Thomas Spang über das Massaker in Florida Leitartikel: Wir alle sind Orlando

Der Terror von Orlando richtete sich nicht nur gegen einen Schwulen-Club in Florida. Der Attentäter zielte auf das Herz unserer freien Gesellschaften.
13.06.2016, 00:00
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Leitartikel: Wir alle sind Orlando
Von Thomas Spang

Der Terror von Orlando richtete sich nicht nur gegen einen Schwulen-Club in Florida. Der Attentäter zielte auf das Herz unserer freien Gesellschaften, die Vielfalt nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung versteht.

Das friedliche Miteinander von Menschen verschiedener ethnischer, kultureller und religiöser Herkunft, die Akzeptanz unterschiedlicher sexueller Orientierungen – kurz: der Pluralismus der Lebensweisen – ist die Essenz westlicher Werte. Omar Mateen nahm mit seinem Hass uns alle ins Visier. Wir sind Orlando.

Wer jetzt versucht, eine solche Tragödie politisch auszuschlachten, betreibt das Geschäft des Täters. Nichts hilft den hasserfüllten Extremisten mehr als innere Verwerfungen, Überreaktionen und Uneinigkeit. Deshalb ist es so verwerflich, wenn Donald Trump wenige Stunden nach dem Massaker damit beginnt, Schuld zuzuweisen. Dabei steht noch nicht einmal fest, ob Mateen auf eigene Faust als sogenannter „einsamer Wolf“ handelte oder Hintermänner der Terrormiliz Daesch das Massaker von langer Hand geplant haben.

Die von Trump und anderen Rechtspopulisten suggerierte Idee, in offenen Gesellschaften lasse sich so etwas wie totale Sicherheit herstellen, grenzt an magisches Denken. Wer das für erstrebenswert hält, fühlt sich vielleicht in einem Polizeistaat wie Nordkorea wohl. Zum Preis der Freiheit gehört es leider, mit einem Restrisiko leben zu müssen. Allerdings gibt es sinnvolle Schritte, die unternommen werden können, Massaker wie das in Florida zu verhindern.

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Allen voran gehört in den Vereinigten Staaten dazu eine Reform der Waffengesetze. Dass ein Terrorist ohne Probleme in ein Waffengeschäft gehen kann, um sich eine Kriegswaffe zu kaufen, spricht Bände. Obwohl Mateen auf dem Radar des FBI wegen seiner Umtriebe im extremistischen Spektrum war, konnte er vor zwei Wochen noch eine Glock-Handfeuerwaffe kaufen. Das ist nicht nur absurd, sondern grob fahrlässig. Die Amerikaner müssen sich in der Tat überlegen, ob sie es Terroristen wirklich so einfach machen wollen.

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