Comeback als Hockey Mom Linda de Mol moderiert die neue SAT.1-Show "The Winner is ..." (ab 13.4., freitags, 20.15 Uhr)

Die de Mols kommen: Während TV-Zampano John de Mol mit "The Winner is ..." eine neue Show-Idee ausgebrütet hat, übernimmt seine Schwester Linda für SAT.1 gleich die Moderation.
15.03.2012, 00:00
Lesedauer: 6 Min
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Von Rupert Sommer

Die de Mols kommen: Während TV-Zampano John de Mol mit "The Winner is ..." eine neue Show-Idee ausgebrütet hat, übernimmt seine Schwester Linda für SAT.1 gleich die Moderation.

Mit einem strahlenden Lächeln (und einem sympathischen holländischen Akzent) kehrt die einstige "Traumhochzeit"-Moderatorin, die für RTL zwischen 1992 und 2000 mit ihren Shows ein Millionenpublikum in Atem hielt, ins deutsche Fernsehen zurück. Am Freitag, 13. April, moderiert Linda de Mol (47) zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr eine große SAT.1-Familienshow: Bei "The Winner is ..." treten Gesangstalente und solche, die sich dafür halten, gegeneinander an und wetteifern um den Siegpreis von einer Million Euro - und das nicht immer nach den Regeln der Kunst. Das Besondere: Wie schon beim Überraschungserfolg "The Voice" entwickelte das Show-Konzept Lindas Bruder John de Mol. Doch wer gedacht hätte, die beiden Vorzeige-Holländer wären schon immer ein Herz und eine Seele gewesen, der irrt. Und zwar gewaltig.

teleschau: Frau de Mol, das Konzept für Ihre neue SAT.1-Sendung "The Winner is ..." soll Gameshow- und Casting-Elemente vereinen. Kann das wirklich klappen?

Linda de Mol: Stimmt, das klingt ein wenig komisch. Allerdings war meine erste Reaktion auch ein "Nicht schon wieder", als mein Bruder vor zwei Jahren "The Voice" entwickelte. Damals hatte auch fast jeder geklagt, dass es schon zu viele Casting-Shows gibt und nicht wirklich Platz für eine weitere sei. Das Entscheidende bei "The Voice" war dann ja, dass die Kandidaten richtig tolle Stimmen haben und nicht auf das Aussehen geachtet wird. Die Show kam so gut an, dass sie im nächsten Jahr in 140 Ländern laufen wird. "Casting-Show" wäre aber die falsche Kategorie für "The Winner is ..."

teleschau: Warum?

Linda de Mol: Es geht nicht darum, Leute zu finden, die berühmt werden können und die mit einem ersten Plattenvertrag in eine große Karriere im Show-Biz aufbrechen. In meiner neuen Show geht es darum, mit dem Talent, das man hat, reich zu werden. Es ist eher eine Mischung aus "The Voice" und "Deal Or No Deal" - der Sendung mit den Geldkoffern. Aus acht Kategorien singen jeweils zwei Kandidaten gegeneinander an. Wer eine Runde weiterkommt, darüber entscheidet die Jury aus Mousse T. und 100 Leuten aus dem Publikum. Aber das Ergebnis der Jury-Entscheidung hören die Kontrahenten zunächst nicht: Sie können vorher miteinander verhandeln.

teleschau: Was soll denn in diesen Deals herauskommen?

Linda de Mol: Wenn ich zum Beispiel denke, dass ich weniger gut gesungen habe als Sie, dann kann ich Ihnen Folgendes anbieten: Wenn Sie mir das Geld geben, dann verzichte ich freiwillig auf die nächste Runde - und Sie kommen auf jeden Fall weiter. Dieses Dealen miteinander macht die Show interessant: Es geht nicht darum, der Beste aus einer Riesenmenge von Leuten zu sein, die alle denken, dass sie singen können. Wichtig ist, sein Talent mit anderen vergleichen zu können - und so weit wie möglich zu kommen. Richtig viel Geld zu verdienen mit seinem Talent ist, so denke ich, kein so verkehrtes Ziel. Bei vielen der Siegern aus den bisherigen Castingshows im deutschen oder holländischen Fernsehen wurde doch nichts aus der großen Karriere, die sie sich eigentlich gewünscht hatten.

teleschau: Es kann also auch sein, dass der Show-Gewinner nicht wirklich der beste Künstler ist, sondern nur der Geschickteste?

Linda de Mol: Die Jury achtet schon auf Gesangstalent. Es lässt sich aber nicht vermeiden, dass Sympathie eine Rolle spielt. Wer etwa viel zu schnippisch oder geschäftig verhandelt, riskiert, dass er in der nächsten Runde von der Jury dafür bestraft wird. Es sind psychologische Duelle.

teleschau: Sie schützen also Deutschland vor unnötiger Talent-Belästigung? Einige der Kandidaten dürften sich mit dem Geld zufriedengeben - und nie wieder singen.

Linda de Mol: (lacht) Wer weiß, das wäre doch nicht der schlechteste Effekt.

teleschau: Wie muss man sich denn die Situation vorstellen, wenn Ihr Bruder Sie für eine neue Show-Idee begeistern möchte? Sitzen Sie da gemeinsam am Kaffeetisch?

Linda de Mol: Dass ich zu "The Winner is ..." kam, war Zufall. Wenige Wochen zuvor erhielt ich nämlich einen Anruf mit der Frage, ob ich nicht wieder etwas für SAT.1 machen wollte - nach "Einer gegen 100" vor einigen Jahren. Ich habe einen vollen Terminkalender und musste mir das erst überlegen. Meine Karriere in Holland läuft unglaublich gut. Ich war mir nicht sicher, ob ich wieder zurück nach Deutschland kommen sollte - vor allem, weil es noch nicht wirklich ein passendes Format für mich gab. Zur gleichen Zeit hatte mein Bruder "The Winner is ..." entwickelt und mir davon erzählt. Ich war sofort begeistert. Aber er macht die Show für einen holländischen Sender, für den ich nicht arbeiten darf, weil es der Konkurrent ist. Als ich hörte, dass SAT.1 an dem Format interessiert war, passte alles plötzlich zusammen.

teleschau: War das schon in Ihrer Jugend so, dass Sie sich mit Ihrem Bruder die Ideen wie Bälle zuspielten?

Linda de Mol: Nein, überhaupt nicht. Er ist neuneinhalb Jahre älter. Als ich noch mit meinen Puppen spielte, hatte er schon Freundinnen. Man kann eigentlich nicht sagen, dass wir sehr eng miteinander waren, als wir Kinder und Jugendliche waren. John war mein großer Bruder - und hat als solcher überhaupt nichts mit mir besprochen. Erst als ich mit 20 anfing, beim britischen Sky Channel zu arbeiten, hatte er für Sky Popshows produziert - die ich dann moderierte. Seit der Zeit besteht ein Band zwischen uns, das in den vergangenen 27 Jahren gehalten hat. Jetzt sind wir beruflich und auch privat erst so richtig Geschwister. Wir reden gerne und viel übers Fernsehen, über neue Konzepte und unsere Pläne.

teleschau: Dann war der Altersunterschied also lange zu groß.

Linda de Mol: (lacht) Auf jeden Fall. John hat mich lange gar nicht ernstgenommen.

teleschau: Sie waren tatsächlich länger nicht im deutschen Fernsehen zu sehen. Was ist das für ein Gefühl für Sie, dass sie trotzdem noch so viele Fans hierzulande haben?

Linda de Mol: Ich habe nicht den Anspruch, dass ganz Deutschland auf mich wartet. Es gibt sicherlich noch eine große Gruppe Menschen, die mit viel Wärme an die "Traumhochzeit"-Ära zurückdenkt. Es ist wohl eine Generation, die damals mit mir groß wurde, von der ich immer noch regelmäßig Briefe aus Deutschland erhalte. Es gibt aber auch viele Jüngere, die nichts mit mir am Hut haben - weil sie mich noch gar nicht kennen.

teleschau: "Traumhochzeit" feiert 2012 sogar ein 20-Jahre-Jubiläum: Macht sie das nicht auch ein wenig nostalgisch?

Linda de Mol: Mir ist schon bewusst, dass ich Deutschland ein bisschen vermisst habe. Ich finde es schön, jetzt wieder hier zu sein. Es klingt vielleicht ein wenig verwöhnt: Aber das ist das Problem des Erfolgs. In Holland haben meine Shows tolle Quoten. Das ist super, heißt aber auch, dass ich jedes Jahr das Gleiche machen muss. Deswegen freut es mich sehr, einen Ausflug nach Deutschland machen zu können und ein neues Format auszuprobieren.

teleschau: Sie sind ja nicht nur Moderatorin, Medien-Unternehmerin, Schauspielerin, sondern auch Chefredakteurin einer eigenen Zeitschrift. Wie sehen eigentlich die Momente aus, in denen Sie mal zur Ruhe kommen und die Füße hochlegen?

Linda de Mol: Diese Momente gibt es, auch wenn mir viele unterstellen, dass ich 80 Stunden pro Woche arbeite. Alles ist eine Frage der guten Planung. Ich mache viel Urlaub. Für alle Schulferien mache ich einen großen Strich in meinem Terminkalender - wegen meiner Kinder. An den Wochenenden versuche ich, so viel wie möglich zu Hause zu sein. Meine Tochter spielt gut Hockey. Und ich begleite sie gerne zu den Spielen und stehe dann auf dem Hockey-Platz.

teleschau: In Amerika sind die "Hockey Moms" ja schon ein stehender Ausdruck ...

Linda de Mol: (lacht) I'm a Hockey Mom. Ich find das toll, eine zu sein.

teleschau: Haben Sie feste Rituale, an denen Ihre Familie immer wieder zusammenkommt?

Linda de Mol: Ja, es sind eigentlich die Samstagabende. Die verbringe ich gerne vor dem offenen Kamin mit meinen Kindern - und vielen Häppchen auf dem Tisch. Und natürlich schauen wir dann die großen Samstagabendshows an ...

teleschau: Und Sie begegnen sich selbst im Fernsehen.

Linda de Mol: (lacht) Ich muss mich immer wieder selbst ansehen. Immerhin bin ich für fast die Hälfte aller Samstagabendprogramme in Holland im Einsatz. Zum Glück finden meine Kinder die Show ganz toll.

teleschau: Entdecken Sie bereits Show-Talent bei Ihren Kindern?

Linda de Mol: Eher nicht. Meine Tochter ist sehr sportlich. Sie träumt davon, eines Tages in der holländischen Hockey-Nationalmannschaft zu spielen. Mein Sohn ist sehr musikalisch. Mit meinem Freund, der Komponist ist, haben sich da zwei komplett gefunden. Ich denke, für ihn zeichnet sich eine musikalische Karriere ab, meinen Sohn zieht es als Pianist ans Konservatorium. Aber man weiß ja nie, was passiert: Mit 14 Jahren wollte ich Juristin werden.

teleschau: Letzte Frage, in diesem Jahr unvermeidlich: Was ist Ihr Tipp für das Abschneiden von Niederländern und Deutschen bei der Fußball-Europameisterschaft?

Linda de Mol: Ich hoffe schon, dass die Holländer gewinnen. Die Deutschen sind aber im Moment richtig gut. Die Begegnungen Holland - Deutschland sind immer spannender als alle anderen Spiele. Ich habe gute Hoffnungen für uns, aber die Deutschen hören nie auf zu kämpfen. Sie verlieren immer erst in der allerletzten Minute. Wenn sie verlieren.

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