewerkschaft begrüßten die Übernahme. „Die Nachfolgesuche für den Produktionsstandort ist erfreulich schnell zu einem adäquaten Ergebnis gekommen. Das ist eine gute Nachricht für die ganze Region“, sagte Siegbert Eisenach, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwerin.

Der Bezirksleiter der Gewerkschaft IG Metall, Daniel Friedrich, hätte sich jedoch konkretere Aussagen zur Beschäftigung gewünscht: „Um Fachkräfte bis zum Produktionsstart für das Werk zu halten und Investorenlösungen für die Werften zu ermöglichen, ist eine Verlängerung der Transfergesellschaften notwendig.“ Friedrich bemängelte zudem, dass Eppendorf bisher nicht tarifgebunden ist. Das Unternehmen hatte versichert, dennoch übertariflich zu zahlen.

Am Rande der Bekanntgabe äußerte sich Insolvenzverwalter Christoph Morgen auch zur Zukunft des zu 75 Prozent fertiggestellten Kreuzfahrtschiffes „Global 1“, für das in der Fabrik zuvor Kabinen produziert wurden. Das Schiff werde auf jeden Fall fertig gebaut, sagte Morgen, alles andere wäre eine enorme Wertvernichtung. Alle dafür benötigten Teile stünden bereits zur Verfügung. Zudem haben laut Morgen alle Bieter, die für den Werft-Standort Wismar im Gespräch seien, zugesagt, einen Weiterbau zu ermöglichen. Aus Sicht des Insolvenzverwalters ist das für die Investoren von Vorteil: Die Fachkräfte sind vor Ort noch eineinhalb Jahre beschäftigt, in dieser Zeit können die neuen Eigentümer ihre eigene Produktion vorbereiten und dann unter Umständen die Beschäftigten übernehmen.

Die MV-Werften-Gruppe hatte im Januar Insolvenz angemeldet. Grund war der coronabedingte Zusammenbruch des weltweiten Kreuzfahrtgeschäfts. Der chinesische Mutterkonzern Genting Hongkong war als Folge zahlungsunfähig geworden und hatte sich mit Landes- und Bundesregierung in der Frage weiterer Kredite nicht mehr einigen können. Auch Genting ging den Weg in den Gläubigerschutz. Das Insolvenzverfahren der MV Werften wurde formal Anfang März eröffnet.

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