Kommentar

Kriegsgefahr wächst

Felix Lee über den Inselstreit in Südostasien Ganz schön gefährlich, was sich derzeit mal wieder wegen ein paar läppischer Felsbrocken im Ostchinesischen Meer abspielt: China erweitert eigenmächtig seine Flugüberwachungszone und kündigt an, die Einhaltung auch militärisch durchzusetzen. Japans Regierung wettert mit nationalistischen Parolen und fordert ihre Fluglinien auf, Chinas Vorgaben zu ignorieren.
28.11.2013, 00:00
Lesedauer: 1 Min
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Kriegsgefahr wächst
Von Felix Lee

Felix Lee

über den Inselstreit in Südostasien

Ganz schön gefährlich, was sich derzeit mal wieder wegen ein paar läppischer Felsbrocken im Ostchinesischen Meer abspielt: China erweitert eigenmächtig seine Flugüberwachungszone und kündigt an, die Einhaltung auch militärisch durchzusetzen. Japans Regierung wettert mit nationalistischen Parolen und fordert ihre Fluglinien auf, Chinas Vorgaben zu ignorieren. Und nun lassen die USA auch noch B52-Bomber verdächtig nahe dieser Zone kreisen und heizen damit den Insel-Konflikt zusätzlich an. Alles nur Säbelrasseln?

Ja – aber nicht nur. Denn damit hat sich die chinesische Führung in eine Situation manövriert, die für zusätzlichen Zündstoff sorgt. Jedes Mal, wenn auch nur eine Passagiermaschine diese viel frequentierte Route nutzt, wird aus chinesischer Sicht ihre Zone verletzt. Verhält sich China wie angekündigt konsequent, müsste es die Maschine zur Umkehr zwingen oder gar abschießen. Verhält sich die chinesische Luftabwehr besonnen und lässt die japanischen Flieger gewähren, muss sich Chinas Führung im eigenen Land Schwäche vorwerfen lassen. Schon jetzt häufen sich im chinesischen Netz die Stimmen, Peking trete gegenüber Japan und den USA zu lasch auf.

Aber auch die USA treiben ein gefährliches Spiel. Sie selbst behaupten, bei den Bombern habe es sich um lange vorher geplante Routineflüge gehandelt. Hätten diese angesichts der derzeit heiklen Lage nicht abgesagt werden können, bis sich die Lage wieder beruhigt?

Ginge es in dem Streit nur um die Inseln, ließe er sich leicht lösen. Sie sind unbewohnbar und die vermuteten Ressourcen könnten in einem fairen Verfahren aufgeteilt werden – sofern sie überhaupt vorhanden sind. Doch einiges deutet darauf hin, dass der Inselkonflikt nur vorgeschoben ist. Tatsächlich geht es um Nationalismus und die Vormachtstellung in Ostasien. Die Parteien sollten das auch so benennen. Dann würde die Weltgemeinschaft endlich merken, wie gefährlich die Lage inzwischen ist, und sie könnte ernsthafte Verhandlungen mit allen Beteiligten aufnehmen. Solange das nicht geschieht, ist die Gefahr für eine unverhoffte Kollision groß. Der Ausgang könnte verheerend werden – für alle Seiten.

politik@weser-kurier.de

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